Audi A6 Limousine Test 2019

Der Audi A6 geht in die neue Generation. Wie schon bei A8 stehen Assistenzsysteme und elektronische Technologie im Fokus, die durch einen neuen zentralen Prozessor gesteuert werden. So wird auch die obere Mittelklasse zum fahrenden Computer. Nun sind wir den neuen Audi A6 sowohl als Benziner, als auch als Diesel gefahren (achte Generation bzw. C8). Kann er Klassenbester werden? Von Thomas Majchrzak





Exterieur

Die Grundproportionen sind weitgehend gleich geblieben. Geändert hat sich das Design insofern, als dass die Kanten und Sicken noch schärfer herausgearbeitet sind. Der Kühlergrill hat eine noch imposantere Erscheinung, die Scheinwerfer sind noch flacher designed. Sie starten direkt mit LED, optional gibt es zwei weitere LED-Ausbaustufen – letztere dann auch mit den kaskadierenden Blinklichtern und einer Begrüßungssignatur. Die Matrix-LED-Leuchten sorgen für ein beeindruckendes Lichtschauspiel in der Nacht, in dem sie Autos vor einen ausblenden, aber drumherum voll ausleuchten. Automatisch erhält man die maximale Ausleuchtung in dunklen Bereichen, wenn man in die Stadt mit Laternen kommt, werden die Matrix LED deaktiviert. Selten konnte man während einer Nachtfahrt so viel sehen. Im Audi A6 Seitenprofil ergeben sich drei Bereiche aus Licht und Schatten. Die Felgengrößen starten bei 17 und gehen hoch bis 21 Zoll, hier zeigen wir 20-Zoll-Felgen. Bei der Karosserie kommt ein Mix aus Stahl und Aluminum zum Einsatz. Die vorderen Federbeindome, Türen, Hauben und Kotflügel bestehen aus Aluminium. An trims wählt man die Exterieur-Ausstattungslinien sport oder design oder das S line Exterieur-Paket. Letzteres ist hier auch gezeigt.Interessant: Im Design bewegt sich der A6 zwischen A8 (Fokus Eleganz) und A7 (Fokus Sportlichkeit). So zeigt der A6 Kühlergrill eine Verbindung aus dem weiten horizontalen Design des A7 und dem hohen Design des A8.

Interieur

Für das Interieur stehen fünf trims zur Wahl: Basis, sport, design, design selection und S line Sportpaket.

Bei den Sitzen stehen vier Formen zur Wahl, Basis, Sport, Sport Plus und Multikontur. Basis geht mit Stoffsitzen los, Alcantara-Bezüge gibt es bei den Sportsitzen, die wir diesmal hier zeigen. Die Außenbereiche sind noch aus Tierhaut. In den höchsten trims wird ebenfalls wieder vorwiegend Tierhaut angeboten. Die Sportsitze bieten einen guten Sitzkomfort, auch für größere Menschen. Eine automatische Sitzverstellung will aber extra bezahlt werden.

Größter Pluspunkt ist erneut die hervorragende Verarbeitung. Alle Knöpfe, alle Fugen, alle Bedienelemente… Perfektion pur. Hier gibt Audi den Benchmark vor. Besonders positiv fällt das matte Naturholz auf, das an den Innenseiten der Türen sowie am Armaturenbrett und auf der Mittelkonsole verwendet werden kann. Alternativ stehen auch schwarzer strukturierter Kunststoff (Basis), Aluminium (hier gezeigt) und Karbonfaser zur Verfügung.

Mehr Platz gegenüber dem Vorgänger gibt es an Beinen, Köpfen und Schultern. So kann man im Fond auch noch bequem sitzen, wenn Fahrer und Beifahrer lange Beine haben. Kopffreiheit ist üppig vorhanden, das ist z.B. auch ein Vorteil gegenüber dem schnittigeren Audi A7. Der Gepäckraum fasst 530 l, der Bauform geschuldet ist er für die Limousine nicht so gut nutzbar wie beim Kombi, der ebenfalls angeboten wird. Aber für einen Limousinen-Kofferraum kommt man hier gut zurecht. Für die Klimaanlage steht nun ein Luft-Ionisator zur Verfügung. Die Scheibenwischerdüsen sind nun in die Wischer integriert, zusammen mit der optionalen beheizbaren Frontscheibe soll das für bessere Sicht sorgen.

Der Multimedia-Bildschirm reagiert auch haptisch auf die Bedienung, damit der Nutzer ein Feedback erhält. Nachteil: Dafür ist ein fester Druck aufs Display nötig. Das kann aber auch ein Rückschritt sein, wenn man die einfache Tipp-Bedienung vom Smartphone kennt. Witzig: Wenn man im Apple CarPlay Modus ist, reagiert der Screen auf die einfache Tipp-Bedienung ohne festen Druck. Ein neues Konzept im Fahrzeug: Wie beim Smartphone lassen sich Elemente per Drag and Drop im Bildschirm verschieben. Das Top-Setup “MMI Navigation Plus” besteht aus einem 10,1 Zoll Bildschirm oben für die Anzeige des Infotainments und einem 8,6 Zoll Display unten, auf dem die Klimatisierung angezeigt wird oder man für Navi & Co. Text eingeben kann. Stark gefeilt will Audi auch an der Spracheingabe haben. Eine weitere Option bzw. Bestandteil der MMI Navigation Plus ist das bekannte Virtual Cockpit, der 12,3 Zoll Bildschirm, der die analogen Instrumente ersetzt. Basis bekommt man also analoge Instrumente sowie in der Mitte denselben Screen unten, aber oben einen 8-Zoll-Screen statt dem größeren 10 Zoll.

Einfach Wow ist das optionale Bang & Olufsen Soundsystem, das zu den besten auf dem Markt zählt, zusammen mit dem Burmester 3D Surround-System in der Mercedes E-Klasse. Das B&O System hier sorgt für Gänsehaut beim Musikgenuss – allerdings auch für Gänsehaut beim Blick aufs Konto, denn 6.000 Euro extra fallen hierfür an.

Aufschließen kann man den Audi A6 übrigens auch über ein Android-Smartphone via NFC, das macht Audi, um den A6 für Fahrzeug-Dienstleistungen zu optimieren, etwa wenn man Berechtigungen zum Zutritt flexibler gestalten möchte. Übrigens wird es auch möglich sein, den Audi A6 von außen mit dem Smartphone in seine Garage zu steuern.

Motoren

Benziner
3.0 TFSI V6 mit 340 PS (Siebengang S tronic Doppelkupplungsgetriebe)

Diesel
2.0 TDI R4 mit 204 PS (Siebengang S tronic Doppelkupplungsgetriebe)
3.0 TDI V6 mit 231 oder 286 PS (Achtstufen tiptronic wandler)

Es gibt nur noch Automatik. Die 3.0-Liter-Sechszylinder kommen serienmäßig mit Allrad (3.0 TDI Grund-Setup vorne 40/60 hinten mit echtem permanenten Allrad-Antrieb, die S tronic Modelle mit quattro ultra vorne plus hinten bei Bedarf mit Haldex-Kupplung).

Alle Motoren sind serienmäßig mit einem Mild-Hybrid-System versehen, welches die Segel-Funktion (Motorabschaltung im Rollen) unterstützt. Bei den V6-Motoren nutzt sie ein 48-Volt-Bordnetz, bei den Vierzylindern arbeitet sie auf 12-Volt-Basis. Der Audi A6 kann zwischen 55 und 160 km/h segeln. Auch für die Stopp/Start-Funktion wird der Mild-Hybrid eingesetzt.

Fahrverhalten

Fahrtechnisch ist wie beim neuen Audi A8 sicher die Hinterachslenkung das technologische Highlight. Fährt man langsam, schlagen die Hinterräder bis maximal 5 Grad entgegen der Vorderräder ein, um den Kurvenradius zu verringern. Fährt man schneller, lenken die Hinterräder “parallel” bis maximal 2 Grad, um die Stabilität zu erhöhen. Es geht hier nur um ein paar Grad Einschlag, aber es ist spürbar. Der Audi A6 verkleinert seinen Wendekreis damit um bis zu 1,1 m. Der neue Audi A6 fühlt sich somit kleiner an, als er ist. Und das hat der A6 auch BMW 5er und Mercedes E-Klasse voraus, die sich beide etwas schwerer anfühlen. Der Audi A6 meistert schon in der Basisvariante eine gute Mischung aus Sportlichkeit und Komfort. Überdies hat Audi an der Progressivlenkung gearbeitet, so dass man nicht viel lenken muss. Trotzdem fühlt sich die Lenkung nicht allzu künstlich an. Hier hat allerdings BMW vom Gefühl her die Nase vorn. Vier Fahrwerke stehen zur Verfügung: Basis, Sportfahrwerk mit 20 mm Tieferlegung, adaptives Sportfahrwerk sowie die adaptive Luftfederung. Letztere testen wir. Somit schweben wir wie auf einem fliegenden Teppich über die Straße – aber ohne, dass der A6 sich zu stark aufschaukeln würde. So soll es sein. In den Fahrmodi ändert sich dann Höhe und Straffheit des Fahrwerks.

Der 3.0 TFSI verbraucht im Test minimal 9 l / 100 km auf der Autobahn mit Tempomat und maximal 13 l / 100 km bei kurviger Bergfahrt. Die Mitte dazwischen von 11 l / 100 km dürfte der realistische Langfristverbrauch sein. Sollte niedriger sein, aber im Vergleich zu kleinen Turbomotoren für kleine Autos, die dasselbe verbrauchen, geht der Verbrauch für diese Klasse in Ordnung. In 5,1 Sekunden schafft es der 3.0 TFSI auf 100 km/h.

Im zweiten Test nehmen wir den 3.0 TDI unter die Lupe. Dieser ist mit der Wandler-Automatik ausgestattet, die auf uns etwas ruhiger und kultivierter wirkt als das Doppelkupplungsgetriebe. Die S tronic ist dafür vielleicht manchmal etwas schneller. Der 3.0 TDI hat natürlich auch einen sehr kräftigen Durchzug. In 5,5 Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h, also nur minimal langsamer als der große Benziner. Beim direkten Anfahren fühlt sich der Diesel etwas träger an, dafür punktet er mit Laufruhe und niedrigen Drehzahlen gerade auf der Autobahn. Ohne Klimaanlage im gleichmäßigen Betrieb schaffen wir einmal sogar 5,5 l / 100 km, realistisch im längeren Test bei uns pendelt sich der Verbrauchswert bei 7 l / 100 km ein.

Abmessungen

Länge: 4,93 m
Breite: 1,88 m
Höhe: 1,45 m

Fazit: Der neue Audi A6 ist scharf, prägnant und intelligent gezeichnet. Im Interieur herrscht Perfektion in der Verarbeitung vor, best in class. So wird es gemacht. Das Platzangebot ist ebenfalls gut, wobei die Bauform an sich bei allen Fahrzeugen in dieser Klasse den Platz nicht praktisch ausnutzt. Wenig Fortschritt gibt es weiterhin bei Echtleder-Alternativen in höheren trims. Ferner ist das Motorensetup bislang grundsätzlich ohne alternative Antriebe. Technologisch interessant sind dagegen die potenziellen Verbrauchseinsparungen per Mild-Hybrid-System, die sich allerdings nur bei ruhiger Fahrt ergeben. Der Diesel hinterlässt in der Tat einen sparsamen Eindruck. Die maximal 38 Assistenzsysteme (erhältlich in 3 Paketen) funktionieren einwandfrei und machen den A6 zum fahrenden Computer. Somit steht der A6 dem A8 in kaum etwas nach, außer dem Plus an Beinfreiheit im Fond für die A8-Chauffeur-Limousine. Einen Unterschied zum Vorgänger-A6 merkt man speziell beim Fahren mit der Hinterachslenkung, der A6 ließ sich noch nie so agil fahren, und das schon in der Nicht-Sportversion. Insgesamt hat der neue Audi A6 dem 5er BMW und der E-Klasse von Mercedes nun in vielen Punkten etwas voraus, wobei alle drei ihre eigenen Schwerpunkte behalten.

Autogefühl: ****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak




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