Volkswagen Golf GTI Performance Fahrbericht Mk 7.5

Der VW Golf GTI Performance legt mit einigen Features noch mal etwas auf den normalen GTI drauf. Lohnt sich das? Und wie fährt er sich in der jüngsten Variante nach dem Facelift? Von Thomas Majchrzak

Schon der Basis Golf GTI kommt seit dem Facelift Mk 7.5 direkt mit Voll-LED-Scheinwerfern. Zu den weiteren Serien-Features zählen Sportfahrwerk (Karosserie ca. 15 mm tiefer gelegt), 17 Zoll Felgen, kräftige Spoiler, Sport-Endtopf, Sportsitze mit Sitzheizung, Parkpilot, Climatronic, bei 30.000 Euro geht es los. Der GTI Performance hat einen Aufpreis von 3.000 Euro und beinhaltet zusätzlich eine Vorderachs-Differenzialsperre, Bremssättel rot lackiert, größere Bremsscheiben, eine mechanische Vorderachsdifferenzialsperre sowie 15 PS mehr (und damit 6,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h anstatt 6,4 Sekunden). Außerdem kommen weitere Ausstattungsfeatures hinzu wie das Active Info Display (keine Analog-Instrumente für den GTI Performance), Composition Media Infotainment, Fernlicht-Assistent & Regensensor sowie Telefon-/USB Schnittstelle, die jeweils für den Basis-GTI Aufpreis kosten.

Exterieur

Viele der Serien-Elemente für den GTI beziehen sich also auf das Exterieur. Die Kunst des GTI liegt darin, einerseits als Golf nicht so auffällig zu sein wie brachialere Sportwagen, andererseits aber klar als GTI erkennbar zu sein. Am auffälligsten ist dabei der schwarze Kühlergrill und oberhalb die rote Zierleiste, die sich geschickt bis in die Scheinwerfereinheit durchzieht. Seit dem Golf GTI Facelift werden die mittlerweile deutlich horizontal gezogenen Frontleuchten noch besser zur Geltung gebracht, dafür sorgt nicht nur ein kantigeres Design, sondern auch die Form der Motorhaube, die sich den Leuchten zuneigt. Bei genauerem Hinsehen fallen Tieferlegung, Bremssättel oder Endtopf ins Auge. Weil der Golf 7 schon in der Basisversion recht schnittig geworden ist, profitiert natürlich auch die Sportversion davon. Mit roten GTI-Logos vorne und hinten hat der Kompaktflitzer etwas besonderes, ohne zu prätentiös zu wirken. Dramatischer kann man sich seinen GTI machen, wenn man größere Felgen aufzieht. Dabei gibt es eine tolle Auswahl, die maximal möglichen 19-Zöller sind sehr verführerisch, auch wenn sie natürlich Angst vor jedem Bordstein-nahen Manöver machen. Wir haben 18 Zoll drauf und diese sind noch sehr komfortabel, sehen aber schon knackig aus. So würden wir für die Alltagstauglichkeit eher von 19 Zoll abraten und genau die Felgen nehmen, die wir im Video aufgezogen haben. Am Heck wurde den Rückleuchten seit dem Facelift ebenfalls ein kantigeres Design verpasst und diese kommen nun serienmäßig mit LED.

Interieur

Der Golf GTI beweist, dass man einen Innenraum auch ohne Leder attraktiv gestalten kann. Die Stoffsitze tragen das für den GTI klassische rote karierte Muster auf den Sitz- und Rückenflächen. Der Stoff fühlt sich angenehm an und ist zugleich strapazierfähig. Optional sind Sitze mit Alcantara und Honigwaben-Muster erhältlich.

Am Lenkrad fallen die roten Kontrastnähte auf der Innenseite ins Auge. Überhaupt ist das Lenkrad sehr gut gelungen, für weitere Emotionen sorgt das glänzende GTI-Logo am abgeflachten Ende. Auch der Schalthebel darf sich ein paar rote Kontrastnähte einverleiben, er besitzt zudem eine recht interessante Haptik. Der Schaltknauf ist wie ein Golfball mit kleinen gleichförmigen Dellen versehen, ein abwechslungsreiches Tast-Erlebnis.

Das Armaturenbrett ist wie beim Basis-Golf gewohnt recht nüchtern. Abgesehen von den roten Elementen an Lenkrad und Schaltknauf wird auf allzu viel offensichtliche Schnörkelei zugunsten der puristischen Sportlichkeit verzichtet. Alle Knöpfe und Bedienelemente sind da, wo man es vom Golf gewohnt ist – und das macht ihn auch so attraktiv. Eine Vielzahl der Autofahrer setzt sich in dieses Cockpit hinein und weiß sofort, wo was zu bedienen ist. Das ist ein großer Vorteil gegenüber exklusiveren Sportwagen, wo man sich vielleicht nicht direkt heimisch fühlt. Zudem hat Volkswagen eine recht gute Mischung gefunden, was die Aufteilung in Knöpfe und Touchscreen angeht. Temperatur und Sitzheizung werden direkt angesteuert über Drehregler und Knopf, die Navifunktionen dann über den großen Touchscreen.

Im Innenraum hat der Golf seit dem Facelift weitere Änderungen erhalten, darunter nun die optionalen Digitalinstrumente (Active Info Display 12,3“) aus dem Passat/Tiguan. Einen Golf GTI bekommt man weiterhin mit analogen Instrumenten und kann sich wahlweise für die digitalen entscheiden. Der Golf GTI Performance kommt dagegen serienmäßig mit dem Active Info Display als einziges Modell der Golf-Reihe. Standard startet man gewöhnlich weiterhin mit analogen Instrumenten wie bisher.

Im Vergleich zur Vor-Facelift-Version ist auch das zentrale Infotainment-System gewachsen. Größen von 6,5 Zoll (Standard), 8 Zoll (Highline und GT-Modelle) und 9,2 Zoll (rein optional) sind erhältlich. Das größte Infotainmentsystem heißt Discover Pro und weist gar keine physischen Knöpfe mehr auf. Dadurch ergibt sich eine ebene Fläche, die designtechnisch hervorragend wirkt, der Golf sieht damit noch mehr premium aus. Dazu kommt eine Gestensteuerung. Dabei kann man mit der Hand in der Luft wischen, um sich im Menü fortzubewegen. Diese Funktion ist allerdings noch nicht hundertprozentig ausgereift.

Die Verarbeitungsqualität ist gewohnt sehr gut. Außerdem wirkt die Fahrerkabine weiterhin sehr aufgeräumt, gestärkt noch vom neuen Infotainment-Screen mit kapazitiven Knöpfen. Ein Golf mit Wow-Effekt, der eher an ein bis zwei Klassen höher erinnert.

Der Golf zählt auch als GTI Performance zu den Kompaktfahrzeugen, die auch den besten Komfort für größere Fahrer bieten. Die Sportsitze bieten zwar mehr Seitenhalt, engen aber noch nicht ein. Im Fond bleibt ebenfalls Platz für große Erwachsene, das passt von den Knien her gerade so, wenn 4x 1,90 m im Auto sitzen. Kopfraum ist dann ebenfalls kein Problem, insofern man auf das Panoramadach verzichtet. Der Kofferraum ist Standard für ein Kompaktauto, durchaus quadratisch und praktisch gehalten. Die Sitze lassen sich im 1/3 2/3 Verhältnis umklappen.

Motoren

Vierzylinder 2.0 TSI mit 230 oder 245 PS im GTI Performance
Bzw. 6,4 bzw. 6,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Fahrverhalten

Beim Golf GTI heißt es: Einsteigen, losfahren, Spaß haben. Man benötigt keine Gewöhnungszeit. Die klassische Golf-Architektur bleibt schließlich erhalten, und somit hat man kompakte Abmessungen, eine nicht allzu flache Frontscheibe für eine gute Übersicht nach vorne sowie einen angenehmen Rundumblick. Hinter dem sportlichen Lenkrad verbirgt sich eine progressive Lenkung, so dass man beide Hände selbst in engeren Kurven am Lenkrad halten kann. Man braucht also keine langen Lenkwege. Das macht Laune. Das Sportfahrwerk mit der 15 mm Tieferlegung macht sich agil bemerkbar, ohne allzu holprig zu werden. Zusammen mit den attraktiven Sitzen ist der Golf GTI also nicht unbequemer als ein normaler Golf. Und das ist bei einigen Sportversionen anderer Autos nicht der Fall. Der Golf GTI Performance giert nach S-Kurven oder Kreisverkehren, jedes Hindernis ist eine willkommene Abwechslung. Dass in unserem Testwagen kein DSG verbaut ist, finden wir trotz grundsätzliche Präferenz für Automatik nicht schlimm, weil die kurzen Schaltwege ebenfalls Freude machen. Dabei bietet die Schaltung wenig Widerstand und fügt sich in das makellose Image ein.

Ein Druck auf das Alu-umrandete Gaspedal und der 2 Liter Turbo mit 245 PS im Golf GTI Performance sprintet nach vorn. Dank des mechanischen Sperrdifferenzials (Standard GTI: elektronisches Sperrdifferenzial) im Performance-Paket hält sich der Schlupf an den Vorderrädern auch in Grenzen, wenn man in Kurven schnell beschleunigt. Ein gutes Feature für all die, die gerne nicht nur sportlich, sondern sehr sportlich fahren. Man wählt die Performance-Version also eher, wenn man scharf auf das “erweiterte” Vorderachs-Sperrdifferenzial ist und ohnehin einige Optionen wählen würde. Die Beschleunigung geradeaus vollzieht sich in 6,2 Sek. von 0 auf 100 km/h.

Unser Testverbrauch liegt bei 7 l / 100 km auf der Autobahn bei gleichmäßiger Fahrweise, im Mix mit der Stadt geht es eher Richtung 8 l / 100 km. Im Leerlauf und bei niedriger Drehzahl ist der GTI extrem leise, erst wenn man auf die 3.000 Umdrehungen zusteuert, meldet sich der GTI-Auspuff mit einem dezenten Dröhnen. Der Golf GTI Performance ist erstes Maß an Fahrspaß im Kompakt-Segment, dabei ist die Federung noch so gestaltet, dass man einen GTI ohne Probleme als Alltagsauto verwenden kann.

Neu seit dem Facelift ist der Stauassistent, der den Golf bis 60 km/h in Verbindung mit DSG teil-autonom fährt, sowie dass der autonome Bremsassistent (Front Assist) nun auch Fußgänger erkennt. Leider ist der AEB erst ab der Ausstattungslinie Comfortline inkludiert, effektiv werden aber sehr viele ausgelieferte VW Golf zumindest das mittlere Ausstattungsniveau besitzen – so wie eben alle Golf GTI.

Abmessungen

Länge: 4,26 m
Breite: 1,80 m
Höhe: 1,45 m
Radstand: 2,64 m

Fazit: Der GTI Performance ist ein Kompaktwagen-Traumauto für einen im Vergleich zu anderen Sportwagen noch erreichbaren Preis. Der GTI bietet perfekte Verarbeitungsqualität, hochwertige Anmutung und tadellose Technik. Das Bedienen des Türgriffs, das Ploppen der Türen, wenn sie zugehen, das Klicken der Knöpfe und des Blinkers – im VW Golf machen diese kleinen Details schon Freude und sind in ihrer Ausführung marktführend. Die GTI-Features sorgen dann für die Emotion und das Besondere im Alltag. Der Golf GTI Performance sorgt im Vergleich zum Basis-GTI noch für ein wenig mehr Pfeffer.

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak




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