BMW i8 Roadster Fahrbericht

Seit 2013 bietet BMW den progressiven Hybrid-Sportwagen BMW i8 an. Schon 2012 hatte BMW das Concept Spyder gezeigt, das eine offene Variante versprach. Sechs Jahre später folgt die Serienreife, der BMW i8 Roadster – bei uns im Fahrbericht. Es geht um die Frage: Motor-Speedboat oder sportliche Segelyacht? Von Thomas Majchrzak





Exterieur

Der BMW i8 ist dramatisch und spektakulär, im Design ein Supersportwagen. Flach und lang. Voll-LED-Scheinwerfer sorgen für die Beleuchtung, optional Laser-Licht (6.300 Euro). Im Seitenprofil zeigt der i8 die charakteristische Schulter, die fliegend in das Heck übergeht, ein aerodynamisches Element, in das man sogar eine Hand stecken könnte. Letztlich strömt die Luft dann über die Heckleuchten hinweg. Die Carbon-Flügeltüren unterstreichen die Unverwechselbarkeit. Serienmäßig ist der i8 mit 20-Zoll-Felgen bestückt. Der i8 Roadster öffnet sich, wobei am Heck die Linie von einer Art Targa-Hutze in Empfang genommen wird. So dominieren dann auch in der Heckansicht die beiden offenen Höcker. Die Karosserie besteht aus einem Mix aus Carbon und Aluminium.

Interieur

Das Interieur weist einerseits Styling-Elemente der klassischen BMW-Modelle auf, etwa was die Aufteilung der Mittelkonsole angeht. Geschwungene Formen dürfen ein wenig spielen, der i8 will nicht ganz simplistisch sein, sondern auch im Interieur auffallen. Die Designlinien überlappen sich teilweise, hier hätte man vielleicht auch an der ein oder anderen Stelle etwas weglassen können. Trotzdem stellt sich sofort ein Wohlfühlen ein.

Die Vordersitze sind voluminös und bieten einen sportlichen Seitenhalt, sogar mit einer etwas breiteren Schulterpartie als beim Coupé. An Farbspektren sind Schwarz, Beige, Braun und Grau verfügbar, leider ausschließlich mit Tierhaut-Bezügen, was den Nachhaltigkeitsgedanken ignoriert. Der Sitzkomfort ist für einen Supersportwagen ordentlich. Hinter den Sitzen gibt es mit dem Travel Paket noch etwas Stauraum. Hier ergibt sich dann auch der größte Unterschied zum Coupé, es gibt keine Not-Sitzbank hinten. Hinten gibt es einen Kofferraum, der für einen Kabinen-Trolley reicht. Zusammen mit der Staumöglichkeit hinter den Sitzen kann man sogar dann insgesamt zwei Kabinen-Trolleys und zwei Rucksäcke transportieren – allerdings muss man diese Tetris-Style hinter den Sitzen einstöpseln und wieder herausschälen. An kleineren Ablagen für Sonnenbrille & Co. bleibt allerdings nichts übrig, Ablagen sind wirklich ein Manko.

Das Navigationssystem ist serienmäßig. Die Bluetooth-Verbindung dagegen ist optional, ebenso wie die Apple CarPlay-Vorbereitung. Damit man den Blick stets auf der Straße behalten kann, bietet BMW ein Head-Up-Display an (1.500 Euro).

Motoren

Plug-in-Hybrid mit 374 PS
Aufteilung:
Vorderachse Elektromotor mit 143 PS
Hinterachse 1,5-Liter-3-Zylinder-Benzin-Turbomotor mit 231 PS
In diesem Fall kann man die PS-Zahlen tatsächlich aufaddieren, weil die beiden Motoren keine mechanische Verbindung haben.

Otto-Partikelfilter
4,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h (Zum Vergleich Coupé: 4,4 Sek.)
Aufgeladen wird vorne links, getankt hinten rechts.
Absurd: Standardmäßig besitzt der Kraftstofftank 30 l Volumen, für einen Aufpreis von 100 Euro bekommt man einen mit 42 l.

Während das Coupé bei 138.000 Euro beginnt, liegt der Roadster bei 155.000 Euro.

Fahrverhalten

Den BMW i8 Roadster fährt man zunächst elektrisch, und daraus ergibt sich auch ein großer Unterschied zum Anfahren mit einem V8-Sportwagen. Während man z.B. mit einem Jaguar F-TYPE alle Nachbarn aufweckt, kann man mit dem i8 Roadster ganz lautlos anfahren. Understatement sozusagen, eine andere Philosophie. Rein elektrisches Fahren ist mit bis zu 120 km/h und einer Alltagsreichweite von 40 km möglich. Den rein elektrischen Verbrauch bemessen wir mit 10 kWh/100 km, das ist erstaunlich wenig. Für den vollen Boost wählt man den Sport-Modus, dann kommt die maximale Power aus beiden Antrieben. In den nicht rein elektrischen Fahrmodi wird die Batterie direkt durch den Benzinmotor geladen, um für die Boost-Funktion zur Verfügung zu stehen. Im elektrischen Fahrmodus wird die Batterie ausschließlich durch die Bremsenergierückgewinnung geladen. Auch wenn man den Schalthebel nach links drückt, um im Sport-Modus maximale Performance zu haben, behält der BMW i8 Roadster stets eine Charakteristik eines Elektroautos. Man spürt, wenn man im Elektromodus nur von vorne gezogen wird und im Benziner-Modus eher von hinten geschoben wird. Aber durch das sofortige Drehmoment des Elektromotors bleibt eben doch die E-Charakteristik, was wir als sehr positiv empfinden. So kann der BMW i8 Roadster entweder sehr explosiv mit Doppelherz agieren oder aber rein elektrisch cruisen. Und letzteres ist gerade in Verbindung mit dem Cabriolet einfach toll. 70 km/h, offenes Dach, kein Geräusch, nur leichtes Säuseln des Windes – das ist Roadster-Genuss pur. Es geht eben auch ohne Sound. Wenn man übrigens doch etwas Sound haben möchte, meldet sich der Dreizylinder durchaus zu Wort, allerdings vorwiegend im Innenraum, denn hier arbeitet BMW mit Sound-Aktuatoren, die das Geräusch im Innenraum künstlich verstärken. Der Benziner-Verbrauch mit Hilfe des Elektromotors, also im Hybrid-Modus, landet letztlich bei 5 l / 100 km.

Ein adaptives Fahrwerk ist übrigens Standard, und so verhält sich der BMW i8 Roadster für einen Supersportwagen durchaus komfortabel. Unebenheiten werden nicht sofort an den unteren Rücken weitergeschickt. Gleichzeitig bleibt die sportliche Charakteristik, der lange Radstand wirkt sich zwar negativ auf den Wendekreis aus (eher wie bei einem Lkw), dafür bringt er gute Spurstabilität. Und Kreisverkehre fahren ist ein wahrer Genuss. In puncto Windeigenschaften kann man übrigens 100 km/h noch offen fahren, darüber hinaus wird es doch etwas laut. Aber im Gegensatz zu anderen Cabriolets kann der BMW i8 Roadster durchaus auch im Winter punkten, wir würden ihn im Gegensatz zu manch anderen Roadstern nicht als reines Sommercabrio klassifizieren. Öffnen und schließen kann man das Verdeck übrigens bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h. Die kleine hintere Glasscheibe kann man ganz herunterfahren, ganz hochfahren oder auf eine Zwischenposition bringen, die als eine Art Windschott dienen soll für die beste Aerodynamik und die geringsten Verwirbelungen. Einen großen Unterschied bemerken wir dabei allerdings nicht.

Abmessungen

Länge: 4,68 m
Breite: 1,94 m
Höhe: 1,29 m
Radstand: 2,80 m
Leergewicht: 1560 – 1670 kg

Fazit: Der BMW i8 Roadster ist in seiner Form einzigartig, elektrisiert, offen, und trotz geringem Hubraum ein Supersportwagen. Das Design begeistert weiterhin, als flacher Supersportwagen ist er aber natürlich nur bedingt alltagstauglich. Im Roadster schwindet dann auch die Sitzfläche hinter den Sitzen, wenn gleich es noch Stauraum gibt, der allerdings nur kompliziert zu erreichen ist. Fehl am Platze für einen zukunftsorientierten und supposed-to-be nachhaltigen Sportwagen ist der Einsatz von Tierhäuten auf den Sitzen. Im Fahrverhalten begeistert der BMW i8 Roadster mit Fahrfreude pur. Im Hybrid-Modus zeigt er geballte Power, im Elektromodus spielt er seine Einzigartigkeit noch mehr aus. Ein elektrischer Roadster ist wirklich etwas ganz besonderes, wer diese Erfahrung einmal gemacht hat, möchte sie nicht mehr missen. Für uns halten wir fest: Wenn Supersportwagen, dann BMW i8 Roadster.

Autogefühl: ****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak




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