Renault Kangoo Z.E. Fahrbericht

Renault Kangoo Z.E. - Foto: Symbio FCell

Die Französische Post will ab kommenden März einen Brennstoffzellen-Reichweitenverlängerer der Firma Symbio FCell in drei Renault Kangoo Z.E. testen. Dieser soll für bis zu 160 zusätzliche Zustellkilometer im kalten und bergigen Terrain der Franche-Comté sorgen – und eine Konkurrenz zum Diesel sein. Von Thomas Imhof

Mit Wasserstoff gespeiste Brennstoffzellen gelten noch immer als ultima ratio und großer Traum aller Verfechter einer CO2-freien Mobilität. Die Französische Post verfügt bereits über den weltweit  größten Fuhrpark an batterieelektrisch angetriebenen Zustellfahrzeugen (vom Typ Renaut Kangoo Z.E.) und will bis spätestens 2050 alle 60.000 Fahrzeuge ihrer Flotte auf Elektroantrieb umrüsten. Die heute eingesetzen Renault Kangoo Z.E. haben einen maximalen Aktionsradius von 160 Kilometer, was in ebenen und milden Regionen des Landes voll ausreicht. Aktuelle Postzustellfahrzeuge mit E-Antrieb in Deutschland begnügen sich sogar mit Fahrzyklen von maximal 120 Kilometer. Doch für die speziell im Winter sehr unwirtliche und stark hügelige Region Franche-Comté dürften es gerne ein paar Kilometer mehr sein, dachte sich “La Poste”. Und startet im März 2014 einen Test mit drei “HyKangoos” (Hy für Hydrogen = Wasserstoff) , in deren Unterboden ein als Reichweitenverlängerer entwickelter Brennstoffzellen-Stack hockt.

Renault HyKangoo - Foto: Symbio FCell

Renault HyKangoo – Foto: Symbio FCell

Über 70 Prozent aller täglichen Postfahrten führen über Distanzen von 100 Kilometer oder mehr – was den Einsatz der Stromer-Postwagen auf nur ein Drittel aller Fahrten beschränkt. Dank des neuen Range Extenders von Symbio FCell soll sich die Reichweite der Kleintransporter demnächst verdoppeln. Als Teststrecken sind Postrouten von 100 Kilometern und mehr in der von den Vogesen (im Norden) und dem Jura (im Süden) eingefassten und an die Schweiz grenzenden Franche Comté vorgesehen. Dabei gibt es noch einen schönen Nebeneffekt:Dank der Abwärme der Brennstoffzellen verbessern sich die Arbeitsbedingungen unserer Postmitarbeiter, indem die Heizleistung und der Schutz vor beschlagenen Scheiben verbessert wird, ohne die Batterieleistung einzuschränken“, freut sich Jean-François Courtoy, Industrie-Direktor der “La Poste” für die Franche Comté. “Zugleich werden wir so die heute für längere Strecken noch eingesetzten Modelle mit Diesel-Motor nach und nach ersetzen und damit unseren CO2-Fußabdruck stark reduzieren können.”

Der Brennstoffzellen-Stack - Foto: Symbio FCell

Der Brennstoffzellen-Stack – Foto: Symbio FCell

Der Renault Kangoo Z.E. wird von einem  44 kW (70 PS) starken Elektromotor angetrieben, der seinen “Saft” aus einer 22 kwh starken Lithium-Ionen-Batterie bezieht. Im europäischen Fahrzyklus gibt Renault eine Reichweite von 160 Kilometern an. Die Brennstoffzelle bezieht ihr Lebenselixier aus einem verstärkten 38-Liter-Tank, der 1,72 Kilogramm Wasserstoff fasst. Diese mit 5.000 psi (35 mPa) Druck komprimierte Ladung soll die Reichweite um nochmals 160 Kilometer erweitern. Bei Volllast soll das Auto beziehungsweise sein Reichweitenverlängerer 0,3 kg Wasserstoff pro Stunde umwandeln. Laut Hersteller Symbio FCell leistet der Range Extender im HyKangoo 5 kW – doch ist eine Aufrüstung auf maximal 20 kw (mit dann vier Stacks à 5 kW) möglich.

Das gesamte System findet problemlos im Unterboden des Renault Kangoo Z.E. Platz, ohne Einschränkungen beim Ladevolumen. Der Range Extender lädt die Batterien direkt auf, sodass Tiefentlade-Zyklen vermieden werden und im Gegenzug die Lebendauer der Akkus erhöht wird.

Genug Platz im Unterboden - Foto: Symbio FCell

Genug Platz im Unterboden – Foto: Symbio FCell

Auch der Kostenaspekt klingt verlockend: Nach Abzug der in Frankreich gewährten (großzügigen) Zuschüsse beim Erwerb eines Elektrofahrzeugs kosten die ersten drei Post-Kangoos noch jeweils 50.000 Euro, sagt Bertrand Chauvet von Symbio FCell. Schon zu diesem Preis rechnet “La Poste” mit Betriebskosten auf dem Niveau der heute noch eingesetzten Diesel-Postler. Laut Chauvet hofft Symbio FCell, mit steigenden Stückzahlen den Preis eines HyKangoo auf 35.000 Euro senken zu können. Ähnliche Systeme wolle man 2014 auch für Boote, Lkw und Busse anbieten.

Bislang hat Symbio FCell insgesamt fünf HyKangoos an Kunden ausgeliefert – man hofft, 2014 bis zu 100 Fahrzeuge absetzen zu können. Sobald genügend Daten aus dem Alltagsbetrieb vorliegen, könnte der Output 2015 dann auf schon über 1.000 Einheiten ansteigen.

Auch die Deutsche Post hat Kangoo Z.E. im Einsatz Foto: Deutsche Post


Auch die Deutsche Post hat Kangoo Z.E. im Einsatz Foto: Deutsche Post

Leider stammt Wasserstoff zum überwiegenden Teil noch immer aus fossilen Quellen. Auch La Poste wird den Wasserstoff zunächst von einem industriellen Zulieferer beziehen – um die Well-to-Wheel-Bilanz zu verbessen, ist aber ein Verfahren zur (allerdings sehr energieintensiven) Gewinnung per Elektrolyse angedacht. Wasserstoff wirklich umweltschonend mit Windkraft oder Sonnenenergie zu erzeugen, bleibt daher die Vision vieler Umweltschützer und Energieexperten. Nur dann würden Briefe und Päckchen in Frankreich und anderswo in Europa ihre Adressaten wirklich klimaneutral erreichen.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: Symbio FCell


One Response to Renault Kangoo Z.E. Fahrbericht

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