Mitsubishi Space Star Fahrbericht

Mitsubishi Spacestar, Foto: Mitsubishi

Anonymes Design, Hartplastik im Interieur und ein freudloses Handling stehen beim Mitsubishi Space Star extrem sparsame Motoren und ein respektables Platzangebot gegenüber. Ob diese Stärken angesichts der Konkurrenz in Gestalt des Trios VW up/Seat Mii/Skoda Citigo, des Nissan Micra oder auch des neuen Hyundai i10 reicht, darf bezweifelt werden. Zumal die Bezeichnung des Colt-Nachfolgers zunächst verwirrt. Von Thomas Imhof

Mitsubishi Space Star – da war doch mal was? Genau. Genauso hieß schon einmal ein von 1998 bis 2005 gebauter Mini-Van auf Basis des wenig charismatischen Charisma. Gebaut im niederländischen Werk Born, das auch den Volvo S40/V40 produzierte. Nun müssen zumindest markentreue Kunden erst einmal umdenken: Denn der neue Space Star – außerhalb Europas heißt er Mirage – kommt als fünftürige Schräghecklimousine im Stadtflitzer-Format.

Mitsubishi Spacestar, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi Spacestar, Foto: Mitsubishi

Mit 3,71 Meter Länge ist der auf der so genannten „Global Small“-Plattform von Mitsubishi gründende Space Star sogar noch 20 Zentimeter kürzer als sein Vorgänger Colt. Um alle Bedenken vorwegzunehmen: Platznot herrscht deshalb nicht, im Gegenteil. Denn in punkto Package haben die Japaner ihre Hausaufgaben tadellos erledigt. Dank knappster Überhänge punktet der Fronttriebler mit einer nutzbaren Innenraumläge von 2,40 Meter. Mit besagten 3,71 Meter passt er in fast jede Lücke und ist mit einem Wendekreis von 9,2 Metern so agil wie sonst nur ein Autoscooter auf der Kirmes. Auch die Rundumsicht ist prima. Das Kofferraumvolumen von 235 Kilo kann sich ebenfalls sehen lassen, zumal es sich dank serienmäßiger umklappbarer Lehne (60:40) auf bis zu 912 Liter vergrößern lässt.

Mitsubishi Spacestar umklappbare Rückbank, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi Spacestar umklappbare Rückbank, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi Spacestar umklappbare Rückbank, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi Spacestar umklappbare Rückbank, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi Spacestar umklappbare Rückbank, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi Spacestar umklappbare Rückbank, Foto: Mitsubishi

Leider ist die so raumeffiziente und mit einem cw-Wert von 0,27 auch sehr windschnittige Hülle eher schlicht eingekleidet. Womit wir bei einem grundsätzlichen Problem von Mitsubishi wären: Das Design. Was Kia und Hyundai dank der Expertise des deutschen Star-Designers Peter Schreyer inzwischen geschafft haben, fehlt der Marke mit den drei Diamanten im Wappen mehr denn je: Eine durch die gesamte Palette stringente, Emotionen weckende und Identität spendende Formensprache. Auch die Markenwerte von Mitsubishi wirken diffus, bis auf das Geländewagen-Denkmal Pajero fehlt es an ikonischen Modellen.

Mitsubishi Spacestar, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi Spacestar, Foto: Mitsubishi

Das Diktat des Weltautos

Beim Space Star komm ein Problem hinzu, das auch Nissan beim neuen Micra erkennen musste: das Diktat des Weltautos. Das soll, ja muss, den Geschmack einer globalen Kundschaft treffen. Und birgt – gerade in Europa – die Gefahr zu großer Anonymität. So musste zum Beispiel Nissan schon nach gut einem Jahr die ausdrucksschwache Front des Frauen-Lieblings Micra stark liften, um dem Modell mehr Chic und Pep zu verschaffen. Wir wissen nicht, ob auch Mitsubishi zu einem solchen Schritt gezwungen sein wird, aber Fakt ist: Der Space Star zählt eher zu den grauen Mäusen im Straßenbild und steht zu allem Überfluss mit seinen kleinen 14 Zoll Rädchen auch noch ziemlich schmalbrüstig da. Mit den ab der Ausstattungslinie „Shine“ serienmäßigen 15-Zoll-Alufelgen ist der Auftritt dann schon etwas besser.

Kommen wir zu den Motoren. Es sind brave, aber durchzugsschwache und nicht gerade kultiviert laufende Dreizylinder. Ohne Direkteinspritzung und – anders als beim Micra mit seinem 1,2 Liter großen DIG-S-Motor – auch ohne Aufladung.

Mitsubishi Spacestar, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi Spacestar, Foto: Mitsubishi

Unser Testwagen war mit dem 71 PS starken 1,0-Liter-Aggregat und einem manuellen Fünfganggetriebe bestückt. Dessen betont flacher Drehmoment-Gipfel von 88 Nm wird erst bei 5.000 Umdrehungen pro Minute erreichte. In der Praxis heißt das: An Steigungen muss man mitunter bis in den ersten Gang zurückschalten, um nicht zu „verhungern“. Wer die eklatante Anfahrschwäche überlisten und mal zügig vorankommen will – 0 bis 100 km/h in 13,6 Sekunden – muss das Motörchen voll ausdrehen. Was dieses aber prompt mit einem deutlich ansteigenden Lärmpegel quittiert.

Das zusätzlich lieferbare 1,2-Liter-Aggregat entwickelt mit 80 PS und 106 Nm auch nicht wesentlich mehr Power. Speziell dann, wenn es mit optionalem CVT-Getriebe kombiniert wird, das die Zeit für den 0 auf 100 km/h-Sprint von 11,7 auf 12,8 Sekunden verlängert.

Immerhin geben sich die Vierventiler extrem sparsam. Dank serienmäßiger Start/Stopp-Automatik, intelligentem Batteriesensor, Hocheffizienzgenerator und rollwiderstandsarmer 165/65 R 14 Bereifung genehmigt sich der 1.0 „Clear Tec“ im Normverbrauch nur 4,0 Liter auf 100 km. Mit einem CO2-Wert von 92 g/km liegt der kleinste Mitsubishi sogar noch unter jenen ominösen 95 g/km, welche die EU-Kommission zum Frust der deutschen Premium-Hersteller ab 2020 als neue Abgasobergrenze ausgegeben hat. Selbst mit dem nur 35 Liter großen Tank und Real-Verbräuchen von minimal 4,5 Liter sind so Reichweiten von 600 bis 700 km kein Problem. Wer noch die letzten Tropfen nutzen will, beobachtet den Eco-Drive-Assistent – farbige Segmente im rechten der drei Instrumente, die je nach Gaspedalstellung unterschiedlich stark aufleuchten.

Zum günstigen Verbrauch trägt zusätzlich das Gewicht bei – die Basisversion bring es mit Fahrer auf gerade mal 920 Kilogramm.

Mitsubishi Spacestar Innenraum, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi Spacestar Innenraum, Foto: Mitsubishi

Zur Ausstattung: Unser Testwagen –ein 1,0-Liter mit dem Clear Tec Paket, verfügte über einen (überdimensioniert wirkenden) Dachspoiler mit dritter Bremsleuchte, einen höhenverstellbaren Fahrersitz, höhenverstellbare hintere Kopfstützen, eine Radio/CD-Kombination mit MP3-Wiedergabe und AUX-IN-Anschluss, USB-Audio-Schnittstelle, ein Multi-Info-Display, elektrische Außenspiegel, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrische Fensterheber vorn, 60:40-Rückbank und eine manuelle Klimaanlage. Im Grunde die „Basics“, die man für 10.990 Euro heute erwarten kann. Inklusive einer ausreichend großen Zahl an Ablagen, Staufächern und Getränkehaltern.

Mitsubishi Spacestar Innenraum, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi Spacestar Innenraum, Foto: Mitsubishi

Wer die Hartplastik-Landschaft des in der Basisversion sogar nur 8.990 Euro großen Space Star zumindest ein wenig aufhübschen will, kann dies – aber nur in Verbindung mit dem größeren Motor – über die Ausstattungslinien Shine und Shine+ tun. Dann gibt es etwas fröhlichere Farben, silberfarbige Verkleidungen und matt glänzende Oberflächen. Aber auch die 15 Zoll-Aluräder, Licht und Regensensor, Nebelscheinwerfer, Leder-Lenkrad und Leder-Schaltknauf, SD-Karten-Navigationssystem mit Touchscreen (im Shine+), elektrische Fensterheber auch für die hinteren Türen, Smart-Key-System und eine Klimaautomatik kommen hinzu. Die Preise – 12.990 beziehungsweise 13.990 Euro – sind dann aber schon recht happig für ein so kleines Auto.

Leider dürfen auf Fahrspaß hoffende Space Star-Kunden auch vom Fahrwerk nicht allzu viel erwarten: Zum einen leitet der Space Star gröberer Stöße ziemlich ungefiltert in den verlängerten Rücken des Fahrers weiter. Zum anderen lässt die gefühlarme Servolenkung Zweifel an der exakten Position der Vorderräder aufkommen. Und die deutliche Rollneigung des Aufbaus sowie der schnell aufgezehrte „Grip“ der Antriebsräder erdrücken sportliche Ambitionen schon im Ansatz.

Mitsubishi Spacestar, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi Spacestar, Foto: Mitsubishi

Fazit: Auf der nach oben offenen Emotionalitäts-Skala liegt ein Mitsubishi Space Star im Vergleich zu einem allerdings auch deutlich teureren VW up eher am unteren Ende. Der Wolfsburger ist zwar kleiner, enger und schwerer, gleichwohl aber solider verarbeitet und definitiv wertstabiler. Und wirkt als Black oder White Edition regelrecht edel.

Wer nur geringe Ansprüche an Design und Raffinesse im Handling legt und die meiste Zeit ohnehin nur in der Stadt unterwegs ist, könnte dennoch glücklich mit ihm werden. Denn zu scharf kalkulierten Preisen erhält ein rational denkender Kleinwagenkunde ein extrem sparsames und einfach zu bedienendes Modell, das wenig Verkehrsfläche aufzehrt und selbst Erwachsenen auf der Rückbank genügend Kniefreiheit bietet. Womit der zunächst etwas verwirrende Name Space Star – Nomen est Omen – dann doch noch seine Berechtigung erhält!

Weltweit wachsender Kleinwagenmarkt

Mit dem als Weltauto konzipierten Mitsubishi Space Star/Mirage gibt Mitsubishi ein Comeback im A/B-Segment. Die Japaner rechnen mit einem schnell wachsenden Kleinwagenmarkt, der in den „emerging markets“ von einer immer breiteren Mittelschicht und in entwickelten Absatzzonen von steigendem Kostenbewusstsein und dem zunehmenden Trend zu kompakten Fahrzeugen getrieben sei.

Knapp ein Jahr nach dem Produktionsstart sind bereits 100.000 Fahrzeuge gebaut und verkauft worden. Um die große Nachfrage zu stillen, baut Mitsubishi sein thailändisches Werk Laem Chabang sogar aus. Eine dritte Produktionsstraße soll die Kapazität ab Frühjahr 2014 von jährlich 150.000 auf 200 000 Autos erhöhen. Der Space Star ist im Übrigen auch schon auf eine mögliche Elektro-Version (mit der Technik des i-MiEV) ausgelegt.

Inzwischen wird der Kleinwagen in mehr als 45 Ländern, darunter 15 europäischen verkauft. Seit der deutschen Markteinführung am 13. April wurden hierzulande bislang 2.800 Einheiten abgesetzt – davon zu 60 Prozent Varianten mit dem stärkeren 1,2 Liter Motor.

Autogefühl: **

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: Mitsubishi


One Response to Mitsubishi Space Star Fahrbericht

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