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Mercedes SL im Langstrecken-Test

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Der Mercedes SL gilt, wie wir schon kürzlich herausgestellt haben, als einer der bequemsten offenen GTs. Wir haben den Praxistest gemacht: Macht der SL auf den gewundenen Straßen der Provence, auf der Promenade von St. Tropez und in den Schweizer Alpen genau so eine gute Figur wie bei fünf Stunden Fahrt auf der Autoroute du Soleil? Welche Features fallen auf der Langstrecke auf? Von Thomas Majchrzak

Nordrhein-Westfalen, A3, 180 km/h, die Sonne brennt. Selbst bei hohen Geschwindigkeiten, die man nur auf deutschen Autobahnen austesten kann, zeigt sich der Mercedes SL völlig unaufgeregt. Der SL ist keineswegs ein reiner Sportwagen oder ein Raser-Auto, aber das Fahrwerk funktioniert im hohen Tempobereich tadellos, obwohl es bei gewöhnlicher Fahrt ein Höchstmaß an Komfort bietet. Mit 180 km/h hat man so ein entspanntes Gefühl, als würde man in einem Kompakt-Pkw gut 90 fahren. Man neigt dazu, bei dieser Geschwindigkeit noch den Tempomat zu setzen.

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Luxemburg, Tankstelle, 0 km/h, die Sonne brennt weiter. Die Klimaanlage lief die ganze Autobahnfahrt, mit der Funktion “Air Flow” bläst der Mercedes SL das Maximum an Luft den Insassen entgegen. Bei 35 Grad im Schatten kann das durchaus hilfreich sein. Gerade, weil die Fahrzeugkabine natürlich relativ klein ist und sich dadurch immer schnell aufheizt. Die Sitzlüftungs-Funktion verhindert, dass man völlig geschwitzt am Ledersitz kleben bleibt – ist allerdings insgesamt sehr dezent. Hier könnte die Funktion in der dritten Stufe mehr Power vertragen. Während wir im Mix Stadt/Land/Autobahn noch bei gut 12 Liter Verbrauch auf 100 km landeten, sind es nun nach reiner Autobahnfahrt mit häufig benutztem Tempomat nur noch knapp 10 Liter. Das kann sich für ein 435 PS Fahrzeug schon sehen lassen. Wir tanken günstig in Luxembourg auf, hier kostet Super nur gut 1,30 Euro, da spart man mal eben 30 Cent pro Kilometer.

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Frankreich, Burgund, 90 km/h, die Sonne brennt – noch stärker. Angekommen im Herzen von Frankreich muss das Dach endlich auf, egal wie heiß es ist. Mit 90 km/h auf der französischen Landstraße passieren wir Weinberge, kleine Dörfer und genießen die lieblich-hügelige Landschaft der Bourgogne. Bei den heißen Temperaturen kann man getrost mit allen Fenstern heruntergelassen fahren. Wird es trotz der Hitze einmal zu zugig, ist es möglich, alle vier Fenster (also auch die hinteren kleinen) mit einem Knopf in der Mittelkonsole hinaufzufahren – und elektrisch (optional) ein kleines Windschott, ebenfalls nur per Tastendruck. Damit kann man dann sogar 130 km/h offen fahren, ohne dass es einem unangenehm am Kopf wird. Wir halten fest: Die Windeigenschaften sind klasse, da hat man sich im Windkanal wirklich Gedanken gemacht.

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Frankreich, Autoroute du Soleil, 130 km/h, immer noch kein Regen. Die französische Bezahl-Autobahn macht ihrem Namen alle Ehre und bietet ausschließlich Sonne. Abgesehen von den störenden Mautstellen ist die Autobahn sehr gut ausgebaut und bei drei Spuren ordnet man sich einfach mit Tempomat auf 130 km/h (OK, 135 km/h ist möglich, weil der Tacho 5 km/h zu viel anzeigt) ganz links ein. Was in Deutschland undenkbar wäre: Damit kann man fünf Stunden auf der linken Spur durchfahren, ohne einmal überholt zu werden. Die Einheimischen wissen, dass alle paar Kilometer ein Blitzkasten steht. Da lohnt es nicht, noch mal extra zu bezahlen. Die Autobahn war teuer genug. Die Distronic Plus des Mercedes SL leistet gute Dienste, bremst leicht herunter, wenn ein Fahrzeug vor uns einmal zu nahe kommt – und beschleunigt danach wieder auf unsere Ausgangsgeschwindigkeit.

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Frankreich, Côte d’Azur, St. Tropez, 20 km/h, die Sonne geht langsam unter. Nun folgt der ultimative Test für den Mercedes SL 500: Wie kommt er auf der Promenade von St. Tropez an, dort, wo die Super-Yachten sich aneinander reihen, wo jeder einmal sein tolles Cabrio präsentieren möchte? Auffällig viele E-Klasse Cabrios stehen in St. Tropez am Straßenrand, wir sehen an einem Abend alleine fünf. Ansonsten kommt uns ein Bentley Continental GTC entgegen und ein Bruder, der SL AMG 63. Da ist ein Mercedes SL 500 ja noch vergleichsweise zivil. Das Design ist ferner eher konservativ und edel-klassisch. Aber genau das kommt super an. Auf der Promenade bleiben viele Menschen stehen und schauen uns zu, wie wir langsam zwischen Super-Yachten und den hippen Restaurants vorbeifahren. Die Kellner aus den Kneipen bleiben vorne mit ihrem Tablett stehen. Proof: Der SL erregt auch als Nicht-AMG-Version ausreichend Aufmerksamkeit. Später beim Valet-Parking am Hotel erntet er noch ein “I love this car”, während der SL neben einem perfekt restaurierten Jaguar E-TYPE Cabrio eingeparkt wird.

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Frankreich, Provence, bei Tourtour, 60 km/h, es geht heiß weiter. Und zwar über gewundene Straßen der Provence. Hier kann der SL seine sportliche Seite ausspielen. Die Active Body Control stellen wir auf “Sport”, wobei wir keinen großen Unterschied zu “Comfort” merken. Sei’s drum, es macht viel Spaß, den SL um die Ecken zu zirkeln. Die Seitenlehnen des Sitzes können wir uns individuell übers Menü einstellen, maximal jetzt auf 10, damit ein größtmöglicher Seitenhalt vorhanden ist. Die Lenkung könnte für so ein sportliches Fahrzeug etwas direkter sein, vielleicht wäre da eine individuelle Regelung möglich, etwa dass sich im Sport-Modus auch die Lenkung anpasst. Die Gasannahme und Drehzahl, die können wir noch auf Sport stellen. Dann haben wir immer schnell Power, um aus der nächsten Kurve herauszubeschleunigen. Bei der Ankunft am nächsten Hotel mitten auf dem Land stellen wir das elektro-hydraulische Fahrwerk einfach hoch, per Knopfdruck in der Mittelkonsole schaffen wir uns mehr Bodenfreiheit, um den ein oder anderen Huckel in der nächsten Einfahrt besser nehmen zu können. Dann müssen wir uns keine Gedanken darüber machen, dass wir etwas am Unterboden beschädigen.

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Italien, Richtung Genua, 110 km/h, die Sonne … wie immer. Nun geht es weiter Richtung Italien, entlang der Küstenautobahn, die eine rasante Fahrt verspricht. Wie immer im europäischen Ausland liegt die Beschränkung bei 130 oder teils bei 110, aber dann sogar auch, wenn hierzulande Landstraßenverhältnisse erreicht sind. So folgt eine Autobahnfahrt mit vielen Kurven, Tunneln und Brücken entlang der Küste. Nachdem wir die ersten zwei Tage der Reise durchaus das ein oder andere Mal mit Rückenschmerzen zu kämpfen hatten, weil man in einem GT nun mal recht flach sitzt, haben wir uns an die Sitze des Mercedes SL mittlerweile besser gewöhnt. Außerdem hat jeder seine Einstellung von Sitzfläche und Lordosenstütze gefunden, mit der man besonders gut zurecht kommt. Für diese langen Touren würden wir ein Cabrio à la E-Klasse oder natürlich ein großes SUV eher empfehlen. Aber es sei gesagt, dass der SL für seine Bauform noch erstaunlich viel Komfort bietet.

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Schweiz, Verbier, 50 km/h, die Luft kühlt ab. Je höher wir kommen, desto frischer wird es. Angenehm nach vielen Tagen mit extremer Hitze. Auf den Passstraßen ist es ein Genuss, offen zu fahren. Und die Serpentinen kann man besonders spaßig nehmen, wenn man die Traktionskontrolle einmal herausnimmt und bei Herausbeschleunigen das Heck ein wenig rumzirkeln lässt. Angekommen am Alpen-Hotspot Verbier prüfen wir, was der Kofferraum uns die letzten Tage geboten hat: Neben einem Handgepäcks-Trolley und einer großen Reisetasche passten auch noch Getränke sowie die Olivenöl-Ausbeute aus der Provence hinten rein. Natürlich muss alles immer unter die Abdeckung, damit man das Dach jederzeit öffnen kann. Das hat so gerade gereicht für zwei Personen. Nun fahren wir noch einmal hoch in die Berge, auf fast 2.000 Meter Höhe und schnuppern frische Alpenluft. Wir könnten direkt hier bleiben – oder mit dem SL wieder umkehren Richtung Provence.

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Text/Foto/Video: Autogefühl, Thomas Majchrzak


One Response to Mercedes SL im Langstrecken-Test

  1. […] dass es nun diese Möglichkeit gibt, das Fahrzeug besser zu beladen, auch wenn das Dach offen ist. Im Mercedes SL ist das aber z.B. besser gelöst, da muss man das Glasdach nur hinaufklappen. Dies war aber […]

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