Land Rover Discovery 5 Test bei der Land Rover Experience

Der Land Rover Discovery schaut in der neuen Generation weniger kantig aus und bietet im Innenraum mehr Luxus. Doch ist er offroad immer noch so tough wie vorher? Das wollten wir herausfinden – bei der Land Rover Experience in Utah. Von Thomas Majchrzak

Den Land Rover Discovery 5 gibt es in den Ausstattungslinien S, SE, HSE und HSE Luxury. Die Preisspanne geht von 52.000 Euro bis 76.000 Euro in der Top-Ausstattung.
Mit 2.099 kg Leergewicht ist der neue Discovery deutlich leichter geworden. Mit dem stärksten Diesel steigert sich das Gewicht allerdings auf 2.223 kg, was aber immer noch gut 300 kg leichter ist als die Vorgänger-Generation. Der Grund hierfür ist, dass Land Rover nun auf eine selbsttragende Karosserie aus Aluminium setzt statt einer Leiterrahmenkonstruktion. Eine selbstragende Karosserie bedeutet, dass Fahrgestell und Aufbau zusammengefasst werden.





Exterieur

Allgemein kann man sagen, dass sich der neue Discovery 5 von einem durchgehenden kantigen Stil verabschiedetet hat und nun vielerorts runde Elemente untergebracht hat. Am besten erkennt man dies an den Frontleuchten, die nun optional mit LED kommen (Serie: Halogen). Während sie beim Discovery 4 noch sehr einem Kasten ähnelten, sind diese in der fünften Generation deutlich runder und dazu ein wenig schmaler. Nichtsdestotrotz wurde die Kühlergrill-Struktur übernommen. Denn typisch für Land Rover ist der aufrecht gehaltene Kühlergrill. Die für den Disco charakteristische “Stufe” im hinteren Bereich ist nicht mehr sichtbar, so hat der Disco 5 vielmehr ein durchgehend laufendes Dach. Die C-Säule ist etwas angeschrägt, um die Dynamik zu steigern. Standard sind 19 Zoll Felgen, gegen Aufpreis erhält man maximal 22 Zoll. Die Bodenfreiheit beträgt 28,3 cm, was zum Vorgänger einem Plus von 4,3 cm entspricht. Die Wattiefe ist um 20 cm auf 90 cm gewachsen.

Interieur

Einen besonderen Fokus hat Land Rover auf das Interieur gelegt. Dabei kann man optional den neuen Discovery 5 auch weiterhin als 7-Sitzer beziehen. Des Weiteren verfügen alle hinteren Sitze über Isofix-Befestigungen, beim 7-Sitzer wären es dann insgesamt sogar 5 Isofix-Plätze. Erstaunlich, denn häufig werden die Isofix-Verankerungen in der dritten Sitzreihe vergessen. Neu ist das so genannte Intelligent Seat Fold, welches die Sitze in der zweiten und optionalen dritten Reihe per Knopfdruck hoch- oder runterklappt. Ferner kann man dies über das Infotainmentsystem oder via App einrichten. Dazu zählt auch, dass man diese umklappen kann. Das Umklapp-Verhältnis in der zweiten Reihe beträgt 40:20:40. Ebenfalls kann man die zweite Sitzreihe in einem 1/3-2/3-Split verschieben. Die 7-Sitzer-Konfiguration kostet übrigens 1.600 Euro Aufpreis und kann nur in Verbindung mit der Luftfederung bestellt werden. Sitzkühlung und -Heizung sind ebenfalls erhältlich, wie auch eine Massagefunktion für Personen in der ersten Reihe. Außerdem gibt es optional Auto Access Height, welche das Fahrzeug um 4 cm senkt, damit der Einstieg leichter fällt.

Beim Lenkrad ist der mittlere Teil in der jeweiligen Interieur-Farbe gehalten. Links und rechts davon befinden sich Multifunktionsknöpfe, rechts z.B. für den Tempomat bzw. die Bergabfahrhilfe, die man dadurch feinjustieren kann. Das Cockpit ist grundsätzlich übersichtlich und hat weniger Knöpfe als der Vorgänger. Die verwendeten Materialien wurden gut verarbeitet und man fragt sich durchaus schon, wo noch der große Unterschied zum Range Rover ist. Der Discovery wurde nun also auch klar auf Luxus getrimmt. Optional kann man seinen Discovery mit Holzverzierungen schmücken lassen. Basis sind Stoffsitze, die auch sehr zu empfehlen sind. Daher sollte man auch bei den Ausstattungsniveaus S und SE bleiben und sich einzelne Optionen dann selektiv noch dazubuchen.

Die Benutzeroberfläche des 10,2 Zoll großen Infotainmentsystems orientiert sich an der anderer Jaguar Land Rover Modelle. Es ist durchaus attraktiv gestaltet und arbeitet recht schnell. Die Menüführung ist allerdings weniger intuitiv als bei einigen Konkurrenz-Modellen. Darüber hinaus könnte das Navi die nächsten Abbiegemanöver ein wenig schneller voraussagen. Die Verbindung mit dem Smartphone gelingt problemlos via USB oder Bluetooth. Apple CarPlay und Android Auto sind nicht erhältlich – das ist nicht allzu problematisch, denn in den häufigsten Fällen reicht eine Bluetooth-Verbindung völlig aus. Die Smartphone-Kopplung via Kabel läuft über einen eigenen Jaguar Land Rover Standard, wozu man die passende InControl App installieren müsse. Gegen Aufpreis gibt es einen 3G-Internet-Hotspot.

Den mit dem Jaguar F-Pace eingeführte Activity Key gibt es auch für den Discovery 5. Es handelt sich dabei um ein Armband, welches die Möglichkeit bietet, den Hauptschlüssel im Fahrzeug zu lassen, damit man ihn beim Klettern oder Surfen nicht verliert. Der Activity Key übernimmt dann vorübergehend die Funktion des Hauptschlüssels. Nähert man sich dann wiederum der Heckklappe, so entsperrt sich der Discovery 5 und der Fahrzeugschlüssel wird wieder aktiviert.

Mit Blick auf Stauräume bietet die fünfte Generation des Discovery eine Menge Platz. In den Türinneren können problemlos große Flaschen platziert werden. Das Handschuhfach bietet ebenso ausreichenden Stauraum, genauso wie ein weiteres Fach in der Mittelkonsole. Der Kofferraum fasst maximal 2.500 Liter und bei fünf aufgestellten Sitzen 1.231 Liter. Neu ist, dass die bekannte innere Heckklappe nun elektrisch auf Knopfdruck ausfährt, was auf den ersten Blick als Luxus-Feature anmuten mag, auf den zweiten Blick aber irgendwie unpraktisch und langsam ist. Der Überhang beträgt dann übrigens 28,5 cm, gut z.B. zum Einladen und zum Picknicken. Das maximale Tragegewicht beträgt 300 Kilogramm. Die innere Heckklappe kann nur in Verbindung mit der großen elektrischen Heckklappe bestellt werden. Positiv ist, dass die große Heckklappe sehr sensibel eingestellt ist: Dies bedeutet, wenn eine Person sich unterhalb der Klappe befindet und diese herunterfährt, erkennt der Sensor sehr schnell die Person. Darauf erfolgt ein Hupen und die Heckklappe fährt wieder hoch – ausgezeichnet.

Motoren

Diesel

Td4: 2.0 l, 4-Zylinder, 180 PS, 6.0 l/100 km
Sd4: 2.0 l, 4-Zylinder, 240 PS, 6.3 l/100 km
Td6: 3.0 l, 6-Zylinder, 258 PS, 7.2 l/100 km

Benziner

Si6: 3.0 l, 6-Zylinder, 340 PS, 10.9 l/100 km

Die Verbrauchsangaben sind Herstellerangaben, die auf dem 5-Sitzer basieren. In der 7-Sitzer-Version erhöht sich der Verbrauch ggf. geringfügig. Generell können immer zwei bis vier Liter auf die Herstellerangaben addiert werden, um einen realistischen Wert zu erhalten.

Serienmäßig kommt eine Achtstufenautomatik von ZF zum Einsatz, über Schaltwippen am Lenkrad kann manuell geschaltet werden.

Fahrverhalten

Wir fahren den Si6-Benziner, der gut zum Fahrzeug passt. Er bietet keine überaus explosive Beschleunigung, kommt aber sehr gut voran. 7,1 Sekunden beträgt der Wert von 0 auf 100 km/h, damit ist der Si6 eine Sekunde schneller als der V6-Diesel. Der Minimal-Verbrauch (Tempomat auf Landstraße oder Autobahn) kann sich sehen lassen, auf gut 8 l / 100 km kann man den großen Discovery bringen – das spricht für den großen Benziner. Downsizing macht hier wohl weniger Sinn. Effektiv mit Stop & Go und Stadtverkehr pendelt sich der Verbrauch natürlich eher gen zweitstelligem Bereich ein.

Die optional erhältliche Luftfederung macht einen sehr guten Job und macht das Fahrerlebnis speziell auf holprigen Straßen angenehmer. Übergänge zwischen alten und neuen Straßen fühlt man kaum noch. Die Luftfederung ist hier bewusst sanft ausgelegt. Wer das Schaukeln nicht so mag, der ist eher mit einem sportlicheren SUV wie dem Range Rover Sport besser bedient. Aber wer den Ritt auf dem fliegenden Teppich eines großen SUVs mit Luftfederung schätzt, ist hier richtig aufgehoben. Beim Fahren machen sich die mehr als zwei Tonnen Leergewicht natürlich noch bemerkbar: Man muss etwas vorausschauender fahren, um den Bremsweg optimal einzuplanen. Dazu kommt, dass der Land Rover Discovery nicht so agil in den Kurven liegt, das ist eben nicht der Fokus. Audi Q7, BMW X5 oder Range Rover Sport sind in puncto Handling sportlicher. Die Geräuschkulisse zählt ebenso zu den Stärken des Discovery 5. Da fühlt man sich schon so wie im Range Rover.

Allrad ist in zwei Ausführungen erhältlich: Mit dem zweistufigen Verteilergetriebe gibt es auf Knopfdruck eine fixe 50:50 Verteilung der Antriebskraft und Geländeuntersetzung. Wenn man nicht primär im Gelände unterwegs ist, kann man alternativ bei der einstufigen Version wählen, welche dann mit Torsendifferenzial kommt. Dieses System leitet die Antriebskraft automatisch an die Achse weiter, welche mehr Grip aufweist. Ferner gibt es für die Offroad-Fahrt die „All-Terrain Progress Control“, welche einen Tempomat fürs Gelände enthält und beim Anfahren auf glatten Untergründen unterstützend arbeitet. Verschiedene Gelände-Fahrprofile sind jeweils auf unterschiedliche Bedingungen ausgelegt.

Im Grunde genommen kann man das Fahrzeug durch die modernen Systeme offroad alles alleine machen lassen. Wir sind schwer davon beeindruckt, wie der Discovery sich offroad bewegen lässt. Er ist definitiv noch so hardcore wie zuvor. Die weiche Luftfederung sorgt dabei dafür, dass man die Bodenfreiheit auf den Maximalwert erhöhen kann und auch beim steinigen Offroadfahren noch ein hohes Maß an Komfort genießen kann. Der Discovery 5 ist für uns das bisher vermutlich beste und komfortabelste Offroad-Fahrzeug. Wir erklimmen Steigungen und fahren Stufen hinunter, die man kaum erlaufen kann.

Vergleicht man übrigens Land Rover Discovery, Range Rover Sport und Range Rover, so stellen wir folgendes fest: Grundsätzlich sind alle drei Modelle auf derselben Plattform gebaut, und sie ähneln sich auch in der Tat sehr. Die neue Generation des Discovery kommt dabei näher heran als je zuvor. Fahrtechnisch bietet der Range Rover Sport die agilsten Fähigkeiten, ist dafür natürlich auch etwas weniger komfortabel im Gelände oder bei Unebenheiten. Weicher ist der Discovery abgestimmt, der zudem von allen dreien die meiste Bodenfreiheit aufweist, weil die Spoiler hier am wenigsten weit nach unten gezogen sind. Der Range Rover Sport hat dem Namen entsprechend die prägnantesten Spoiler. Der Range Rover schließlich fährt am softesten, ist dadurch noch einen Tacken komfortabler, aber auch etwas wackeliger in starken Kurven. So kann jeder sein gewünschtes Fahrverhalten auswählen, wobei der Discovery natürlich den besten Preis-Leistungs-Deal darstellt (Disco 52.000 Euro, Range Rover Sport 64.000 Euro, Range Rover 100.000 Euro).

Abmessungen

Länge: 4,97 m
Breite: 2,22 m
Höhe: 1,85 m
Radstand: 2,92 m
Leergewicht: 2.099 – 2.223 kg

Fazit: Insgesamt überzeugt der neue Land Rover Discovery 5 als geräumiges und komfortables Full-Size-SUV. Besonders der Wechsel vom kantigen hin zum eher runden Design richtet das Fahrzeug auf die Moderne aus, wobei manche „Disco-Fans“ sich daran gewöhnen müssen. In Interieur-Design und Luxus geht der neue moderne Disco gut und gerne als günstigerer Range Rover durch, er kostet immerhin nur die Hälfte. Die Gewichtsreduktion auf mindestens 2.099 Kilogramm wirkt sich einerseits positiv auf das Fahrverhalten aus, doch ändert nichts daran, dass man weiterhin das Gewicht noch spürt. Der Land Rover Discovery 5 ist im Vergleich zur Konkurrenz im Full-Size-SUV Bereich kein Handling-Wunder. Dafür bietet er mit der optionalen Luftfederung und der neuen Geräuschdämmung einen himmlischen Komfort, onroad wie offroad. Ja, er mag vielleicht weicher aussehen, aber abseits der Piste ist er immer noch richtig „hart“. Gerade die Offroad-Fähigkeiten sind exterm beindruckend.

Autogefühl: *****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos & Video: Autogefühl, Michel Weigel


One Response to Land Rover Discovery 5 Test bei der Land Rover Experience

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