Audi Q8 Fahrbericht

Audi stellt nun auch einen Wettbewerber auf dem Markt der SUV-Coupés, auch wenn Audi die rundlichen Formen von Mercedes und BMW nicht mitmacht. Mit dem Audi Q8 kommt ein neues Full-Size-SUV, das einen designbetonten Q7 mit etwas weniger Laderaum darstellt – und mit dem neuen Innenraum aus A8, A7 und A6 kommt. Nun konnten wir den neuen Audi Q8 fahren. Von Michel Weigel & Thomas Majchrzak





Exterieur

Grundsätzlich orientiert sich der Audi Q8 am Q7, ist aber am Heck angeschnitten, so wie BMW X6 zu X5. Mit der Länge von 4,99 m ist der Q8 gut 7 cm kürzer als der Q7, aber fast 3 cm breiter. Die Bodenfreiheit beträgt maximal 25 cm, wenn man die Luftfederung verbaut hat und diese im Offroad-Modus nach oben pumpt. Das Serienfahrwerk weist eine Bodenfreiheit von 22 cm auf. Neben der Grund-Stahl-Karosserie kommen Aluminium-Teile z.B. an Motorhaube, Kofferraumdeckel und Türen zum Einsatz.

In der Front will der Q8 sportlicher und prägnanter sein als der Q7, zitiert dabei Elemente aus dem Ur-Quattro-Sportwagen und zeigt große Lufteinlässe. Der Kühlergrill erhält sechs vertikale Lamellen. Und in der Tat funktioniert es, dass der Audi Q8 sein eigenes Erscheinungsbild zeigt. LED-Scheinwerfer sind serienmäßig, optional sind Matrix-LED für das Fernlicht erhältlich. Dann besitzt der Q8 auch das dynamische Blinklicht, das sich kaskadenartig ausbreitet sowie eine Light-Show beim Öffnen und Schließen. Die Seitenlinie ist ein wenig vom Coupé-SUV-Look geprägt, für alle die, denen der Q7 doch zu vanartig ausschaut. Allerdings fällt die Dachlinie nicht so krass ab wie bei anderen Konkurrenten und auch nicht so rund, und das Heck wirkt somit auch nicht wie ein Ei. Damit zeichnet sich Audi ab. Für uns sieht der Q8 besser aus als der Q7, wohingegen es bei anderen Wettbewerbern eher anders herum ausschaut. Los geht es mit 19-Zoll-Felgen, optional geht es hoch bis 22. Am Heck verbindet ein Leuchtband beide Fahrzeugenden spektakulär miteinander.

An Farben stehen auch neue expressive Töne zur Verfügung wie Drachen-Orange und Galaxis-Blau. Mit dem S-Line-Exterieurpaket kann man sich das Äußere noch etwas sportlicher gestalten. Matt-Graue-Töne bestimmen dann die Schweller und Kühlergrill-Umrandung, die die Designer auch Maske nennen.

Interieur

Der Audi Q8 lehnt sich im Interieur an den neuen großen Limousinen A6, A7 und A8 an. Das große zentrale Infotainment-System ist in das Armaturenbrett integriert und fällt nicht auf, wenn es ausgeschaltet ist. Angeschaltet vermittelt es einen kontrastreichen Bildeindruck. Aufgeteilt ist die Kommando-Zentrale wie schon bei Audi A6, A7 und A8 in zwei Screens, oben ein 10,1-Zoll-Screen (Basis 8,8“, in manchen Märkten kommt direkt das große oben serienmäßig), unten einer mit 8,6 Zoll. Oben wird z.B. primär das Navi angezeigt, unten kann man die Befehle eingeben und die Temperatur einstellen. Wenn man das große Display oben gewählt hat, kommt automatisch auch das Virtual Cockpit mit, die 12,3“-Zoll-Digital-Instrumente. Später folgt eine überarbeitete Version mit einem sportlichen Look (Virtual Cockpit plus). Darüber kann man optional ein Head-Up-Display installieren lassen. Die höchste Ausbaustufe des Bang & Olufsen Soundsystems kommt mit 23 Lautsprechern. Wie schlägt sich das Infotainment-System im Praxistest? Die Anzeige ist gut zu lesen, die Touch-Befehle funktionieren gut, lediglich manche Funktionen wie die Klima-Bedienung oder der Drive Select können beim Fahren etwas kompliziert werden. Abhilfe schaffen soll da die Voice-Bedienung, man kann z.B. sagen „Mir ist kalt“, dann fragt das Auto, auf welchen Temperaturgrad die Klimaeinheit gestellt werden soll. Volvo verfolgt nach dieser Ansage einen anderen Ansatz, hier wird die Temperatur jeweils 1 Grad nach oben oder unten geregelt, je nachdem ob man kalt oder warm sagt.

Die Dekor-Elemente sind in Aluminium und Holz verfügbar. Serienmäßig kommt eine doppelt verglaste Frontscheibe, optional ist die Frontscheibe beheizbar. Ferner kann man mit einem Akustikpaket die Glasisolierung auf die Seitenscheiben ausdehnen. Dann ergibt sich eine herrliche Ruhe. Die Fenster sind übrigens rahmenlos, eine weitere Anlehnung an echte Coupés.

Vier Sitzformen sind erhältlich: Basis, Sport, S-Sport und Kontursitze. Basisbezug beim Basis-Sitze ist Stoff, was wir auch empfehlen für Sitz- und Klimakomfort. Aber weitgehend konzentriert sich Audi immer noch auf den massiven Einsatz von Tierhaut. Für den Fond gibt es eine Dreier-Rückbank, die in der Länge verschiebbar ist. Diese klappt man auch vom Fond aus um. Platz ist reichlich für große Erwachsene, der Q8 bietet reichlich Raum und bequeme aufrechte Sitzpositionen. Die S-Sportsitze sind allerdings sehr straff gepolstert und in einem anderen Audi-Fahrzeug haben wir schon einmal erfahren, dass die formschönen Rautensteppungen langfristig sehr unbequem beim Sitzen werden.

Das Kofferraumvolumen reicht von 605 bis 1.755 Liter. Die elektrische Heckklappe lässt sich auch mit einer Fußgeste öffnen. Optional rollt sich dabei das Gepäckraumrollo automatisch auf und ab, eine saubere Lösung. Beschränkt ist man in der Ladehöhe, lange Dinge sind wie beim Q7 kein Problem. Für die meisten Einsatzzwecke schränkt der Q8 nicht ein, nur wenn das Ladegut in Richtung Ladeklappe hoch ist – etwa ein Mountainbikelenker.

Motoren

Der Einstiegspreis liegt bei 76.300 Euro.

3.0 TFSI mit 340 PS (Q8 55 TFSI) – mit Mild-Hybrid-System und Ottopartikelfilter
3.0 TDI mit 286 PS (Q8 50 TDI) mit Mild-Hybrid-System und SCR-Kat
6,3 Sek. von 0 auf 100 km/h
3.0 TDI mit 231 PS (Q8 45 TDI) mit Mild-Hybrid-System und SCR-Kat

Fahrverhalten

Der neue Audi Q8 bietet grundsätzlich die souveräne Laufruhe eines großen SUVs. Die Lenkung ist progressiv, man muss also nicht übermäßig viel lenken, was sowohl fürs Einparken als auch fürs sportliche Fahren angenehm ist. Mit der optionalen Allradlenkung können die Hinterräder bis zu 5 Grad gegensinnig einschlagen, um den Wendekreis um gut einen Meter zu reduzieren. Bei höherer Geschwindigkeit lenken die Hinterräder parallel zu den Vorderrädern. So wirkt der Q8 agiler, als die Länge vermuten lässt.

Die Grundausrichtung des Allradantriebs ist vorne 40:60 hinten, bei Bedarf wird das Verhältnis etwas angepasst. Geschaltet wird über ein 8-Stufen-Wandlergetriebe. Für Soft-Offroad-Ausflüge ist der Audi Q8 gerüstet, wie wir bei Testfahrten über Schotterpiste und leichte Sandwege in der Wüste erfahren.

Das adaptive Serienfahrwerk kann optional gegen eine Luftfederung ausgetauscht werden, in sportlicher oder komfortabler Abstimmung. Die Luftfederung passt sich über die Fahrmodi der Situation an und variiert in der Höhe um 9 cm. Die Luftfederung bietet natürlich den besten Komfort, auch wenn sie den Preis weiter nach oben treibt. Vor allem auf holprigem Terrain hat sich die Luftfederung bemerkbar gemacht und die Fahrt spürbar angenehmer gestaltet.

Wir fahren den 3.0 TFSI, der in Leistung und Laufruhe auf ganzer Linie überzeugt. Unser Testverbrauch landet auf über 3.000 m Höhe bei fast 11 l / 100 km, wobei der Verbrauch auf Meeresspiegel-Niveau etwas niedriger sein wird.

Die Assistenzsysteme sind in verschiedene Pakete gebündelt, es beginnt mit Adaptive Cruise Control und Toter-Winkel-Warner und endet bei Kreuzungsassistenten und Ausparkwarnern mit 360-Grad-Kamera oder Anhänger-Assistent.

Abmessungen
Länge: 4,99 m
Breite: 2,00 m
Radstand: 3,00 m
Höhe: 1,70 m

Fazit: Der neue Audi Q8 trimmt den Q7 auf sportlicher und ist im Gegensatz zu anderen SUV-Paaren bei der Konkurrenz sehr eigenständig. Zudem führt der Q8 auch für die großen Audi SUVs nun die neue Infotainment-Zentrale ein, verbindet damit sozusagen Q7 und die neuen Limousinen A8, A7 A6. Man verliert zwar gegenüber dem Q7 etwas an Höhe im Kofferraum. Ansonsten bleibt der Q8 aber sehr geräumig und flexibel. Ein Auto, das im Segment sehr gut funktionieren wird und gerade mit der Luftfederung ein hohes Maß an Komfort bringt. Die Verarbeitung ist auf höchstem Niveau, nur Materialien und Antriebe sind weiterhin konservativ.

Autogefühl: ****

Text: Autogefühl, Michel Weigel & Thomas Majchrzak
Fotos: Autogefühl, Michel Weigel
Video: Autogefühl, Aditya Jayaram & Michel Weigel




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