Suzuki Baleno Fahrbericht

Mit rund 13.800 Euro Einstiegspreis ist der Suzuki Baleno keineswegs ein günstiges Fahrzeug im Kleinwagensegment, nichtsdestotrotz soll dieser nun Suzuki zu einer verbesserten Marktposition führen, da er etwas oberhalb des Suzuki Swift eine Lücke Richtung Kompaktsegment schließen soll. Wir verraten, welche positiven und negativen Seiten der Kleinwagen-Kompaktwagen-Mischling in seiner vierten Generation mit sich bringt. Von Thomas Majchrzak

In der Tat kann man sich streiten, ob der Baleno nun zum Kleinwagen- oder Kompaktsegment zählen soll, das Kraftfahrtbundesamt zählt ihn zu den Kleinwagen, und auch von der Länge her kann man ihn eher mit Kleinwagen-Konkurrenten vergleichen.

Der Suzuki Baleno beginnt in der Standardversion „Basic“ bei 13.800 Euro und ist somit ein wenig teurer als seine Konkurrenten, wie z.B. der VW Polo (Marktführer) oder ein Ford Fiesta, die jeweils für weniger als 13.000 Euro erhältlich sind. In der Vergangenheit sind die Verkaufszahlen eines Suzuki Alto und Splash deutlich zurückgegangen, wodurch sie auch aus dem Produktsortiment gestrichen wurden. Derzeit ist Suzuki mit dem Celerio bei den Minis und dem Swift bei den Kleinwagen aufgestellt.

Kernthema des neuen Japaners ist die neue Plattform, wodurch sich das Gewicht auf nur knapp eine Tonne reduziert und die Karosseriesteifigkeit sich um 10 Prozent erhöht. Ebenso ist ein neues Mild Hybrid System (SHVS) mit an Bord, auf welches wir später im Text genauer eingehen.

Generell gibt es den Suzuki Baleno als Sauger mit 90 PS und als Turbo mit 111 PS. Dem Käufer stehen die Ausstattungslinien Basic, Club und Comfort zur Verfügung und hiernach richtet sich auch die Motorisierung. So ist der 111 PS starke Turbo dem Comfort vorbehalten. Dabei reicht die Preisspanne von 13.800 bis 20.000 Euro.





Exterieur

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Der Kühlergrill des Suzuki Baleno ist weitestgehend durch eine Trapenzform rund um das Logo gekennzeichnet. Ansonsten wirken die Frontleuchten relativ breit und zeichnen sich durch viele Kanten aus. Generell wird dabei auf Halogenleuchten zurückgegriffen, jedoch nicht beim Comfort, welcher serienmäßig höherwertige Xenon Scheinwerfer erhält. Der Kühlergrill leitet dabei passend in die Leuchten über. Die untere Hälfte der Front ist eher rund gehalten. Im Allgemeinen unterscheidet sich der Baleno nicht allzu sehr von den Modellen der Konkurrenz, hier möchte man sich dem Trend anschließen, anstatt seinen eigenen Weg zu gehen.

In der Seitenansicht wird klar, dass der Baleno nicht so sportlich wirkt wie andere Fahrzeuge aus dem Segment. Es ist eine leichte Wellenform zu erkennen, die von der Front bis zum Heck reicht, dies hinterlässt einen eleganten Eindruck. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenzmodellen gibt es beim Baleno serienmäßig 15-Zoll-Felgen für den Basic und Club, die Ausstattungslinie Comfort erhält 16-Zöller, wie wir auch hier auf den Fotos sehen.

Das Heck kann die solide Designführung nicht aufrechthalten, die Abrundung der Heckscheibe wirkt etwas behäbig. Rückleuchten sind in der Comfort-Version mit LED-Technologie ausgestattet sind.

Insgesamt zeigt der Suzuki Baleno einen zurückhaltenden konservativen Auftritt, ohne anzuecken.

Interieur
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Der Innenraum ist ebenfalls überwiegend einfach gehalten: Wenige Knöpfe und keine Spielereien machen die Fahrerkabine eher zum zweckmäßigen Ort. Selbst die Lautstärkeregelung wird über das Infotainmentsystem übernommen. Schön ist, dass die Belüftungen rund um den optional erhältlichen 7 Zoll Touchscreen vertikal angeordnet sind und somit die Struktur des Kühlergrills ins Innere übernehmen. Über das Display lässt optional sich auch Apple CarPlay bedienen, was in diesem Segment häufig noch Neuland ist. Serienmäßig kann man sein Smartphone ganz einfach via Bluetooth mit dem System verbinden und damit seine eigene Musik genießen. Das Infotainment-System ist nun auf der Höhe der Zeit und bietet die wichtigsten Funktionen: BT-Telefonie, Navi, CarPlay, Musikstreaming/Radio. Alles übersichtlich dargestellt ohne eine zu komplizierte Menüstruktur.

Die Stoffsitze sind durchaus bequem und lassen kaum Spielraum für Kritik. Die Sitzposition ist unauffällig, abgesehen davon, dass man über einer Größe von 1,80 m mit dem Kopf schon in der Dachwölbung sitzt. Man schlägt zwar nicht mit dem Kopf an, aber hat die Sicht oben etwas abgeschnitten. Das restliche Platzangebot ist gut. Ab der Ausstattungslinie Comfort wird das Lenkrad mit Tierhaut überzogen und besitzt bei der Wahl des 6-Gang-Automatikgetriebes Schaltwippen.

Ähnlich sieht es mit dem Platzangebot übrigens im Fond aus. In puncto Beinfreiheit finden wir angesichts der Kürze des Fahrzeugs ein überzeugendes Angebot, selbst große Menschen haben noch eine Faustbreit Beinfreiheit. Lediglich in der Höhe wird es über 1,80 m Körpergröße schwierig.

Im Kofferraum ist für bis zu 350 Liter Platz, klappt man die Rückbank vom Fond aus um, verdreifacht sich der Stauraum. Das Gesamtvolumen beträgt rund 1.000 Liter. Damit sollte dem Wocheneinkauf nichts im Wege stehen. Im Übrigen lässt sich die hintere Sitzbank im Verhältnis 60:40 umklappen.

Für mehr Komfort und Sicherheit kann man optional auch eine Rückfahrkamera, Berganfahrhilfe oder auch einen adaptiven Tempomat (ACC) auswählen. Diese Features zählen zur Serienausstattung im Comfort.

Hier und da gibt es ein paar Verarbeitungsschwachstellen, wie z.B. die wackelige Armlehne, andererseits finden wir zum Teil ordentliche Qualität, hier hat sich viel getan und insgesamt kann man angesichts des Preises durchaus zufrieden sein.

Motoren

Der Suzuki Baleno ist als Benziner mit folgenden Motorisierungen erhältlich:

1.2 l Dualjet (Sauger), 4-Zylinder, 90 PS, 4.2 l/100km
1.0 l Boosterjet (Turbo), 3-Zylinder, 111 PS, 4.9 l/100 km

Der Beschleunigungsunterschied: Knapp über 12 Sekunden von 0 auf 100 km/h mit dem Sauger, knapp über 11 Sek. mit dem Turbo.

Wie schon erwähnt ist der Boosterjet der Ausstattungslinie Comfort vorbehalten, gleiches gilt für das 6-Gang-Automatikgetriebe. Das Mild Hybrid System (SHVS) ist nur für den Sauger erhältlich und auch nur für die höchste Ausstattungslinie. Dieses System unterstützt den Motor beim Beschleunigen, erzeugt effizienter Strom durch regeneratives Bremsen und senkt unter dem Strich den Verbrauch, auch wenn nur geringfügig. Ein ähnliches System ist bereits von BMW bekannt (EfficientDynamics). Es geht darum, dass das Hybrid-System durch die rekuperierte Energie die Stromverbraucher des Fahrzeugs versorgt, die dann nicht über die umgewandelte Energie des Motors betrieben werden müssen. Des Weiteren verfügen die Comfort exklusiven Motoren über eine Start-Stopp-Funktion.

Fahrverhalten

Der Suzuki Baleno verhält sich tatsächlich im Fahren so, dass er von Klein- und Kompaktwagen etwas hat. Er fühlt sich eben nicht an wie ein Kleinwagen, sondern eher wie ein Kompaktwagen, nur dass man besonders gut einparken kann. Die Bedienung ist einfach, das Lenkrad leichtgängig. Sportlichkeit kommt weniger auf, dafür gutes Dirigieren in der Stadt. Das Fahrwerk ist soft ausgelegt. Auffällig schnappt das Lenkrad zurück, wenn man es beim Kurbeln und Rückwärtsfahren loslässt, daran muss man sich gewöhnen – und kann es dann ggf. auch konstruktiv nutzen, um das Lenkrad eben nicht zurückkurbeln zu müssen.

Eine Schwäche ist die Geräuschisolierung, über 100 km/h wird es doch recht laut im Innenraum. Auf der anderen Seite ist die größte Stärke, dass der Suzuki ein wendiges unkompliziertes Auto ist. Die adaptive Geschwindigkeitsregelung funktioniert zuverlässig, in Verbindung mit der 5-Gang-Handschaltung auch, und das sogar beim Schalten. D.h die ACC wird durch den Schaltvorgang nicht deaktiviert, sehr gut.

Der Turbomotor mit 111 PS reicht völlig aus, weil man nur so wenig Gewicht mit sich herumschleppt. Der Sauger würde wahrscheinlich sogar reichen, wer allerdings häufiger auf der Autobahn unterwegs ist, wird den Turbomotor bei Überholmanövern schätzen, zudem kann man damit auch im fünften Gang noch beschleunigen, etwa von 100 auf 120 km/h. Der Sound ist dabei überraschend natürlich und klingt gar nicht nach Turbo-Aufheulen.

Völlig überragend auch der Verbrauch: Mit 5 l / 100 km ist der Suzuki Baleno nicht nur an der offiziellen Angabe dran, sondern liegt im Wettbewerbsumfeld auch deutlich vorne, verbraucht also viel weniger als die Konkurrenten.

Abmessungen

Länge: 4,00 m
Breite: 1,75 m
Höhe: 1,46 – 1,47 m
Radstand: 2,52 m
Leergewicht: 940 – 1.010 kg

Fazit: Der Suzuki Baleno ist von außen unspektakulär, bietet aber ein interessantes Package, also eine gute Platzausnutzung vorne und hinten. Nur wer über 1,85 m ist, wird sich zu nahe von innen am Dach wiederfinden. Die Verarbeitungsqualität ist in vielen Bereichen ordentlich, das Cockpit übersichtlich und das Infotainment auf der Höhe der Zeit. Designpreise gewinnt der Baleno gewiss nicht. Aber dafür den für den niedrigsten Verbrauch im Segment bei wirklich guten Fahrleistungen. Ein außergewöhnlich geringes Gewicht und die unkomplizierte Handhabung machen den Suzuki Baleno zu einem neuen Geheimtipp für Käufer ohne Starallüren.

Autogefühl: ***

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos: Autogefühl, Michel Weigel




2 Responses to Suzuki Baleno Fahrbericht

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  2. Interessanter Wagen, habe aktuell sowieso vor mir einen neuen gebrauchten zu kaufen, suzuki ist dabei bei meinen Favoriten vom Preis-Leistungs-Verhältnis.

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