Fiat Tipo S-Design 5-Türer Fahrbericht

Den Fiat Tipo kann man als Limousine, 5-Türer und Kombi wählen. Frisch auf dem Markt ist die sportliche S-Design Linie, oder man könnte auch kurz Fiat Tipo S sagen – erhältlich für 5-Türer und Kombi. Wir haben die Hatch-Variante im sportlichen Look getestet. Von Thomas Majchrzak

Für Europa wird der Fiat Tipo im türkischen Bursa gebaut. In der Türkei und einigen anderen Ländern heißt der Tipo Aegea, ein in Mexiko gebauter Ableger hört auf den Namen Dodge Neon. In Deutschland startet der Fiat Tipo als Limousine bei 14.500 Euro, 5-Türer/Hatch liegt bei 15.500 Euro, der Kombi bei 16.500 Euro. Die von uns getestete Variante Fiat Tipo S-Design mit Benziner und Automatik kommt auf gut 21.500 Euro – immer noch ein attraktiver Preis, wenn man die Konkurrenten im Kompakt-Segment vergleicht.

Exterieur

Der Radstand ist bei allen drei Varianten identisch, die Länge variiert zwischen 4,36 m (5-Türer), 4,53 m (Limousine) und 4,57 (Kombi). In allen Varianten wirkt der Fiat Tipo zunächst modern, aber unauffällig. Ein Auto, das für Jedermann funktionieren soll. Der vordere Überhang ist kurz gehalten, der Frontgrill für Fiat-Verhältnisse recht prominent. Daneben fallen die weit um die Ecken gezogenen Leuchteinheiten an Front und Heck auf. Aus versicherungstechnischen Gründen endet die Haube deutlich vor dem vorderen Abschluss – so halten sich die Reparaturkosten bei Bagatellschäden in Grenzen. Bei 15-Zoll-Stahlfelgen geht es los, hinauf geht es bis 18 Zoll, 17-Zoll-Alufelgen sind Serie bei der S-Design-Variante (hier auch zu sehen). Weitere optische Highlights des “S” sind Details in Klavierlack (Außenspiegel, Kühlergrill), Türgriffe in Wagenfarbe sowie getönte Scheiben hinten. In der Farbe Metropolitan Grau zusammen mit schwarzen Felgen und den erwähnten schwarzen Fensterrahmen sieht das Bild dann schon ganz anders aus, da schaut der Fiat Tipo S sehr sportlich aus.

Interieur

Alles wirkt solide verarbeitet, im Design gefällig, in der Haptik häufig robust. Das Lenkrad wirkt bullig und die jeweils breiten Plastik-Knöpfe sorgen nicht gerade für eine hochwertige Atmosphäre. Dafür sind sie aber einfach zu bedienen. Die Fiat-Designer haben sich aber an vielen Stellen sichtlich Gedanken gemacht, etwa auch Struktur in Hartplastik-Elemente gebracht, damit diese besser aussehen. Das Armaturenbrett hat sogar Soft-Touch. Ein Highlight des Interieurs sind die S-Design-Sitze in einer Kombination aus Stoff und Kunstleder. Dieses pflegeleichte und nachhaltige Material vorne und an den Außenwangen sorgt für ein optisches Highlight, der Stoff dagegen bleibt im Sommer kühler und im Winter wärmer als Leder.

Vorne ist für große Menschen ausreichend Platz. Der Sitzkern ist allerdings etwas hart, so dass wir die Fahrt auf längeren Strecken unangenehm finden. Hier könnte eine weichere Polsterung helfen, zudem sind die Sitze recht kurz.

Die analogen Rundinstrumente liegen gut sichtbar vor dem in Höhe und Weite verstellbaren Multifunktions-Lenkrad (ab Lounge-Ausstattung). Die leicht nach vorne gezogene Mittelkonsole beherbergt nur drei Drucktasten – City-Modus für die Lenkung, Zentralverriegelung und Warnblinkschalter. Weiter unten sitzen etwas verborgen die Tasten für die Sitzheizung, dazwischen ein 12 Volt-Anschluss und eine AUX und USB-Schnittstelle. Gut zu bedienen sind die fein einrastenden und gummierten Drehregler für die Heizungs- und Klimafunktionen.

Das zentrale 5″-Display aus den unteren Ausstattungsvarianten wirkte im ersten Test etwas klein altbacken, ein moderneres 7″-System dagegen gibt es ab Lounge (und damit auch Serie in der Top-Ausstattung S-Design). Dieses kommt im S-Design auch direkt mit Apple CarPlay / Android Auto, im unteren Feld bleiben die digitalen Hotkeys für den Rest des Infotainment-Systems. Das ist einerseits praktisch, andererseits ist dadurch das CarPlay-Bild kleiner. Jedenfalls ist die Einbindung softwaremäßig gelungen, so dass man über CarPlay Musik hören kann, während man trotzdem das Fahrzeug-Navi benutzt. Die Bedienung ist auch dabei recht intuitiv, im Navi kann man auch wie am Smartphone rein- und rauszoomen. Die Adressen könnten ein wenig schneller gefunden werden.

In puncto Beinfreiheit können durchaus vier Erwachsene mitfahren, das Ergebnis ist hier Standard für die Kompaktklasse, wenn man gen 1,90 m geht, dann stößt man mit den Knien gegen den Vordersitz. Die Kopffreiheit ist im 5-Türer auch etwas besser als in der Limousine, weil hier die Dachlinie nicht abfällt. Kein Problem also nach oben hin. Der tief ausgeformte Kofferraum fasst 440 Liter. Es gibt keine Laderaumabdeckung, so ergibt sich also keine ebene Ladefläche, wenn man die Sitze vom Fond aus umgeklappt hat.

Fiat bietet den Tipo Fünftürer in vier Ausstattungsvarianten an: Pop, Easy, Lounge und S-Design.

Serienausstattung:
– 15″-Stahlfelgen mit Radzierblenden
– Klimaanlage, manuell mit Pollenfilter
– Radio mit MP3, USB und AUX-IN, 4 Lautsprecher
– Außenspiegel, elektrisch verstell- und beheizbar
– Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung
– Lenkrad, höhen- und längsverstellbar
– Fahrersitz, höhenverstellbar
– Heckscheibe, beheizbar
– Instrumentenanzeige als TFT-Display
– Außentemperaturanzeige
– 6 Airbags
– ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung (EBD) und Bremsassistent (BAS) und Electronic Stability Control (ESC)
– Servolenkung, elektrisch
– Fensterheber vorn, elektrisch
– 12 V Steckdose in der Mittelkonsole
– Stoßfänger in Wagenfarbe lackiert
– Rücksitzbank, asymmetrisch umklappbar (im Verhältnis 60/40)

Easy zusätzlich:
– 16″-Stahlfelgen mit Radzierblenden
– Uconnect Touchscreenradio mit 5″-Bildschirm, USB, AUX-IN, Bluetooth®- und Audiostreaming
– Außenspiegel in Wagenfarbe lackiert
– Türgriffe, verchromt
– Lenkrad mit Multifunktionstasten
– Fensterheber hinten, elektrisch
– Dritte Kopfstütze hinten
– Schaltknauf und Lenkrad in Techno-Leder (hochwertige Ledernachbildung)
– Abgedunkelte Scheinwerfer
– mit integriertem LED-Tagfahrlicht

Lounge zusätzlich:
– 16″-Leichtmetallfelgen
– Klimaautomatik, mit Pollenfilter
– Uconnect Touchscreenradio mit 7″-Bildschirm, USB, AUX-IN, Bluetooth, Audiostreaming und Uconnect LIVE
– Licht- und Regensensor
– Nebelscheinwerfer mit Abbiegelichtfunktion
– Geschwindigkeitsregelanlage
– Mittelarmlehne vorn
– 12 V Steckdose im Gepäckraum
– Innenspiegel automatisch abblendend

S-Design zusätzlich
– 17″-Leichtmetallfelgen in Schwarz
– Details in Klavierlackoptik Schwarz (Außenspiegel, Kühlergrill und Nebelscheinwerfer)
– Türgriffe in Wagenfarbe lackiert
– Apple CarPlay / Android Auto
– Getönte Scheiben hinten
– S-Design Polsterung in Stoff-Kunstleder-Kombination
– Interieur Details in Klavierlackoptik Schwarz
– Mittelarmlehne hinten

Motor

Benziner
1.4 16V mit 95 PS (Sauger)
1.4 16V mit 120 PS (Turbo)
1.6 E-torQ mit 110 PS (Sauger) mit Automatik

Diesel
1.3 Multijet mit 95 PS
1.6 Multijet mit 120 PS optional mit Doppelkupplungsgetriebe

Alle Motoren haben Vorderradantrieb.

Fahrverhalten

Wir fahren den 1,6 l Liter Sauger-Benziner mit Automatik. In 11,2 Sekunden geht es auf 100 km/h, das ist nicht sonderlich schnell, die anderen Motoren sind aber auch nicht viel flotter. Der Fiat Tipo soll aber auch kein Racer sein, sondern ein preisgünstiges Fahrzeug für den Alltag. Der E-torQ-Motor wird in den unteren Gängen oberhalb von 3.500 U/min durchaus laut, und die Automatik schaltet manchmal etwas behäbig, manchmal auch, wenn man den Tempomaten aktiviert hat und das Fahrzeug wieder anhand der Vorgabe beschleunigt. Auf der Autobahn hingegen gibt sich der komplett in Aluminium gegossene SOHC-Motor leise, dreht bei Tacho 130 nur noch 3.000 Mal in der Minute. Unser Durchschnittsverbrauch liegt bei gut 7 l / 100 km. Das könnte etwas weniger sein. In Kombination mit der Automatik findet man allerdings nach einer Weile einen ruhigen Fahrstil, der sich dem Fahrzeug anpasst – und es wird immer angenehmer und entspannter.

Die Feder/Dämpfer-Abstimmung ist dafür eher ein wenig zu straff. Lange Wellen werden zwar gut geschluckt, kürzere dagegen mühsamer, vor allem bei langsamer Fahrt. Da kommen die Schlaglöcher zu sehr durch. Die Seitenneigung des Aufbaus hält sich in Grenzen und auch sonst dürfte das Handling den durchschnittlichen Fiat Tipo-Fahrer vor keine großen Probleme stellen. Die Lenkung fühlt sich weich an, benötigt kaum Kraftaufwand – noch weniger im City-Modus. Der Schalter für den City-Modus der Lenkung ist sehr hilfreich, wenn man beim Einparken sonst kräftig kurbeln muss. Da der Fiat Tipo ohnehin nicht mit einem sportlichen Fahrer-Auto-Straßen-Kontakt punktet, kann man auch dauerhaft im City-Modus fahren, dann ist die Lenkung zumindest schön leichtgängig. Die Übersicht ist übrigens so wie bei anderen Kompakt-Fahrzeugen und nicht groß eingeschränkt, da gibt es nichts auszusetzen.

Abmessungen

Länge: 4,53 m
Breite: 1,79 m
Höhe: 1,50 m
Radstand: 2,63 m
Gewicht: 1.280 kg

Fazit Das größte Plus des Fiat Tipo ist das selbst in den gehobenen Varianten günstige Preis-/Leistungsverhältnis. Das Design ist modern angepasst, im S-Design dagegen schon sehr sportlich attraktiv. Im Interieur findet man kein Premium, aber durchaus angenehme Lösungen, gerade im S-Design-Paket. Im Fahrverhalten gibt sich der Fiat Tipo ruhig und beständig, unaufgeregt. Schlaglöcher sollte das Fahrwerk besser schlucken. Auch hier gilt: Der Tipo ist kein Ausbrecher aus den Konventionen, sondern versucht möglichst viele Konventionen einzuhalten. Verbesserungswürdig sind die Euro NCAP Testergebnisse, 3 Sterne in Basisausstattung und 4 Sterne mit Sicherheits-Paket.

Autogefühl: ***

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak




One Response to Fiat Tipo S-Design 5-Türer Fahrbericht

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