Kia Stinger GT Fahrbericht

Mit dem Kia Stinger stößt Kia in den Markt der viertürigen Coupés vor. Ein neues Flaggschiff für die Marke, das Maßstäbe in Design und Leistung setzen soll. Funktioniert das Konzept? Der Kia Stinger GT bei uns im Fahrbericht. Von Michel Weigel & Thomas Majchrzak

Der Kia Stinger ist seit Ende 2017 erhältlich. Dabei sticht der Stinger aus der gewohnten Produktpalette heraus. Einen Diesel gibt es mit 200 PS, bei den Benzinern kann man zwischen 255 und 370 PS wählen. Preislich beginnt das Fahrzeug bei 44.000 Euro. Sowohl der 200 PS Diesel, als auch der 255 PS starke Benziner kommen direkt mit der GT Line. Der leistungsstärkste Benziner mit 370 PS, kommt dann mit der Ausstattungslinie GT, nur dann heißt er Kia Stinger GT. Wir erläutern die Unterschiede.





Exterieur

Der Kia Stinger wirkt deutlich sportlicher und kantiger als alle anderen Kia Modelle. Selbst ein bereits elegant gezeichneter Kia Optima wirkt nicht annähernd so agil. An der Front befindet sich ein markanter Lufteinlass, der sich durch alle Modelle des Herstellers zieht. Das Design der Frontleuchten ist flach und dynamisch gehalten. Optional können die Leuchten mit LED ausgestattet werden (Serie für Stinger GT).

Der Kia Stinger misst 4,83 Meter und besitzt dabei einen Radstand von 2,91 Metern. Das ist länger als reine Mittelklasse-Modelle à la Audi A4 und BMW 3er, sondern eher vergleichbar mit einem VW Arteon (4,86 m). Ob und inwiefern sich dies im Innenraum bemerkbar machen wird, erklären wir später. Standard gibt es 18 Zoll Felgen, gegen Aufpreis können diese auf 19 Zoll vergrößert werden. Beim GT ist 19 Zoll Standard. Das Design ist so gehalten, dass das Dach in Richtung Heck fällt, während der restliche Teil der Karosserie sich leicht anhebt. Dies erzeugt den Eindruck, dass der Stinger leicht nach vorne gebeugt ist. Besonders im unteren Bereich der Seitentüren haben die Designer der Sportlimousine ein wenig mehr Schnitt und Dynamik mit auf den Weg gegeben. Gerade im Seitenprofil ist der Kia Stinger ein echtes Kunstwerk.

Am Heck findet man einen Spoiler, der auch eine Art Überdachung für die Rückleuchten ist, welche serienmäßig mit LED kommen. Generell ist das Heck leicht gebogen und bringt damit ein spielerisches Element in die Gestaltung. Auffällig sind auch die großen Auspuffrohre, die allerdings reine Zierde sind. Die echten Auspuffrohre zählen zwar auch vier an der Zahl, sind aber hinter den Chromblenden versteckt.

Interieur

Der Innenraum des Kia Stinger folgt dem sportlichen Exterieur-Design, ist dabei aber eher unprätentiös. Ein klassischer Aufbau von Infotainmentsystem (8 Zoll), runden Lüftungsdüsen und Klima-Einheit mit Drehreglern. Der Automatik-Wählhebel ist breit und man kann die Hand gut darauf ablegen. Die Kunstleder-Abdeckung rund um die Lüftungsdüsen wirkt sehr hochwertig. Die Verarbeitung kann sich allgemein sehen lassen. Generell wirkt das Cockpit übersichtlich und aufgeräumt, man findet sich schnell zurecht – und für vieles gibt es eben noch separate Knöpfe, auch für Lenkradheizung, Sitzheizung und Sitzkühlung. Leider bietet Kia im Stinger ausschließlich Tierhaut-Sitzbezüge an, eine gute Stoff- oder Mikrofaser-Alternative würde zudem der Sportlichkeit eher gerecht werden. Von der Form her bietet der Kia Stinger GT eine sportliche Haltung, wobei der Komfort angesichts der Nähe zum Asphalt noch gegeben ist. Vier große Erwachsene finden Platz, wobei das Package besser sein könnte. Im Fond kann man die Füße kaum unter den Vordersitz schieben, es sei denn, der Vordersitz ist sehr hoch eingestellt. Der Kofferraum ist zwar flach, aber gut zu erreichen, weil das Fastback-Hatch weit öffnet; ein Kompromiss aus Limousine und Kombi.

Wie eingangs erwähnt, gibt es einerseits die GT Line ab 43.990 Euro und den GT ab 54.900 Euro. Letzterer ist an den großen Benziner geknüpft. Hier zählen wir nun die wichtigsten Dinge der jeweiligen Ausstattungslinien auf. Zum Vergleich, was kostet die Konkurrenz? Audi S5 64.000 Euro, BMW 440i xDrive Coupé 60.000 Euro, Mercedes C43 62.000 Euro).

GT-Line
– einfacher Tempomat mit Start & Stopp-Funktion
– Head-up-Display
– 8 Zoll Infotainmentsystem (mit Smartphone-Spiegelung à la Apple Carplay)
– beheizbares Lenkrad
– Rückfahrkamera
– Spurhalteassistent

GT (zusätzlich zur GT-Line)
– Launch Control
– Sitzheizung auch für die zweite Sitzreihe
– Harman/Kardon-Soundsystem
– Rundumsichtskamera
– Dynamisches Kurvenlicht
– LED-Scheinwerfer
– Adaptives Fahrwerk
– Totwinkelwarner
– Querverkehrswarnung

Motoren

Benziner
2.0 T-GDI, 255 PS, Automatik, 6.0 Sek. von 0 auf 100 (43.990 Euro), Heckantrieb
3.3 T-GDI, 370 PS, Automatik, 4.9 Sek. von 0 auf 100 (54.900 Euro), immer mit Allrad
Bei dem Benziner mit 370 PS kommt ein V6 TwinTurbo zum Einsatz.

Diesel
2.2 CRDI, 200 PS, Automatik, 7.6 Sek. von 0 auf 100 (44.900 Euro), Heckantrieb, optional Allrad

Fahrverhalten

Wir fahren den Kia Stinger GT mit dem 3,3 Liter V6 mit 370 PS und Allrad. Dieser meldet sich durchaus zu Wort, bleibt aber im Sound doch vergleichsweise dezent und wenig sonor. Hart am Gas hängt der Motor nicht, dafür muss man schon herunterschalten und ihm richtig die Sporen geben. Der reine Beschleunigungswert ist top. Aber gefühlt könnte der V6 einen besseren Punch aus dem niedrigeren Drehzahlbereich haben. Auch die Bremsanlage will getreten werden, spontan spricht sie nicht an. In verschiedenen Fahrmodi verändert sich Gasannahme und Lenkungsverhalten, im Sportmodus wird die Lenkung z.B. etwas straffer. Im Comfort-Modus dagegen kann man einfach ohne Widerstand einparken/kurbeln. Die Lenkung reagiert stets spontan, vermittelt aber kein natürliches Gefühl. Das Fahrwerk ist für Kia recht straff ausgelegt, hält den Kia Stinger GT auch bei hohen Geschwindigkeiten sehr stabil. Schlaglöcher steckt das Fahrwerk aber nicht so gut weg wie die teurere Konkurrenz. Im neuen Kia Stinger kommt erstmalig bei Kia ein Drehmomentwandler mit Fliehkraftpedal (CPA) zum Einsatz. Dieses reduziert Drehschwingungen im Antriebsstrang. Für schnelle und sichere Kurvenfahrten sorgt das Torque-Vectoring-System. Und so kann man den Kia Stinger mit viel Spaß in die Kurven schicken. Überraschend für uns: Am ähnlichsten im Fahrgefühl sind Jaguar XE/XF. In puncto Verbrauch kann man den Kia Stinger GT mit minimal 10 l / 100 km fahren, realistisch sind eher 12 l / 100 km, wenn man die Beschleunigung auch mal nutzt, oder auch mehr.

Abmessungen

Länge: 4,83 m
Breite: 1,87 m
Höhe: 1,40 m
Radstand: 2,90 m
Leergewicht: 1.717 – 1.971 kg

Fazit: Der Kia Stinger ist in Design und Leistung das neue Aushängeschild der Marke. Als Kia Stinger GT kommt das viertürige Coupé mit viel Leistung – und das zu einem vergleichsweise günstigen Preis, zumindest wenn man die Konkurrenzprodukte betrachtet. Im Exterieur-Design sorgt der Kia Stinger für viel Aufsehen. Der Innenraum ist qualitativ hochwertig, bietet aber keine sportliche Alternative zu Ledersitzen. Fahrtechnisch vermittelt der Kia Stinger Freude, zeigt jedoch im Vergleich zur Premium-Konkurrenz Schwächen im Detail wie bei Fahrwerk, Lenkung und Verbrauch. Doch das Ziel des Fahrzeugs ist trotzdem schon erreicht: Nämlich dass man überhaupt schon in Erwägung zieht, den Kia mit Audi, BMW und Mercedes zu vergleichen.

Autogefühl: ***

Text: Autogefühl, Michel Weigel & Thomas Majchrzak




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