Der neue Mazda3 im Test

Der neue Mazda3, Foto: Autogefühl

Der neue Mazda3 macht sich auf die Jagd. Denn sie haben ihn alle im Visier – den Klassenprimus und das Vorbild der Kompaktklasse – den VW Golf. Hat der neue Mazda3 das Zeug dazu, den Thron zu besteigen. Die Zutaten? KODO, SKYACTIV Technologien, MZD Connect und i-ACTIVESENSE? Kennen Sie nicht? Macht nichts! Das Ergebnis zählt und das kann sich sehen lassen. Von Thomas Blachetzki

Der erste Test-Tag: ein Benziner

Da steht er nun vor uns. Rubinrot-metallic-glänzend. Mit dem neuen Familiengesicht, mit schwungvollen Spannungen in der Karosserie. Keilförmig. Mit einer etwas nach hinten versetzten Fahrerkabine. Mit einer tollen Frontansicht. Das alles sieht sehr dynamisch aus und Mazda nennt es KODO-Design. Mazda führt hier konsequent fort, was mit dem Mazda6, aber auch dem Mazda CX-5 begann, auch wenn der Innenraum des neuen Mazda3 etwas mehr „zwickt“ als bei manchem seiner Konkurrenten. Man will trotzdem mehr sein, als ein „Golf-Verfolger“, man will den Thron.

Der neue Mazda3 in Rot. Foto: Autogefühl

Der neue Mazda3 in Rot. Foto: Autogefühl

In der bergigen Landschaft rund um Barcelona dürfen wir ihn dann fahren. Zuerst den Benziner mit 2 l Hubraum, 120 PS und 210 NM Drehmoment. Er wird wohl, neben einem 100 PS Einstiegsbenziner und einem 165 PS Topmotor, das Volumenmodell in Deutschland werden.

Blick auf den Wettbewerb (Fahrberichte):
Peugeot 308
Lancia Delta
Opel Astra
Seat Leon
Ford Focus
Skoda Rapid Spaceback
Kia cee’d
Honda Civic
Mitsubishi Lancer
Volvo V40

Mazda ging hier bei der Konstruktion einen anderen Weg gegen den Trend der Konkurrenten. Keinen Turbolader, dafür ein vernünftiges Verhältnis von Hubraum und Leistung, weg vom Weg des „Down-Sizings“, wo immer kleinere Motoren mit Turboladern immer mehr Leistung produzieren müssen. Mazda nennt es „Right-Sizing“ und es führt im ersten Moment dazu, dass die 210 NM, die erst bei 4000 u/min. anliegen, sich nicht so spektakulär in Szene setzen, wie bei der Konkurrenz. Aber das täuscht.

Der neue Mazda3 in Rot. Foto: Autogefühl

Der neue Mazda3 in Rot. Foto: Autogefühl

Bei Autophorie sehen wir übrigens, wie sich der Mazda3 in Schwarz macht.

Gleichmäßige Kraftentfaltung bis zur Drehzahlgrenze, und ein drehfreudiger Motor, der bei Drehzahl gehalten werden will. Das geht, dank leicht schaltbarem 6-Gang-Schaltgetriebe, ohne Probleme. Und das „Right-Sizing“ scheint noch einen anderen Vorteil zu haben. Während viele kleine Turbomotoren im unteren Drehzahlbereich noch wenig verbrauchen, dafür aber bei höheren Drehzahlen umso mehr, zeigt uns Mazda mit dem neuen Mazda3, dass es auch anders geht.

Der neue Mazda3, Foto: Autogefühl

Der neue Mazda3, Foto: Autogefühl

Der 2 l Motor säuft auch bei hohen Drehzahlen nicht. Verbrauchswerte von unter 6 l/100 km sind durchaus ohne Probleme realisierbar, auch ohne als Wanderdüne den Verkehr aufzuhalten. Auffallend ist dabei auch die hohe Verdichtung des Motors von 14:1. Das ist Weltrekord bei einem Serienmotor.

Der neue Mazda3 Innenraum, Foto: Autogefühl

Der neue Mazda3 Innenraum, Foto: Autogefühl

Wir folgen den kurvigen Straßen rund um den Berg Montserrat – zusammen mit 1300ccm. Hier, wo sich eine Kurve der nächsten anschließt, macht es richtig Spaß. Eine präzise Lenkung und ein Fahrwerk mit einer aufwändigen Mehrlenkerhinterachse sorgen dafür, dass Lenkbefehle sofort umgesetzt werden und der Wagen sicher in der Spur bleibt.

Erst bergab mit hohen Tempo und welliger Straße versetzt es den Mazda3 ab und an in scharfen Kurven. Das allerdings dürfte weit entfernt davon sein, was ein normaler Fahrer seinem Wagen sonst abverlangt. Vielleicht ist er manchen etwas zu sportlich-straff abgestimmt, denn der Mazda 3 ist keine Komfort-Sänfte, gänzlich unkomfortabel ist er allerdings aber auch nicht.

Der zweite Tag: der Top-Diesel.

Heute sind wir mit der derzeitigen Top-Motorisierung, dem 2.2 l Commonrail-Diesel mit Doppelturbolader, 150 PS und 380 NM unterwegs.

7 Zoll Display im Mazda3, Foto: Autogefühl

7 Zoll Display im Mazda3, Foto: Autogefühl

Dieser Mazda 3 hat die höchste Ausstattungsvariante „Sportsline“, die noch „mit dem kleinen Rest“ der Ausstattungsoptionen angereichert wurde. Feinstes Leder, Materialien mit guter Haptik, ein Head-up-Display, sowie Fahrassistenzsystem wie Abstandsradar, Spurhalte-Assistent, Kurvenlicht, Hinderniswarnung und noch viel mehr. Mazda nennt das i-Activesense.

Ab der Ausstattungslinie „Centerline“ (mittleres Ausstattungsniveau) gibt es bereits das 7 Zoll Display inklusive eines Dreh-/Drückknopfes in der Mittelkonsole. Des Weiteren wurden auch Online-Inhalte integriert. So halten Facebook, Internet-Radiostreams und SMS Einzug ins Auto. Einzig das Handy samt Internet-Flat muss man selber mitbringen.

Mazda3 Innenraum, Foto: Autogefühl

Mazda3 Innenraum, Foto: Autogefühl

Die Bedienung gibt jedenfalls keine Rätsel auf, alles ist intuitiv bedienbar. Dazu trägt sicher auch das aufgeräumten Cockpit bei, dass sich auf wenige, wichtige übersichtliche Tasten und Drehknöpfe reduziert. Es gibt nur noch ein Runddisplay, wo sich, je nach Ausstattung entweder Tacho oder Drehzahlmesser befindet.

Was gestern für den Benziner galt, gilt heute für den Diesel erst Recht. Erste Vermutung: Das ist gar kein Diesel. Mazda hat dem Dieselmotor das Nageln abgewöhnt. Frei von Vibrationen zieht der Diesel, der ungewöhnlich niedrig mit 14:1, verdichtet ist, direkt ab Leerlaufdrehzahl (subjektiv zwar) ohne den typischen Dieselwumms los.

Der neue Mazda3, Foto: Autogefühl

Der neue Mazda3, Foto: Autogefühl

Aber bitte nicht täuschen lassen. Hier „wüten“ 380 NM Kraft. Unglaublich, aber der Wagen zieht wie an der Gummischnur gezogen los. Kraft in allen (Lebens-) lagen führen zu einem entspannten Fahren und bringen dem Fahrer ein Lachen ins Gesicht. Das Dieselmotorenkonzept hat noch einen weiteren Vorteil: Mazda kann auf eine aufwändige Nachbehandlung der Stickoxide verzichten. Die Motoren erfüllen auch so schon die EURO 6 – Norm. Stopp/Start und Rekuperation sind an Bord. Lamellen am unteren Kühlergrill, die sich, je nach Frischluftbedarf des Motors, automatisch öffnen und verschließen, führen außerdem zu einem sehr guten cw-Wert von 0,275 und sparen zusätzlich Treibstoff.

Der neue Mazda3, Foto: Autogefühl

Der neue Mazda3, Foto: Autogefühl

Wieder sind die Berge nahe Barcelona unser Revier und hier macht sich die Kraft des Diesels um so mehr bezahlt. Niemals hat man das Gefühl, der Wagen wäre unter-motorisiert und auch auf Autobahn-Etappen fährt es sich entspannt und überlegen. Ein insgesamt sehr niedriger Geräuschpegel tragen außerdem zum Wohlbefinden bei.

All das führt zu einem Gefühl, dass die Japaner das „Jinbai Ittai – Gefühl“ nennen. Uns hat es einfach nur Spaß gemacht, egal wie es heißt. Ziemlich perfekt das Gesamtpaket, dass Mazda da geschnürt hat.

Mazda3 Diesel, Foto: Autogefühl

Mazda3 Diesel, Foto: Autogefühl

Aber dann finden wir doch noch kleine Verfehlungen. Im Fach unter der Mittelarmlehne liegt ein kleines Stück unbefestigter Filz, der wohl dafür sorgen soll, dass der Inhalt nicht klappert. Traurig wellt er sich bereits, nach Halt suchend. Und auch die Kofferraumbodenmatte wirkt ein wenig labberig und lieblos dahin geworfen und wirkt nicht stabil. Letztendlich Peanuts! Der Rest stimmt!

Mazda 3 Basispreis und Motoren

Den Mazda 3 gibt es als Limousine (wie hier bei rad-ab) oder als Schrägheck. Die Benzinmotoren beginnen mit dem SKYACTIVE-G100 mit 100 PS (ab 16.990 Euro, Ausstattungslinie „Prime-Line“). Außerdem verfügbar: der SKYACTIVE-G120 mit 120 PS (ab 20.290 Euro, Ausstattungslinie „Center-Line“) und der SKYACTIVE-G165 I-ELOOP mit 160 PS (ab 22.090 Euro, Ausstattungslinie „Center-Line“)

Der neue Mazda3 Innenraum, Foto: Autogefühl

Der neue Mazda3 Innenraum, Foto: Autogefühl

Als Diesel gibt es momentan nur den SKYACTIVE D 150 mit 150 PS (ab 24.390 Euro, Ausstattungslinie „Center-Line“)

In der „Prime-Line“ gibt es serienmäßig u.a.:

 Berganfahrassistent
 Notbrems-Warnblinkautomatik ESS
 Reifendruck-Kontrollsystem
 Mobilitätskit
 Elektrische Fensterheber vorne und hinten
 Außentemperaturanzeige
 Touring-Computer
 i-stop: Motor Stopp/Start System
 Klimaanlage

Der neue Mazda3: Designsprache, Foto: Autogefühl

Der neue Mazda3: Designsprache, Foto: Autogefühl

In der „Center-Line“ kommt u.a. dazu:

 City-Notbremsassistent SCBS
 Chromzierleiste an den Seitenfenstern
 Nebelscheinwerfer
 Leichtmetallfelgen mit 205/60 R16 Bereifung
 Multi Commander
 7-Zoll Farbdisplay
 Freisprecheinrichtung
 Cruisematic (Geschwindigkeitsregelanlage)
 Klimatisierungsautomatik

In der Sportsline kommt hinzu:

 Bi-Xenon Hauptscheinwerfer
 LED-Tagfahrlicht
 LED-Rückleuchten
 Leichtmetallfelgen mit 215/45 R18 Bereifung
 Head-up Display
 Bose® Centerpoint® 2 Sound System
 LogIn (Schlüsselloses Zugangssystem)
 Touring-Paket
 Licht-Paket

Der neue Mazda3, Foto: Autogefühl

Der neue Mazda3, Foto: Autogefühl

Mazda 3 Abmessungen

Länge: 4460 mm / 4580 mm (4-Türer)
Breite 1795 mm / 1795 mm (4-Türer)
Höhe: 1450 mm / 1445 mm (4-Türer)
Leergewicht: 1.280 – 1.355 kg

Übersicht über die Wettbewerber

Kia cee’d (12.990 Euro)
Ford Focus (ab 14.990 Euro)
Opel Astra (14.990 Euro)
Honda Civic (16.950 Euro)
VW Golf (17.175 Euro)

Der neue Mazda3, Foto: Autogefühl

Der neue Mazda3, Foto: Autogefühl

Der Mazda3 beweist: Ein Facelift oder wie hier sogar ein ganz neues Modell muss sich nicht immer direkt im Preis steigern. Mazda bleibt bei 16.990 Euro als Einstiegspreis für den neuen Mazda3 – und liegt damit wie man sieht nicht am unteren Ende der Preis-Skala, sondern positioniert sich durchaus etwas gehoben.

Über 700 Mazda3 verkauft Mazda bisher in Deutschland pro Monat – damit zählt das Modell zu den erfolgreichsten Mazda-Modellen. Die Kompakt-Klasse ist ja auch nach wie vor beliebt, insofern ist diese Klasse auch für Mazda besonders wichtig.

Der neue Mazda3, Foto: Autogefühl

Der neue Mazda3, Foto: Autogefühl

Mazda hat, nachdem die Ehe mit Ford gescheitert ist, weiter gelernt und die neueste Generation des Mazda3 hat das Zeug, den Golf vom Thron zu stoßen. Zoom-zoom halt…

Autogefühl: ****
Text & Foto: Autogefühl, Thomas Blachetzki


7 Responses to Der neue Mazda3 im Test

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