Zwei der spannendsten Elektro-SUVs im Premiumsegment treffen aufeinander: der Mercedes GLC EQ und der BMW iX3. Beide bewegen sich auf hohem technologischen Niveau – doch in Charakter, Philosophie und Preis unterschieden sie sich. Wir haben beide Fahrzeuge in soweit möglich vergleichbarer Ausstattung einem umfassenden Vergleichstest unterzogen: Exterieur, Innenraum, Technologie, Fahrdynamik, Effizienz, Reichweite und Laden. Das Ergebnis überrascht. Von Thomas Majchrzak
Exterieur: Klassiker gegen Modernist
Beim ersten Blick zeigen sich die unterschiedlichen Designphilosophien schon auf den ersten Metern. Der Mercedes GLC EQ kehrt mit dem aktuellen Modell bewusst zum klassischen Stern-Kühlergrill zurück – ein klarer Bruch mit der früheren, gesichtslosen EQ-Designsprache, bei der man ohne sichtbaren Stern kaum erkannte, dass es ein Mercedes ist. Das neue Gesicht zitiert bewusst Vintage-Modelle aus der Markengeschichte: Entweder in strahlendem Chrom oder, wie im getesteten Fahrzeug mit Night-Package, in dunklem Chromfinish. Dazu kommen animierte Lichtshows beim Öffnen und Schließen sowie das aufwendige Digital-Light-System mit Sternen-Muster in den Scheinwerfern – ästhetisch wie technisch ein Statement.
Der BMW iX3 setzt dagegen auf den beleuchteten Doppelstegnieren und ein sportlicheres, muskulöseres Auftreten. Im M-Sport-Paket, das auf dem Testwagen verbaut war, kommen schwarze Akzente, 20- bis 22-Zoll-Räder und die optional erhältlichen Iconic-Glow-Scheinwerfer mit Matrix-LED hinzu. Auch hier begrüßen Animationen den Fahrer beim Einsteigen – beide Fahrzeuge geben sich beim kleinen Inszenierungsduell keine Blöße.
Ein erster praktischer Unterschied zeigt sich beim Frunk, also dem Stauraum unter der vorderen Haube: Beim GLC EQ öffnet ein einfacher Druck auf den Mercedes-Stern den vorderen Laderaum, der groß genug ist, um neben dem Ladekabel auch Gepäck unterzubringen. Beim iX3 erfordert das Öffnen zwei manuelle Handgriffe an der Fahrzeugfront, der Stauraum selbst ist kleiner und wird durch eine weitere manuelle Abdeckung gesichert. Erster Punkt: GLC EQ.
Am Heck scheiden sich die Geister. Der GLC EQ trägt ein großes schwarzes Paneel, das die Rückleuchten mit dem Kofferraumöffner verbindet. Dazu stören die abgeschnittenen, nicht vollrunden Rückleuchten das Gesamtbild. Der iX3 punktet hier mit klareren, stimmigeren Linien – wenngleich die winzig kleinen Blinker an der Heckpartie kaum sichtbar sind.
Batterie & Laden: Der iX3 legt deutlich vor
Der technische Unterschied beim Thema Energie ist erheblich und für viele Käufer entscheidend. Der BMW iX3 bringt einen Netto-Akku von 108,7 kWh mit – rund 14 kWh mehr als der GLC EQ mit seinen 94,5 kWh. Das schlägt sich direkt in der Reichweite nieder, dazu später mehr.
Beim Laden legt der iX3 ebenfalls nach: bis zu 400 kW Gleichstrom ermöglichen eine Ladung von 10 auf 90 Prozent in 21 Minuten, getestet haben wir z.B. auch 15 auf 80 Prozent in lediglich 18 Minuten. Der Mercedes GLC EQ lädt maximal mit 330 kW DC – offiziell 22 Minuten für 10-80 %, und das konnten wir auch schon bestätigten. Wobei die Batterie natürlich kleiner ist. Wechselstrom laden beide mit 11 oder 22 kW. Positiv beim GLC EQ: Plug & Charge funktionierte hier reibungslos – einfach einstecken, der Wagen authentifiziert sich automatisch, ohne Ladekarte.
Dass Mercedes trotz des Premiumpreises und der Fahrzeugklasse keinen Akku jenseits der 100-kWh-Marke verbaut, bleibt ein Kritikpunkt. Hier hätte zumindest eine größere Variante als Option angeboten werden sollen.
Punktsieger Batterie Laden: BMW iX3 klar.
Fahrwerk & Technologie: S-Klasse-Komfort gegen sportliche Präzision
Hier zeigt der GLC EQ seine vielleicht größte Trumpfkarte. Optional – und im Testfahrzeug verbaut – ist die Luftfederung aus der Mercedes S-Klasse, gekoppelt mit einer Hinterachslenkung mit 4,5 Grad Einschlagwinkel. Dieses Paket verändert das Fahrerlebnis grundlegend: Das Fahrzeug federt Unebenheiten so souverän ab, dass man sich an einen sanft wiegenden Schaukelstuhl erinnert fühlt. Schlechte Fahrbahnabschnitte, Kanaldeckel, Wellen auf der Autobahn – der GLC EQ schluckt sie alle, ohne dass die Karosserie nennenswert reagiert.
Die Hinterachslenkung wiederum macht den eigentlich 4,85 Meter langen SUV in der Stadt, in Tiefgaragen und auf engen Parkplätzen deutlich handlicher. Wer in europäischen Großstädten unterwegs ist, wird diesen Vorteil im Alltag spüren.
Der BMW iX3 ist mit einer Standardfederung unterwegs. Eine adaptive Federung war zum Zeitpunkt des Tests noch nicht erhältlich, soll aber in Kombination mit Allradantrieb und M-Sport-Paket folgen. Diese wird das Komfortniveau spürbar verbessern – an die Luftfederung des GLC EQ wird sie jedoch nicht heranreichen. Wichtiger Hinweis: Wer den iX3 kauft, sollte unbedingt bei den 20-Zoll-Rädern bleiben. Mit größeren Rädern wird die Federung zu straff, und auf unebenen Strecken treten spürbare Dröhngeräusche im Heck auf – ein Manko, das im GLC EQ schlicht nicht existiert.
Innenraum: Zwei überzeugende Konzepte
Das Cockpit des GLC EQ ist ein Erlebnis für die Sinne: Umfassendes Ambiente-Licht in diversen Farben und Intensitäten durchzieht den gesamten Innenraum, die Lüftungsdüsen sind von leuchtenden Akzenten gerahmt. Das Bildschirmband mit digitalem Kombiinstrument, zentralem Infotainment-Display und optionalem Beifahrerscreen bildet eine eindrucksvolle Einheit – mit dem Hyperscreen-Paket sogar rahmenlos und durchgehend. Die Bedienung geht leicht von der Hand, und das manuelle Lautstärkerad an Lenkrad und Mittelkonsole ist ein bewusstes Bekenntnis zur haptischen Bedienung.
Das Burmester-Soundsystem ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Im Vergleich mit dem Bowers & Wilkins im Volvo EX60 und dem Harman Kardon im iX3 liegt es klar vorne – eine Klangqualität, die mitunter Gänsehaut verursacht. Wer Musik liebt, findet hier ein Argument, das für sich allein zählt.
Kritikpunkte: Die Becherhalter halten Flaschen nicht optimal fest, die Armauflagen könnten auf langen Fahrten weicher sein, und das Glasdach ist serienmäßig fest – kein öffnender Panoramaschiebedachanteil und auch kein komplett fixes Dach erhältlich. Dafür ist der Wärmeschutzfilter außergewöhnlich effektiv: Im direkten Vergleich unter sengender Sonne (30 Grad Celsius) wurde das Glas des GLC EQ deutlich weniger heiß als beim iX3 – ein klarer Komfortvorteil. Allerdings kann man beim iX3 auch das komplett geschlossene Dach nehmen.
Das Cockpit des BMW iX3 folgt einem anderen Prinzip. Das Infotainment-Display ist näher an den Fahrer gerückt, die Instrumente weiter entfernt – BMW nennt das Panoramic Vision und begründet es ergonomisch: Der Blick auf die Instrumente erfordert weniger Fokuswechsel. Die futuristisch anmutenden Lenkräder sind Geschmackssache; das M-Sport-Lenkrad wirkt noch am konventionellsten, bietet aber einen hervorragenden Greifkomfort dank intuitiver Daumenposition. Das Ambiente-Licht ist ebenfalls vorhanden, wenngleich dezenter umgesetzt.
Beim Thema Sitze zeigt sich eine überraschende Rangordnung: Die Komfortsitze des iX3 sind die bequemsten im gesamten Vergleich – besser als alles, was der GLC EQ zu bieten hat. Auf Platz zwei folgen die Sportsitze des GLC EQ. Die Sportsitze des iX3 sind optisch beeindruckend, aber in der Sitztiefe weniger komfortabel als erwartet. Sitzbelüftung ist im GLC EQ für Artico-Sitze erhältlich, nicht jedoch für die getesteten Mikrofaser-Sportsitze. Im iX3 wird Sitzbelüftung für die Komfortsitze noch nachgereicht zum unbekannten Zeitpunkt.
Im Fond bietet der iX3 etwas mehr Beinfreiheit, obwohl der GLC EQ das längere Fahrzeug ist. Das liegt an den voluminöseren Vordersitzen des Mercedes. Das Gepäckabteil ist beim GLC EQ praktischer organisiert: abgesenkter Ladeboden (optional), Rollo, Remote-Folding / Fernentriegelung für die Rückbank per Knopfdruck. Beim iX3 fehlt das Remote-Folding, der Ladebodeneinsatz ist fest – für ein Fahrzeug dieser Preisklasse ein kleines Versäumnis.
Fahrdynamik: Schwebeflug gegen Sportwagen-Feeling
Auf der Straße offenbaren sich die grundlegend verschiedenen Charaktere dieser beiden Fahrzeuge am deutlichsten.
Der Mercedes GLC EQ mit Luftfederung ist das komfortablere und stillere Fahrzeug. Bei Autobahngeschwindigkeiten gleitet er mit einer Ruhe und Souveränität dahin, die an die S-Klasse erinnert. Die akustisch gedämmten Scheiben schlucken Windgeräusche, die Luftfederung eliminiert Unebenheiten, und die Lenkung ist präzise ohne toten Bereich. Bei 150 km/h fühlt sich der Wagen noch entspannt und vollständig unter Kontrolle an – Spurwechsel bei hohen Geschwindigkeiten erfolgen stabil und souverän, obwohl die Federung so weich ist. Ein weiterer Pluspunkt: Als Passagier im Fond lässt sich dank der Ruhe und des schwingungsarmen Fahrwerks sogar bequem mit dem Laptop arbeiten – im iX3 mit Basisfahrwerk war das auf schlechten Strecken schlicht nicht möglich.
Beim Sprint zeigt der GLC EQ zusätzlich unerwartete Stärken: Das Zweiganggetriebe ermöglicht einen 0-100-Wert von 4,3 Sekunden – AMG-Territorium. Der iX3 kommt in der xDrive50-Variante auf 4,9 Sekunden. 0,6 Sekunden klingen marginal, im Fahrversuch sind sie jedoch deutlich spürbar.
Der BMW iX3 hingegen ist das lebendigere, fahraktivere Fahrzeug. In Kurven agiert er mit der Direktheit eines Sportwagens, Lastwechsel beantworten er mit Präzision und Rückmeldung. Wer Alpenpässe liebt, wer kurvige Landstraßen im Sinn hat, wer Fahrfreude über Komfort stellt – der findet im iX3 einen erfreulich authentischen Partner. Auf der Autobahn will man sofort zurück in den GLC EQ, in den Kurven zurück in den iX3.
Ein weiterer, bedeutender Unterschied liegt beim autonomen Fahren: Der iX3 beherrscht bereits heute Hands-off-Fahren bis 130 km/h inklusive automatischer Spurwechsel per Blick in den Seitenspiegel oder Blinker-Antippen. Das System funktioniert so nahtlos, dass keine spürbare Grenze zwischen manueller und automatisierter Fahrt existiert – BMW nennt es „Symbiotic Drive“. Der GLC EQ bietet gute Assistenzsysteme, aber noch kein Hände-frei-Fahren. Mercedes hat ein Over-the-Air-Update angekündigt, einen Termin jedoch offen gelassen.
Effizienz & Reichweite: Die große Überraschung
Beim Thema Verbrauch liefert der Test eine interessante Erkenntnis. Der iX3 liegt bei niedrigen Geschwindigkeiten klar vorne: Bei 100 km/h verbraucht er rund 15 kWh/100 km, was eine Realreichweite von beeindruckenden 725 km ergibt. Der GLC EQ kommt bei gleicher Geschwindigkeit auf 18 kWh/100 km – Realreichweite 525 km. Ein Unterschied von 200 km, der im Alltag auf Stadtautobahnen oder im Stadtverkehr erheblich ist.
Auf der Autobahn bei 130 km/h nähern sich die Werte jedoch an: Der iX3 verbraucht 20 kWh/100 km (Realreichweite 545 km), der GLC EQ 21 kWh/100 km (Realreichweite 450 km). Der Abstand schrumpft auf rund 100 km – dank Zweiganggetriebe und Luftfederung, die bei höherem Tempo das Fahrzeug absenkt und so den Luftwiderstand reduziert.
Für Vielfahrer auf der deutschen Autobahn bei höheren Geschwindigkeiten ist dieser Unterschied also deutlich geringer, als die Batteriegröße vermuten lässt. Wer hingegen hauptsächlich in der Stadt oder auf Strecken mit niedrigem Tempo unterwegs ist, profitiert massiv von der Effizienz des iX3.
Preis & Gesamtfazit
In vergleichbarer Vollausstattung kostet der BMW iX3 rund 86.000 Euro, der Mercedes GLC EQ rund 96.000 Euro. Die 10.000 Euro Unterschied spiegeln sich in konkreten Mehrwerten wider: Luftfederung, Hinterachslenkung, akustische Scheibenverglasung und das Burmester-Soundsystem rechtfertigen einen Teil des Aufpreises. Auf der anderen Seite bekommt man beim iX3 für weniger Geld einen deutlich größeren Akku, schnelleres Laden und das bessere Assistenzsystem.
Wer sollte welches Fahrzeug wählen?
Den Mercedes GLC EQ empfehlen wir all jenen, die Komfort über alles stellen, häufig auf deutschen Autobahnen bei hohen Tempi unterwegs sind, in städtischen Umgebungen mit beengten Parkhäusern kämpfen und bereit sind, den Mehrpreis zu investieren. Die Luftfederung, die Geräuschdämmung und die Hinterachslenkung machen ihn zum überlegenen Alltagsbegleiter für entspanntes Reisen.
Den BMW iX3 empfehlen wir jenen, die maximale Reichweite priorisieren, häufig auf Langstrecke schnell laden müssen, Fahrdynamik und Fahrfreude höher gewichten als Schwebegefühl, und die fortschrittlichsten Fahrassistenzsysteme heute – nicht irgendwann per Update – nutzen möchten. Zudem ist er schlicht der günstigere Wagen. Und der reine Sitzkomfort ist beim Komfortsitz noch besser.
Das Gesamturteil: Trotz aller Stärken des iX3 ist der Mercedes GLC EQ der Gesamtsieger dieses Vergleichs – knapp, aber verdient, wenn man vom hohen Preisunterschied absieht. Die Kombination aus S-Klasse-Luftfederung, Lärmkomfort, Hinterachslenkung und dem Burmester-Klangerlebnis schafft ein Gesamtpaket, das auf langen Reisen seinesgleichen sucht. Wer aber auf den Aufpreis achten muss, die Reichweite maximieren möchte oder Fahrfreude über Komfort stellt, liegt mit dem iX3 genauso richtig. Denn wenn es bei der Leasingrate zu krasse Unterschiede gibt, kann das Pendeln auch schnell wieder zum iX3 schwingen.















