Citroen C4 Cactus 2018 Fahrbericht mit Advanced Comfort Federung

Der Citroen C4 Cactus 2018 kommt mit einer merkbaren Veränderung, die gleich mehrere Einschnitte bedeutet: Der C4 Cactus wird einerseits weniger exotisch, etwa mit weniger sichtbaren Airbumps und ohne Dachreling, zudem wird er etwas flacher und geht damit eher in die Richtung eines normalen Compact Hatch. Andererseits kommt eine neue einzigartige Technologie hinzu: Citroen belebt sozusagen die Hydropneumatik wieder, auf eine andere Art und Weise, aber gerade für das Kompakt-Segment aufsehenerregend. Nun sind wir den neuen Cactus gefahren – und waren natürlich besonders gespannt auf das neue Fahrwerk, das hierzulande Citroen Advanced Comfort Federung genannt wird. Von Thomas Majchrzak





Exterieur

Mit den extrem schmalen vorderen Scheinwerfern sieht der C4 Cactus an der Front sehr modern aus, fast futuristisch, und möchte mit seiner sehr abgerundeten Front aber nicht in Richtung Sportlichkeit gehen, sondern in Richtung City-Lifestyle. Die neue Front ist noch prägnanter, die LED-Tagfahrlichter wurden neu gestaltet. Die Hauptscheinwerfer sind nur mit Halogen erhältlich.

Als kleiner Crossover war der Citroen C4 Cactus mit seinen kontrastierenden Airbumps auf der Straße unverkennbar. Nun sind die Airbumps nach unten gewandert und deutlich kleiner. Somit können sie nicht mehr ganz den Zweck erfüllen. Insgesamt ergibt sich somit eine gewöhnlichere Optik. Allerdings sind die schwarzen Plastikschützer rund um die Radhäuser geblieben, somit behält der Citroen C4 Cactus innerhalb des Kompakt-Segments durchaus noch einen Crossover-Fokus. Die Dachreling entfällt komplett.

Am Heck kommen neue LED-Leuchten zum Einsatz, zudem sind die Rückleuchten mehr in die Waagerechte gezogen.

Mit den optischen Änderungen ist der C4 Cactus weniger extravagant, aber dafür eleganter. Er soll den normalen C4 nämlich gleich mit ersetzen, das ist auch ein entscheidender Grund dafür.

Interieur

Der Citroen C4 Cactus bietet in dieser Preisklasse ein unverwechselbares Interieur, das mit vielen überraschenden Lösungen daher kommt. Durch die „Airbag in Roof“-Technologie ist der Beifahrerairbag in den Dachhimmel gewandert und schafft somit mehr Platz im Handschuhfach, dessen Klappe nach oben hin aufgeht. Die Oberflächen sind in den höheren Ausstattungen zudem überraschend anders und erinnern an diesen Stellen eher an die Premium-Klasse, ohne dass aber allzu teure Materialien verwendet werden. Toll gemacht. Dazu gehören zum Beispiel die weichen Türgriffe bzw. in diesem Fall Schlaufen von innen, die an Vintage-Kofferstücke erinnern. Auch die Öffnungen des Handschuhfachs sind in diesem Vintage-Stil gehalten und vermitteln eine edle Atmosphäre. Dort ist es auch, wo die interessante Oberfläche mit einigen Erhebungen zu finden ist. Sie zieht sich über das gesamte Armaturenbrett.

Erstmals kommen die neuen Citroen Advanced Comfort Sitze zum Einsatz: Diese sind einerseits in der Grundstruktur etwas fester und 15 mm dicker, andererseits weisen sie eine noch weichere Schicht direkt unter der Oberfläche auf. Ein interessantes Konzept. Ferner sind die Sitze auch optisch sehr attraktiv gestaltet. Der Basis-Trim kommt mit grauen Stoff-Sitzen, Metropolitan Red (hier zu sehen) zeigt rote Akzente mit einem etwas glatteren Stoff, Wild Grey hat ebenfalls einen hochwertigen grauen Look mit einem etwas offenporigeren Stoff, der eher an Baumwolle erinnert – unser Tipp. Optional gibt es noch zwei trims mit Tierhaut, die mit „Hype“ beginnen, die aber überflüssig sind.

Allerdings gibt es auch viele andere Teile des Interieurs, die dann doch den günstigen Preis hervorscheinen lassen. Dazu gehören z.B. Teile der Mittelkonsole, einige Teile an den Innenseiten der Türen oder die Kofferraum-Boden-Abdeckung.

In der Mitte thront serienmäßig ein 7-Zoll (17 cm) Touchscreen, über den sich alle Multimedia-Funktionen steuern lassen – auch die Klima-Regelung, woran sich die Geister scheiden. Auf der positiven Seite steht ein extrem aufgeräumtes Cockpit, das lediglich die gesetzlich vorgeschriebenen Knöpfe aufweist, auf der anderen Seiten würde sich der ein oder andere für die Temperatur einen separaten Knopf wünschen.

Das optionale Panoramadach trägt eine Beschichtung, die vor Wärme und UV-Licht schützt. Denn ein separates Rollo gibt es nicht.

Die Ausstattungsdetails teilen sich in drei Linien auf, Live, Feel und Shine.

Das Platzangebot auf der Rückbank reicht nicht für große Erwachsene, unter 1,80 m Körpergröße hat man dann keine Probleme mehr. Das Kofferraumvolumen beträgt 358 bis 1.170 l.

Motoren

Der Einstiegspreis in Deutschland liegt bei 17.500 Euro. Der Benziner mit Automatik im top trim Shine käme auf 23.000 Euro. Das ist auch der große Pluspunkt des Citroen C4 Cactus – er ist günstig.

1,2 l 3-Zylinder Benziner mit 110 (5-Gang-Manuell oder 6-Gang-Automatik) oder 130 PS (6-Gang-Manuell)
1,6 l 4-Zylinder Diesel mit 100 (manuell) oder 120 PS (Automatik)

Als Automatik kommt nun ein Wandlergetriebe zum Einsatz, die Zeit des automatisierten Schaltgetriebes ist vorbei.

Fahrverhalten

In einem früheren Test sind wir den 100-PS-Diesel gefahren, der mit seiner Leistung für gemütliche Fahrten noch in Ordnung ging. Effektiv haben wir mit dem Diesel gut 5 l / 100 km Verbrauch erzielt.

Diesmal testen wir den 1,2 l 3-Zylinder Benziner, den es entweder mit 110 PS und 6-Gang-Wandler-Automatik gibt (für Komfort und die ruhigere Gangart) oder mit 130 PS und 6-Gang-Handschaltung für die etwas aktivere Gestaltung. Wir wählen den 110 PS Benziner mit Automatik. Die Automatik ist natürlich angenehm im Stau, tut grundsätzlich auch gut ihren Dienst. Leichte Abstriche muss man beim ganz sanften Beschleunigen und beim langsamen Anrollen an die Ampel machen, da kommt die Automatik manchmal etwas ins Stottern.

Als Verbrauch erzielen wir 6,5 l / 100 km, was ebenfalls in Ordnung geht. Der Cactus wiegt eben nur wenig mit gut 1.100 kg, so verbraucht er eher so viel wie Kleinwagen-Benziner.

Die bisherige klassische Federung vor dem Facelift führte zu erstaunlichen Wankbewegungen, wenn man zum Beispiel auf einem Parkplatz langsam anfährt und dann einmal einen Bremsentest macht, wankt der Cactus schön einmal nach vorne und wieder zurück. Nun kommt die ganz große Neuheit: In der Tradition der Hydropneumatik, einer Mischung von Hydraulik und Luft-Kompression, führt Citroen nun eine neue Generation von Federungs-Technologie ein, die die Fahrzeuge wieder in der Gerade halten soll, egal was kommt. In Deutschland kommt die „Progressive Hydraulic Cushion“, oder auch Advanced Comfort Federung genannt, serienmäßig für alle C4 Cactus. Und in der Tat merkt man einen großen Unterschied, der Cactus ist zwar weiterhin weich gefedert, zeigt aber nicht mehr dieselben Wankbewegungen wie zuvor, deutlich angenehmer. Gerade Bodenwellen werden super ausgeglichen und der Cactus fliegt über die Straße, auch wenn das typische Schweben einer Luftfederung nicht erreicht wird – aber das kann man in diesem Preissegment auch nicht erwarten. Schlaglöcher & Co. werden ebenfalls gut ausgeglichen, so kommen Stöße nicht bis in den unteren Rücken. Ein echter unique selling point in diesem Fahrzeugsegment.

Die Lenkung bleibt weiterhin sehr leichtgängig, aber etwas artifiziell. Der Citroen C4 Cactus will nicht sportlich, muss er aber auch nicht.

Abmessungen

Länge: 4,17 m
Breite: 1,71 m
Höhe: 1,48 m
Radstand: 2,60 m
Leergewicht: 1.040 – 1.130 kg
Kofferraumvolumen: 358 l – 1.170 l

Fazit: Der Citroen C4 Cactus hat durch das Facelift einerseits ein wenig Unverwechselbarkeit verloren. Er hat ohne große Airbumps und Dachreling weniger Kante, ist gefälliger für den Massenmarkt. Das war wirtschaftlich notwendig und passt auch zum gleichzeitigen Ersatz für den normalen C4. Citroen hat somit den C4 Cactus dem aktuellen Lineup der neuen Fahrzeuge mit C3, C3 Aircross und C5 Aircross näher gebracht. Gewonnen hat der Cactus damit sicherlich an Eleganz, er wirkt gelungen. Und wenn man ihn in einer hellen Farbe nimmt, kommt die Crossover-Ausrichtung doch noch spürbar zur Geltung. Die neuen Komfort-Sitze bringen in der Tat ein Komfort-Plus, auch wenn sie nicht Spitze im Segment sind, gerade für größere Menschen könnte der Langstreckenkomfort besser sein. Top ist das Lounge-Konzept mit attraktiven Stoffen. Hier und da müsste man an den Verarbeitungsdetails noch feilen, auf der anderen Seite zeigt Citroen interessante Lösungen und Materialien, etwa auf dem Armaturenbrett. Richtig spannend ist das neue Federungskonzept, mit dem sich Citroen wieder innovations-technisch einen Namen macht. Im Test können wir bestätigen, dass man für diesen Preis wirklich etwas exklusives an Abrollkomfort erhält. Den größten Pluspunkt sammelt der Citroen C4 Cactus beim Preis, denn selbst mit viel Ausstattung liegt er deutlich niedriger als viele Konkurrenten.

Autogefühl: ***

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak