Mit dem VW e-up! lautlos auf Sylt

VW e-up! Foto: Autogefühl

Sylt, die Lieblingsinsel der Deutschen ist besonders vom Klimawandel bedroht. Ein steigender Meeresspiegel und heftige Stürme drohen den Sand in den nächsten Jahrzehnten einfach wegzuspülen. Gerade deshalb passt es so gut, dass wir das neueste Elektroauto von VW, den VW e-up! in und um Westerland testfahren durften. Von Katharina Kruppa

Sylt Luftbild, Foto: Autogefühl

Sylt Luftbild, Foto: Autogefühl

Bremse treten, Schlüssel drehen und… ein leichtes Beep ertönt. Kein brummen, kein ruckeln. Ein Schelm der denkt, hier ist etwas kaputt. Denn das kleine “Ready” in der Anzeige zeigt dem Fahrer, dass der VW e-up! startklar ist. Und man hört eben… nichts. Noch eben den Hebel in den D-Modus, und schon braust das kleine Elektroauto davon. Völlig lautlos.

VW e-up! auf Sylt, Foto: Autogefühl

VW e-up! auf Sylt, Foto: Autogefühl

Dies ist wohl die größte Umstellung für alle künftigen Elektrofahrer. Es gibt keine Motorengeräusche und keinen coolen Auspuffsound. Auf Sylt gleiten wir mit Hilfe der Lithium-Ionen-Batterie über die Insel, nur begleitet von den Geräuschen des Blanken Hans, der gegen die Windschutzscheibe fegt. Wir tragen mit dem VW e-up! nicht zur Geräuschverschmutzung der Umwelt bei.

Stufenloser Vorwärtsdrang

Woran ich mich außerdem erst gewöhnen muss: Es gibt keine verschiedenen Gänge. Der VW e-up! fährt sich praktisch wie ein Automatikwagen. Doch er beschleunigt völlig gleichmäßig, bei jeder Geschwindigkeit und man spürt keine Übergänge, denn es gibt sie nicht. Bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h, dann ist Schluss. Für höhere Geschwindigkeiten ist der kleine Elektroflitzer nicht ausgelegt.

VW e-up! Innenraum, Foto: Autogefühl

VW e-up! Innenraum, Foto: Autogefühl

Egal bei welcher Geschwindigkeit, der e-up! spricht schnell an (12,4 Sek. von 0 auf 100 km/h) und kann gut mithalten im Stadtverkehr. Gasgeben an der Ampel, kein Problem. Beschleunigen auf der Landstraße in der Sylter Dünenlandschaft, easy. Doch wie beim Verbrenner gilt: Je schneller wir fahren, desto mehr verbraucht der VW e-up!.

VW e-up! Felgen, Foto: Autogefühl

VW e-up! Felgen, Foto: Autogefühl

Batterie auch während der Fahrt wieder aufladen

Es gibt eine Möglichkeit den VW e-up! während der Fahrt wieder auszuladen, zumindest teilweise: Mithilfe der Rekuperation, aus dem lateinischen recuperare für wiedergewinnen, das technische Verfahren zur Energierückgewinnung. Bewegt man den Schalthebel seitlich, schaltet man verschiedene Rekuperationsstufen ein.

VW e-up! Innenraum, Foto: Autogefühl

VW e-up! Innenraum, Foto: Autogefühl

Dazu gibt es noch den B-Modus, für Break/Bremsen. In dieser Stufe bremst der VW e-up! bereits bei Gaswegnahme, was die Batterie noch stärker auflädt. Man zieht den Hebel herunter in “B” und das Fahrzeug verhält sich wie bei einer Motorbremse. Der Wagen rollt, die E-Maschine dreht sich weiter und erzeugt dabei Energie, ähnlich wie bei einem Fahrraddynamo. Das ist nützlich, um die Akku-Fahrleistung zu verlängern, aber auch gewöhnungsbedürftig im Handling.

VW e-up! Fond, Foto: Autogefühl

VW e-up! Fond, Foto: Autogefühl

Im besten Fall 3 Euro Energiekosten pro 100 km

Der e-up! hat laut VW eine Reichweite von 160 Kilometern und einen angegebenen Durchschnittsverbrauch von gut 11,7 kWh. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 26 Cent pro Kilowattstunde kosten 100 km VW e-up! fahren also knapp 3 Euro. Das finde ich schon nicht übel!

Zum Vergleich: Nehmen wir 100 km mit einem Benziner, der 7 Liter verbraucht und einen Spritpreis von 1,55 Euro / Liter. Das wären dann fast 11 Euro Spritkosten pro 100 km.

Katharina von Autogefühl mit dem VW e-up!

Katharina von Autogefühl mit dem VW e-up!

Die 3 Euro vom VW e-up! sind natürlich eine optimistische Schätzung. Wer sportlich fährt und schneller als 50 km/h (hier liegt die optimale Geschwindigkeit), wird schnell mehr verbrauchen. Unser Test VW e-up! auf Sylt hatte mehr Verbrauch auf dem Tacho, nämlich 15,6 kWh. Somit liegen auch die Ladekosten auch etwas höher, aber selbst dann sind wir gerade einmal bei 4 Euro!

Doch es lohnt sich, auf die Reichweite des VW e-up! während der Fahrt zu achten oder gelegentlich im Eco oder Eco+ Modus zu fahren. Dabei spart das Elektroniksystem, wo es geht, im Eco+ Modus sogar an der Klimaautomatik.

VW e-up! Scheinwerfer, Foto: Autogefühl

VW e-up! Scheinwerfer, Foto: Autogefühl

Wer nur sparen will, kauft sich den e-up! wahrscheinlich ohnehin nicht. Mit einem Basispreis von 26.900 Euro ist der viertürige Kleinwagen (noch) kein Schnäppchen – sondern eher eine Lebenseinstellung.

Denn obwohl er klein daherkommt, ist das Fahren komfortabel. Er gleitet lautlos durch die Landschaft und schaukelt uns sanft über holprige Straßenabschnitte.

VW e-up! auf Sylt, Foto: Autogefühl

VW e-up! auf Sylt, Foto: Autogefühl

Von außen ist der VW e-up! nicht so futuristisch wie etwa die größere Elektro-Konkurrenz BMW i3. Doch das macht den VW e-up! als Alltagsfahrzeug irgendwie normaler. Das Auto schreit nicht: “Ich bin Elektro!” – was es sympathisch macht.

Innenraum: Einfachheit und Stil

VW e-up! Innenraum Kontrastnähte, Foto: Autogefühl

VW e-up! Innenraum Kontrastnähte, Foto: Autogefühl

Im Innenraum präsentiert sich der e-up mit einer gelungenen Kombination aus Einfachheit und Stil. Simple Style, mit hellen Stoff-Sitzen und den charakteristischen hellblauen Nähten und einem Streifen hochglänzender Verkleidung im Cockpit.

VW e-up! Multimedia-Display, Foto: Autogefühl

VW e-up! Multimedia-Display, Foto: Autogefühl

Die Anzeigen sind reduziert und dadurch übersichtlich, nur das multifunktionelle Navigationssystem thront wie ein Sahnehäubchen über allem. Damit kann man nicht nur den richtigen Weg finden, sondern auch das Fahrzeug per App mit dem Handy koppeln. So kann man mobil den Ladezeitpunkt festlegen oder morgens schon mal den VW e-up! vorheizen lassen, während man zuhause noch ins Brötchen beißt.

Aufladen zu Hause an der Steckdose oder mit E-Auto-Tankstelle

Wall-Box zum Aufladen von Elektroautos, Foto: Autogefühl

Wall-Box zum Aufladen von Elektroautos, Foto: Autogefühl

Mit dem e-up! wird ein Kabel geliefert, so dass man den Lithium-Ionen-Akku laden kann. Langsam geht das über die normale Steckdose (siehe Kommentare unten). Will man schneller laden, muss ein Elektriker zuhause einen Starkstromanschluss als Auto-Tankstelle vorbereiten. Das ist dann eine so genannte Wall Box, die im Gegensatz zur Strom-Tankstelle nur für Innenräume geeignet ist, aber dafür günstiger kommt (1.500 Euro anstatt 25.000 Euro für eine Säule draußen). Eine Ladung dauert etwa 5 Stunden, denn der AC Strom (Wechselstrom) muss im Ladegerät des Fahrzeugs zunächst in Gleichstrom umgewandelt werden, damit er verwertet werden kann. Das ist genau wie bei jedem anderen Elektrogerät zu Hause: Im Kraftwerk wird Wechselstrom erzeugt, aber Kaffeemaschine und Co. brauchen Gleichstrom – weshalb wir auch überall Netzteile haben. Sonst könnte man den Strom direkt aus der Steckdose nehmen.

VW e-up! "Einfüllstutzen", Foto: Autogefühl

VW e-up! “Einfüllstutzen”, Foto: Autogefühl

So dauert beim Elektroauto ein Ladezyklus von Wechselstrom auf Gleichstrom ungleich länger, als wenn direkt Gleichstrom (DC) geladen wird. Und das geht nur an ausgewählten Ladestationen für Elektroautos. Es gibt jedoch schon internationale Bestrebungen, den Gleichstrom wieder wie vor über 100 Jahren als neuen-alten Standard zu nehmen, um auf die modernen Bedürfnisse und Einsparbemühungen einzugehen. Und es gibt auch neue Technologien von Gleichstrom-Ladestationen. Hierbei wird es noch spannend, was sich durchsetzt.

Katharina (Autogefühl) lädt den VW e-up! auf

Katharina (Autogefühl) lädt den VW e-up! auf

Der VW e-up! ist fit für den Alltag (trotz begrenzter Kofferraumkapazität). Es macht Spaß, mit dem VW e-up! auf der Insel unterwegs zu sein. Er ist wendig, spricht gut an und hat ein angenehmes, helles Innenraumgefühl, dass durch das Glas-Schiebedach verstärkt wird. Es ist das ideale Auto für kurze Strecken in der Stadt. Auch zügiges Fahren macht Laune mit dem VW e-up!, doch dabei sollte man ein Auge auf die Reichweite haben. VW hat nämlich im Gegensatz zu manchen Wettbewerbern für den VW e-up! keinen Range Extender (= Verbrennungsmotor für den Notfall) vorgesehen.

VW e-up! Kofferraum, Foto: Autogefühl

VW e-up! Kofferraum, Foto: Autogefühl

Rein auf Sylt wird das wohl kaum nötig sein, denn die Insel misst in der Länge nur 38 km und in der Breite gerade einmal 12,6 km. Wir sind locker mit unserer Ladung von Westerland nach Hörnum zum Hafen und wieder zurück gefahren – ohne die gute Seeluft mit Abgasen zu belasten.

Das Elektro-Auto kommt in großen Schritten – schneller, als manche glauben.

Autogefühl: ****

Text & Fotos: Autogefühl, Katharina Kruppa


12 Responses to Mit dem VW e-up! lautlos auf Sylt

  1. […] AutogefühlMit dem VW e-up! lautlos auf SyltAutogefühl – das Auto Blog! http://www.autogefuehl.de Sylt, die Lieblingsinsel der Deutschen ist besonders vo… […]

  2. Feilke says:

    Man kann den e-up! auch an einer ganz normalen Haushaltssteckdose aufladen, das dauert dann auch nur unwesentlich länger!
    Man braucht nicht zwingend eine neue Drehstromsteckdose!
    Gruß A Feilke

  3. Serienmäßig ist der e-up! mit einem Netzladekabel für die normale Haushaltssteckdosen ausgestattet. Wäre die Batterie komplett leer kann sie so in neun Stunden wieder voll aufgeladen werden.
    Optional ist für die Garage oder das Carport eine Wallbox erhältlich, die statt mit 2,3 kW (wie über die Steckdose) mit einer Leistung von 3,6 kW lädt. Die Batterie wäre so nach sechs Stunden wieder zu 100 Prozent voll.
    Darüber hinaus kann der e-up! für das CCS-Laden (Combined Charging System) mit Gleichstrom vorbereitet werden. Diese Option beinhaltet als Schnittstelle im Wagen eine CCS-Ladedose. In diesem Fall wird über entsprechende CCS-Ladestationen mit bis zu 40 kW geladen; das dazu notwendige Kabel befindet sich an der Ladestation. Die Batterie ist hier bereits nach 30 Minuten wieder zu 80 Prozent geladen.
    Gruß Andreas

  4. […] fährt, hat das Auto nichts mehr von einem Kleinwagen an sich. Denn er fährt sich mit der für Elektrofahrzeuge charakteristischen Leichtigkeit. Er kann aus jeder Situation heraus ein hohes Drehmoment zur […]

  5. […] Farben und Oberflächen und ein gutes Platzangebot trotz kompakter Abmessungen, wie hier im Test bei uns gesehen, damals als Elektro-Version. Der Basispreis liegt bei knapp unter 10.000 Euro, mit ein bisschen Ausstattung kommt man darüber, […]

  6. Holger P says:

    Die Automobil Hersteller könnten auch anders in Bezug auf den Anschaffungspreis. Denke mal 26.900€ ist kein Pappenstiel. Der Kroate Rimac zeigt wie es geht; aus einer Garagenwerkstatt den schnellsten E-Sportwagen der Welt.

  7. eAuto says:

    Sehr schöner und lesenswerter Beitrag.
    Mich würde mal Interessieren wie ihr es geschafft habt den eUp geliehen zu bekommen?
    Mich persönlich würde so eine Testfahrt auch mal Interessieren um den realen vergleich zu Benzin und Diesel zu kriegen.

    Gruß

    • Autogefühl says:

      Danke!

      Wir kooperieren ja direkt mit den Herstellern, das war eine Aktion von Volkswagen Deutschland.

      Deine Probefahrt kannst du höchstwahrscheinlich über den nächsten großen VW-Händler machen. Frag’ doch mal bei deinem nächsten Händler und falls er nicht weiß, wo du einen e-Up Probe fahren kannst, dann melde dich hier noch mal und wir vermitteln!

      LG

      Thomas

  8. objektivist says:

    Was ich in jedem Bericht zum up! vermisse ist ein Hinweis auf die fehlende Möglichkeit, von der Fahrerseite aus das Beifahrerfenster zu bedienen. VW spart hier tatsächlich bei einem Auto für 26000 EUR den kleinen Taster ein. Allein deswegen wäre der up! für mich keine Überlegung. Egal ob elektrisch oder konventionell angetrieben. Ich frag nämlich auch in Zeiten der Navigation hin und wieder nach dem Weg.

  9. […] die “größte Initiative für E-Mobilität” verkündet. Neben den Voll-Elekto-Autos e-up! und e-Golf zählen dazu auch der Porsche Panamera S E-hybrid, der Audi A3 e-tron und eben der neue […]

  10. […] (160 km Reichweite) Der e-up! ist das perfekte elektrische Stadtfahrzeug, als Pkw-Version (nun auch im jüngsten up! Facelift) […]

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