Renault Twingo 2014: Der Kleine lächelt wieder

Die dritte Generation des vor über 20 Jahren erstmals eingeführten Kleinwagens von Renault strahlt wieder mehr Freundlichkeit aus als der nüchterne Vorgänger. Im Heckbereich ähnelt der neue Renault Twingo jedoch frappant dem Italo-Mini Fiat 500. Von Thomas Imhof


Der erste Twingo entzückte in 14 Jahren über 2,2 Millionen Stadtmenschen mit seinem bezaubernden Augenaufschlag; die 2003 eingeführte Zweitversion brachte es in der Hälfte der Zeit gerade mal auf 856.000 Kunden. Das Kalkül der Konzernoberen – ein weniger emotional angehauchter Nachfolger des niedlichen Ur-Modells – ging nicht auf. Mit der im kommenden September startenden Drittauflage hat der Twingo das Lachen nun neu erlernt. Und will neben dem höheren Flirtfaktor auch mit neuen inneren Werten untreu gewordene Kleinwagenkunden zurückgewinnen.

Neuer Renault Twingo in den vier Launch-Farben - Foto: Renault

Neuer Renault Twingo in den vier Launch-Farben – Foto: Renault

Glaubt man Insidern des Renault Designcenters, liebäugelten die dortigen Stylisten anfangs mit der Idee eines neoklassischen Renault 5. Doch Zitate des kastigen Klassikers finden sich maximal noch an der Heckscheibe, während die markant ausgeformte Schulterpartie entfernt an den Mittelmotorboliden R5 Turbo erinnert. Doch vielmehr ähnelt der unter Leitung des holländischen Chefdesigners Laurens van den Acker geformte Franzose dem Frauen-Liebling Fiat 500 – ganz speziell im Bereich seines hübschen Hinterteils. Das „Gesicht“ des neuen Twingos hingegen schaut nicht allein freundlich in die Welt, sondern ist auch eindeutig als Mitglied der Renault-Familie auszumachen. Die kreisrunden LED-Tagfahrlichter schlagen dabei eine stilistische Brücke zum Vieraugen-Gesicht des Vorgängers.

Erstmals bietet Renault einen Twingo ausschließlich als Fünftürer an – die hinteren Griffe sind dabei so geschickt in der hinteren Dachsäule versteckt, dass der kleine Charmeur auf den ersten Blick wie ein Zweitürer wirkt. Zweite Premiere ist der Heckantrieb – erstmals wieder seit den Zeiten der Anfang der 1970er Jahre ausgelaufenen Heckschleudern R8 und R10. Das Antriebskonzept ist die Folge der 2010 festgezurrten  Kooperation mit Daimler und smart. Deren neuer Viersitzer (forfour oder forjoy) wird Seite an Seite mit dem Renault Twingo III im Renault-Werk Novo Mesto (Slowenien) vom Band laufen. Anders als die Franzosen werden die Schwaben ihr Modell jedoch nicht schon in drei Wochen auf dem Genfer Salon, sondern erst in der zweiten Jahreshälfte zeigen.

Erstmals mit fünf Türen und wieder mit Rolldach - Foto: Renault

Erstmals mit fünf Türen und wieder mit Rolldach – Foto: Renault

Dank der nun im Heck installierten Motoren glänzt der Twingo mit einem extrem kleinen Wendekreis von 8,65 Meter. Zusammen mit der von 3,69 auf 3,63 Meter geschrumpften Länge und den extrem knappen Karosserieüberhänge wird ihm das in engen Stadtstraßen zugute kommen. Im Gegenzug streckt sich der Radstand nun auf 2,50 Meter – ein Plus von 13 Zentimeter. Das generiert mehr Platz im Innenraum des mit 1,50 Meter zusätzlich vier Zentimeter in die Höhe gegangenen Twingos. Üppige Kofferräume sind dagegen ebenso wenig zu erwarten wie die noch beim Ur-Twingo vorhandene längs verschiebbare Rückbank. Denn unter der vorderen Haube hat bis auf diverse Flüssigkeitsbehälter kaum noch etwas Platz, und achtern limitiert der Block aus Motor und Getriebe den verfügbaren Raum.

Schau mir in die Augen, Kleines! - Foto: Renault

Schau mir in die Augen, Kleines! – Foto: Renault

Stichwort Motoren: Hier haben Renault Twingo-Kunden zunächst nur noch die Wahl zwischen zwei Dreizylinder-Benzinern. Einem 70 PS starken Sauger mit 1,0 Liter Hubraum und dem bereits aus den Modellen Clio und Captur bekannten 0,9 Liter TCe mit 90 Turbo-PS. Geschaltet wird in beiden Fällen per Handschalter; Versionen mit dem Doppelkupplungsgetriebe EDC werden erst mit rund einjährigem Verzug nachgereicht. Der bisher im Twingo erhältliche 1,5-Liter-Diesel fällt dagegen aus dem Programm. Dafür gibt es zwei Gründe: Die schwache Nachfrage nach Selbstzündern im Kleinwagen-Segment und die aufgrund der neuen EU6-Abgasnorm nötigen Maßnahmen zur Abgasnachbehandlung. Sie sind so aufwendig, dass sie den Preis eines Twingo Diesel zu stark in die Höhe treiben würden.

Fiat 500-Einflüsse am Heck - Foto: Renault

Fiat 500-Einflüsse am Heck – Foto: Renault

Zur Einführung erscheint der Renault Twingo in vier Farben: Gelb, Rot, Hellblau und Weiß. Weitere Lackierungen dürften folgen, darunter eine Version in Schwarz. Die ersten Pressefotos deuten zudem ein deutlich erweitertes Individualisierungsprogramm in Form zweifarbiger Karosserien und Versionen mit Dekorstreifen an. Auch die bei Freunden französischer Kleinwagen traditionell beliebte Version mit Faltschiebedach steht im Angebot.

Renault Twingo 2014 Heckleuchte - Foto: Renault

Renault Twingo 2014 Heckleuchte – Foto: Renault

In seiner Heimat war der Renault Twingo 2013 mit 39.000 Neuzulassungen deutlich vor dem Fiat 500 (16.000) weiterhin Publikumsliebling aller citoyens. In Deutschland hatte er es dagegen zuletzt schwerer: Nur Platz Vier mit 19.186 Zulassungen hinter dem VW Up (42.867), dem Fiat 500 (29.024) und dem smart fortwo (26.009). Mit seinem nun wieder freundlich dreinblickenden Konterfei und einem Basispreis von knapp unter 10.000 Euro soll der franco-italienisch angehauchte Twingo III nun verlorenes Terrain aufholen.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: Renault


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