Mercedes X-Klasse X350d Fahrbericht mit V6

Die Mercedes X-Klasse teilt sich die Plattform mit Nissan Navara und Renault Alaskan, setzt aber wie wir beim ersten Fahr-Test erlebt haben auf mehr Luxus im Innenraum und mehr Design am Exterieur, zudem weist die X-Klasse bessere Fahrleistungen auf. Nun kommt der letzte Schritt zur „Eigenständigkeit“ mit einem echten Mercedes V6-Diesel namens X350d. Das wollten wir uns ansehen. Von Thomas Majchrzak





Die Produktion für den europäischen, australischen und südafrikanischen Markt findet im Nissan-Werk in Barcelona statt. Für Lateinamerika läuft die X-Klasse in Argentinien vom Band. Zum Preisgleich übrigens: Ein VW Amarok liegt zwischen 30.000 und 55.000 Euro. Die X-Klasse beginnt zwar schon bei 37.000 Euro, ausstattungsbereinigt wird der Unterschied dann etwas geringer. Mit dem neuen V6 und Ausstattung kann man auch gut 55.000 Euro erreichen.

Exterieur

Vorne zeigt die Mercedes X-Klasse einen selbstbewussten Auftritt, mit dem kräftigen Pickup-Kühlergrill und dem großen Stern. Allerdings vermitteln die Designlinien und die schmalen Leuchten nicht den aggressivsten Eindruck, da ist die X-Klasse also etwas eleganter als z.B. die größeren Pickups der US-Hersteller. Im Basis-trim-level Pure kommt die Frontschürze (und auch die Heckschürze) in Plastik, bei Progressive und Power in Wagenfarbe. Power trägt ferner noch eine auffällige Chrom-Spange. Die Felgengrößen betragen 17, 18 oder 19 Zoll. Im Seitenprofil kann man bei einem Pickup nicht viel anders machen, die Funktion bestimmt die Form. Eine Design-Linie haben die Mercedes-Designer im unteren Bereich eingezogen. In der Power-Ausstattung sind auch die Handgriffe verchromt, Ähnliches gilt für das Heck, wo man dann verchromte Heckschützer findet. Generell rahmen die senkrechten Leuchten die Ladeklappe ein, die ebenfalls prominent mit Stern besetzt ist. Serienmäßig kommt die 1,50 m x 1,50 m Ladefläche mit einer Beleuchtung. Optional kann man sich auch eine Hardtop-Laderaumabdeckung bestellen. Der Laderaum ist in der Breite so konzipiert, dass auch zwischen den Radhäusern eine Europalette quer verladen werden kann. Wenn man möchte, kann man die Heckklappe auch so bestellen, dass man sie ganz nach unten klappen kann, das ist relevant, wenn man sehr schweres Gerät über die Heckklappe einladen würde.

Die Bodenfreiheit beträgt 20,2 cm, optional kann man sie um 2 cm erhöhen (Serie für alle Märkte außerhalb von Europa, das ist dann das Offroad-Fahrwerk). Die Wat-Tiefe beträgt 60 cm.

Interieur

Im Innenraum erinnert tatsächlich noch weniger an die Schwestern Nissan Navara und Renault Alaskan. Das Mercedes-Lenkrad wirkt edel, die Lüftungsschlitze erinnern an elegante Sportwagen. Neben dem Standard-Audiosystem Audio 20 steht auch das Comand Online mit Festplatten-Navigation in der Preisliste, letzteres kann auch Live-Verkehrsinformationen liefern. Doch auch für das kleine Infotainment-System kann man ein Navi wählen. Das 5,4“ (Audio 20) oder 8“ (Comand Online) Infotainment-System ist über den mittleren Lüftungsdüsen angebracht. Das Telefon kann man über Bluetooth verbinden, leider nicht über Apple CarPlay oder Android Auto. Ein optionales Highlight-Feature ist die hintere Glasscheibe, die man dann auch elektrisch öffnen kann. Das funktioniert selbst bei schnellerer Fahrt ohne angenehme Windgeräusche.

Bei den Dekor-Zierelementen stehen drei Varianten zur Verfügung – Pixeloptik schwarz matt, Aluminiumoptik mit Längsschliff und Holzmaseroptik braun matt. Das Cockpit-Oberteil ist in der attraktiven Ledernachbildung Artico erhältlich, wahlweise in Schwarz oder Nussbraun.

Je nach Preis und Einsatzgebiet wirken die drei trims auch im Interieur: Pure (klassisch-robust), Progressive (höhere Ansprüche), Power (volle Hütte, Chromdesign).

Pure (nur erhältlich für Vierzylinder-Modelle) kommt mit dem Stoff Tunja schwarz oder optional Kunstleder in Schwarz.

Progressive erhält so genannte Komfortsitze mit dem schwarzen Stoff Posadas, optional gibt es hier die nachhaltige, sportliche und sinnvolle Kombination Ledernachbildung Artico außen und Mikrofaser Dinamica innen in Schwarz.

In der Power-Variante kommen elektrische Sitze, dann direkt mit der Kombination Ledernachbildung Artico außen und Mikrofaser Dinamica, mit zusätzlicher Kontrastziernaht in Alpakagrau, optional gibt es nur für diese Variante Tierhaut.

Die Interieur-Gestaltung im oberen sichtbaren Bereich ist wirklich Mercedes-alike, sehr hochwertig, sehr gefällig. Im unteren Teil betritt man dann wieder die Nissan-Welt (Klima-Einheit, Knöpfe, Armlehne usw).

Platz ist auf den vorderen Sitzen ausreichend für große Erwachsene. Einschränkung: Wenn man die Sonnenblende herunterklappt, kann man kaum noch etwas sehen. Der obere Teil der Windschutzscheibe ist allerdings getönt, so dass man häufig die Sonnenblende gar nicht benötigt. Auf den Rücksitzen sollte man doch unter 1,80 m groß sein, damit man noch vernünftig sitzen kann. Vorteil am Pickup: Die Sitzposition ist stets aufrecht und damit auch für Langstrecken geeignet.

Motoren

2,3 l Diesel mit 163 PS (X220d) oder 190 PS (Biturbo X250d)
6-Gang-Schaltgetriebe oder 7-Gang-Automatik für die 190-PS-Version
Wahlweise mit Heckantrieb oder Allradantrieb

3,0 l V6-Diesel mit 258 PS (X350d)
0-100 km/h 7,5 Sek.
Nur erhältlich in den Lines Progressive und Power

In Afrika und im Nahen Osten steht auch ein Vierzylinder-Benziner mit 165 PS (X200) und Handschaltung zur Verfügung (nur Hinterradantrieb).

Fahrverhalten

Vorne kommt eine Einzelradaufhängung zum Einsatz, hinten eine Mehrlenker-Hinterachse mit starrem Achsanteil. Im Gegensatz zum Nissan Navara hat Mercedes die Achsen um 7 cm verbreitert. Das sorgt für mehr Stabilität und Komfort. Außerdem wurde das Fahrwerk sorgfältig abgestimmt. Hier hat sich Mercedes dafür entschieden, das Straßen-Fahrwerk eher straff zu stellen, so dass eine höhere Fahrdynamik ermöglicht wird. Nachteil: Bei unebenen Straßen kann es somit ein wenig ruppig werden. Wer schon Pickups fährt, den stört das vielleicht weniger. Aber wer den Komfort eines Mercedes-SUV erwartet, wird doch etwas überrascht sein. Wir raten, falls verfügbar, zum Offroad-Fahrwerk auch für die Straße. Das Offroad-Fahrwerk liegt etwas höher und hat somit mehr Bodenfreiheit, und dadurch ergibt sich dann auch die eher Pickup-typische Fahrweise. Auf der Langstrecke hatten wir in einem ersten Test mit dem bereits ausreichend kräftigen X250d gut 7,5 l / 100 km verbraucht, mit diesem Verbrauch kann man gut leben. Im Stadtverkehr geht er dann etwas hoch.

Nun der 3,0 l V6 Diesel, der serienmäßig mit permanentem Allrad kommt. Dieser bietet mit mehr Zylindern und mehr Hubraum zunächst einmal mehr Laufruhe, der Klang ist auch sonorer und beruhigender. Das passt auch besser zu der hochwertigeren Attitüde der Mercedes X-Klasse. In 7,5 Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h, das ist 4 Sekunden schneller als der bislang stärkste Diesel. Die Allradverteilung liegt hier bei 40 Prozent vorne / 60 Prozent hinten, um den Fahrcharakter etwas sportlicher zu gestalten. Man spürt die Kraft, für einen Pickup ist der X350d wirklich fix. Noch besser ist aber die Laufruhe, mit der man häufig einfach bei 1.000 Umdrehungen durch die Gegend cruised, so hört man kein Diesel-Nageln und die Geräuschdämmung wird unterstützt. Als Verbrauch verzeichnen wir gut 8,5 l / 100 km.

Wer richtig offroad fahren möchte, holt sich natürlich nicht nur eine der Allrad-Varianten, sondern kann auch dann die Low-Range-Untersetzung aktivieren sowie die Differentialsperre an der Hinterachse und die Längsdifferenzialsperre. Die Allrad-Varianten kommen ferner mit Bergabfahrhilfe. Die Systeme funktionieren alle einwandfrei, wie wir auf einem Offroad-Parcours testen. Selbst bei stärken Unebenheiten bügelt das Offroad-Fahrwerk alles gut aus, zudem bleibt die X-Klasse sehr gut und präzise zu fahren. Wenn man nicht mehr viel sieht, hilft die Rundum-Blick-Kamera.

Die Lenkung ist übrigens durchaus leichtgängig, fühlt sich aber natürlich an. Offroad-spezifisch muss man hier etwas mehr am Lenkrad drehen, im Stadtverkehr kann das etwas störend sein, im Gelände schätzt man aber, dass das Lenkrad nicht allzu starke Bewegungen vom Untergrund an den Fahrer weitergibt.

Die Mercedes X-Klasse macht Spaß, man fährt aufrecht, der neue große Diesel ist noch kultivierter und die Automatik schaltet feinfühliger als die im kleinen Diesel.

Die maximale Nutzlast beträgt 1,1 Tonnen. Die Anhängelast gebremst beträgt je nach Motorisierung und Ausstattung 3.200 bis 3.500 kg.

Abmessungen

Länge: 5,34 m
Breite: 1,92 m
Höhe: 1,81 m
Radstand: 3,15 m
Leergewicht: 2.158 – 2.259 kg

Fazit: Mercedes bietet mit der X-Klasse einen stilvollen Design-Pickup, der robust und edel zugleich ausschaut. Ein paar typische Mercedes-Features fehlen und erinnern an die Plattform-Geber, etwa das nur höhenverstellbare Lenkrad oder der „Nissan-Schlüssel“. Im restlichen Stil und Auftritt wird die X-Klasse einem Mercedes aber gerechter. Dabei hilft nun auch der V6-Diesel, der mehr Kultiviertheit bringt. Kraft, wenn man sie haben möchte, etwa auf der Autobahn, aber vielmehr noch die Laufruhe durch niedrige Drehzahlen.

Autogefühl: ****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos & Video: Autogefühl, Michel Weigel




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