Audi A4 allroad quattro Crossover-Kombi Test

SUV oder Kombi? Diese Frage stellen sich einige Kunden, denn ein SUV bietet eine aufrechte Sitzposition und auch einen praktischen Laderaum, wohingegen ein Kombi in der Regel etwas sportlicher fährt und eine längere Ladefläche hat. Gibt’s auch was dazwischen? Vielleicht der Audi A4 allroad quattro, bei uns im Fahrbericht. Von Thomas Majchrzak





Während ein Basis-A4-Kombi bei 34.000 Euro beginnt (1.4 TFSI mit 150 PS), steigt der Audi A4 allroad quattro bei 42.500 Euro ein, hat dafür aber auch schon den 2.0 TDI Motor mit 150 PS und mehr Ausstattung (40.000 Euro wäre der normale A4 Avant mit derselben Motorisierung).

Exterieur

Der Auftritt des Audi A4 ist breiter und in den Leuchten spitz. Zudem zeigt der A4 im Tagfahrlicht deutliche Kante. Auf den Fotos sehen wir die Top-Scheinwerfer Matrix LED, die beim Fernlicht bestimmte Bereiche aussparen können, so dass das Fernlicht länger an bleiben kann, ohne den anderen Verkehr zu blenden. Daneben sind auch gewöhnliche LED-Scheinwerfer erhältlich. Serienausstattung sind Xenon-Scheinwerfer (vorherige Generation: Halogen).

In der Seitenlinie haben es die Designer durch ein ähnliches Design des Fensterrahmen-Abschlusses hinten geschafft, dass der Kombi keinen dramatisch anderen Eindruck als die Limousine macht – nur, dass die Dachlinie danach eben nicht abfällt, sondern weiter geht. Quadratisch endet das Heck allerdings nicht, das Fenster ist leicht abgeschrägt, um das Fahrzeug dynamischer wirken zu lassen. Hier setzen andere Kombis eher auf Platz im Innenraum als auf Design. Die Frage ist dann aber, ob man im Innern tatsächlich bis zum Ladedeckel etwas sehr hohes transportiert, in vielen Fällen wird man durch diese Abschrägung wahrscheinlich eher keine Nachteile spüren. Am Heck gibt es ebenfalls Leuchten, die „Kante“ zeigen.

Beim Design wurde beim Audi A4 auch an den Windwiderstand gedacht, durch den optimierten Unterboden erreicht die Limousine einen cw-Wert von 0,23 und der Kombi/Avant 0,26. Auch am Gewicht wurde an vielen Ecken und Enden gespart, mit einem Basisgewicht von 1.320 kg ist die neue Generation um bis zu 120 kg leichter als der Vorgänger. Denn zum Stahl wurde noch mehr leichteres Aluminium beigemixt.

Unter dem Kleid steckt (noch) der modulare Längsbaukasten (MLB Evo) auf, den auch der Audi Q7 benutzt. Das ist auch das Konzept, so dass man unterschiedliche Autos auf derselben Plattform bauen kann. Der neue Audi A4, der allerdings erst in vielen Jahren zu erwarten ist, wird dann wieder auf der MQB-Plattform stehen.

Die Abmessungen des aktuellen Audi A4 sind weitgehend identisch mit der Vorgänger-Generation, er ist um 2,5 cm auf 4,73 m Länge gewachsen und nur geringfügig in der Breite (plus 1,5 cm). Ab Werk wird der neue Audi A4 je nach Motorisierung mit 16 oder 17 Zoll Alus ausgeliefert. Der Audi A4 allroad quattro kommt mit 17, 18 oder 19 Zoll Felgen.

Limousine und Avant haben dieselben Abmessungen, lediglich die Ladekante ist beim Avant niedriger – und natürlich mehr Platz im oberen Bereich des Laderaums, der nach hinten fortgeführt wird und nicht wegen der Limousinenform abfällt.

Den optischen Unterschied zum normalen A4 Avant macht hier beim allroad quattro der Offroad-Look aus. Das sind im Wesentlichen die ausgestellten Radläufe, vor allem wenn die Plastik-Schutzteile in Kontrastfarbe sind. Es gibt sie aber auch auf Wunsch in Wagenfarbe, was das Fahrzeug sofort eleganter aussehen lässt.

Die 34 Millimeter mehr Bodenfreiheit beim allroad sind nicht groß zu erkennen, der Wagen wirkt keineswegs hochbeinig oder gar hochgestellt, sondern in den Proportionen nach wie vor sehr harmonisch.

Teil des allroad-Looks sind auch noch eine erhöhte Dachreling, der silber-farbene Unterfahrschutz, modifizierte Stoßfänger und Lufteinlässe. Übrigens kann man sich gegen Aufpreis auch wieder für eine Voll-Lackierung entscheiden, damit man keine schwarzen Plastik-Schützer mehr an den Radkästen hat. Allerdings stellt sich dann die Frage, warum man überhaupt einen allroad nehmen sollte.

Interieur

Im Innenraum finden wir aufgrund der Verwandtschaft aus dem modularen Längsbaukasten einige Styling-Elemente aus dem Audi Q7. Optisch bestimmend sind die breit und horizontal verlaufenden Lüftungsschlitze, ein Gegenentwurf zu den sportlichen Audi-Modellen, bei denen die Lüftungsdüsen rund sind. Grundsätzlich gibt es durch die neue Bauplattform mehr Platz im Innenraum. Für die Schultern gibt es einen knappen cm mehr Freiheit als in der Vorgänger-Generation des Audi A4 Avant, für die Köpfe vorne 2,5 cm mehr. Auch im Fond gibt es 2,5 cm mehr Kniefreiheit, in der Tat kann man hier als großer Erwachsener noch sehr gut sitzen und hat auch bei einem großen Fahrer noch genügend Knieraum. Während man bei der Limousine für sehr große Menschen im Fond eher auf ein Panorama-Dach verzichten sollte, kann man im Avant dank des Plus an Kopffreiheit auf den Rücksitzen durchaus auch das Glasdach wählen und trotzdem genügend Platz für groß gewachsene Menschen behalten. In unserem Testfahrzeug ist kein Glasdach verbaut, das lässt gerade beim Avant einen mehr als großzügigen Kopfraum. Auf Reisen gehen mit vier großen Erwachsenen – gar kein Problem, dazu braucht man keinen Q7.

Im Detail finden wir im Cockpit sehr viel Liebe zum Detail, der Audi A4 führt damit bei der Innenraumqualität das Segment an. So besitzen die Innenseiten der Türen nahezu Skulpturencharakter, geformt durch die Designlinien, um die sich dann Materialien wie Mikrofaser und offenporiges Holz schmiegen. Wahlweise kann man sich seinen A4 eher sportlich mit Alu-Inlets (Standard) oder aber eher edler mit Holz bestücken (überschaubarer Aufpreis). Weitere Highlights sind die Schalter und Knöpfe, die alle mehr als hochwertig verarbeitet sind und haptisch wie akustisch eine angenehme Rückmeldung geben. Die Drehknöpfe an den Temperaturreglern bestehen aus echtem Metall und klicken akustisch schön von Stellung zu Stellung. Optional sind die Kippschalter für die weitere Bedienung der Top-Klimaeinheit, wenn man (bei der optionalen 3-Zonen-Klimaeinheit) mit dem Finger darüberfährt, wird der jeweilige angezeigte Modus im kleinen Zwischenscreen größer, damit man besser sieht, was man gerade kontrolliert. Dann kann man durch drücken und hochklicken die Situation verändern. Allerdings tut es die Standard-Klimaeinheit auch, sie hat dann Metall-Drehknöpfe. Selbst die Abdeckung des 12V-Anschlusses trägt die metallerne Kreuzschraffur, das ist echte Liebe zum Detail. Man erhält hier einen Oberklasse-Innenraum in den Abmessungen einer Mittelklasse-Limousine.

Stoffsitze sind sinnvollerweise Standard, die hier gezeigte optionale Leder-Ausstattung ist aufgrund der schlechten Klimaeigenschaften und den negativen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt natürlich nicht zu empfehlen. Leider sind auch alle weiteren Kombinationen, etwa mit Alcantara, immer mit einem gewissen Tierhaut-Anteil versehen. An grundsätzlicher Form gibt es sowohl Normalsitze als auch Sportsitze mit ausgeprägteren Seitenwangen, beide sind in der Basis mit Stoff verfügbar.

Wie das Cockpit jedoch später für den Kunden konkret aussieht, hängt auch stark davon ab, was man möchte und wie viel man darin investiert: So ist optional das volldigitale Virtual Cockpit erhältlich und auch ein sehr klar zu erkennendes Head-Up-Display. Technische Highlights sind optional ferner ein 19-Lautsprecher-System von Bang & Olufsen und ein LTE-Internetzugang. Für die Rücksitze stehen als Rear-Seat-Entertainment Audi tablets (Android) zur Verfügung.

Serienmäßig sind dagegen Keyless Entry und die Bluetooth-Schnittstelle.

Die Rücklehne kann man im Verhältnis 40:20:40 teilen, die Teile sind zudem angenehm mit Hebeln vom Kofferraum aus umzuklappen. Allerdings finden wir hier einen der wenigen bis keinen Fehler, die der Audi A4 Avant hat: Die Sitze klappen nicht automatisch um, man muss sie manuell vom Gastraum aus weiter umklappen. Auf dem Papier bleiben 505 Liter Laderaumvolumen im Normal-Setup und 1.510 Liter mit umgeklappter Rückbank. Die Durchladebreite misst einen Meter. Optional gibt es clevere Lösungen für die Gepäckorganisation wie eine Kofferraum-Matte, verschiedene Schienen und Netze. Serienmäßig ist die elektrische Öffnung der Heckklappe, kombiniert damit, dass die Abdeckung des Laderaums automatisch auf und zu geht – toll. Ferner steht optional auch eine Gestensteuerung per Fußkick zum Öffnen der Heckklappe zur Verfügung.

Motoren

(keine kleine Einstiegs-Benziner verfügbar)

Benziner
2.0 TFSI mit 252 PS (immer s-tronic)

Diesel
2.0 TDI mit 150, 163 oder 190 PS (6-Gang-Handschalter oder s-tronic)
3.0 TDI mit 218 PS (s-tronic) oder 272 PS (tiptronic Wandler-Automatik)

Der Allradantrieb quattro ist für alle allroad Modelle serienmäßig. Allerdings gibt es einen Technologie-Unterschied: Die Zweiliter-Motoren und der 218 PS Diesel funktionieren nach dem Allradkonzept vorne + hinten und variabler Drehmoment-Verteilung, der 272 PS 3.0-Liter Diesel kommt mit permanentem Allradantrieb in einer Normalverteilung zu 40 Prozent auf die Vorder- und 60 Prozent auf die Hinterachse und reagiert ebenfalls adaptiv.

Fahrverhalten

Zusammen mit der tollen Geräuschisolierung, dem überragenden Fahrwerk, der smoothen Lenkung und der Perfektion im Innenraum ergibt sich ein Fahrgefühl der kraftvollen Leichtigkeit. Keinerlei Widerstand, keinerlei Mühe. Der Fahrer kann zwischen mehreren Fahrmodi im so genannten Audi Drive Select wählen, worauf Fahrwerk und Gasannahme sich anpassen.

Der hier getestete 272 Diesel (5,3 Sek. von 0 auf 100 km/h) ist über jeden Zweifel erhaben, überaus kräftig, aber ruhig. Man kann ihn also sehr entspannt fahren, erst wenn der Turbo einsetzt, dann geht es so richtig nach vorne. Als Durchschnittsverbrauch erzielen wir 8 l / 100 km.

Der Audi A4 Allroad fährt sich nicht komplett anders als ein normaler A4 Kombi, man spürt die Höherlegung nur ein wenig, es kommt nicht ganz SUV-Gefühl auf, aber vielleicht ein bisschen. Kann nicht schaden, sozusagen.

Sämtliche Fahrerassistenz- und Sicherheitssysteme der A4-Baureihe sind natürlich auch für den neuen A4 Allroad quattro erhältlich. Zusätzlich gibt es einen Anhängerassistent, der auch blutigen Laien das Rangieren mit Wohnwagen, Bootsanhänger etc. erleichtern soll, in dem er automatisch den Hänger auf den rechten Weg bringt.

Erfreulicherweise zählt jedoch das wichtigste System zur Serienausstattung, Audi pre-sense city. Der automatische City-Notbremsassistent kann bei Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h Unfälle mit anderen Fahrzeugen und Personen mit einer autonomen Notbremsung ganz vermeiden und bei höheren Geschwindigkeiten den Aufprall zumindest entschärfen.

Eine negative Eigenschaft ist uns jedoch aufgefallen: Beim stärkeren Bremsen bei Nässe zieht der A4 nach links.

Abmessungen

Länge: 4,73 m
Breite: 1,84 m
Radstand: 2,82 m
Höhe: 1,43 m

Fazit: Der Audi A4 allroad quattro bietet zunächst einmal das Differenzierungsmerkmal über die Offroad-Optik, schafft somit rein visuell schon eine Brücke zwischen Kombi und SUV. Im Innenraum punktet er mit gewohnter Top-Audi-Qualität. Auch im Fahrverhalten stellt der allroad quattro eine echte SUV-Alternative dar, wenn man die niedrige Ladekante und den längeren Laderaum eines Kombis schätzt. Denn ein bisschen mehr Offroad-Fähigkeiten hat der allroad, fährt sich aber immer noch deutlich sportlicher als ein SUV.

Autogefühl: ****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak




One Response to Audi A4 allroad quattro Crossover-Kombi Test

  1. Karl says:

    Der Audi A4 Allroad entspricht meiner Vorstellung nach einem Kompromiss zwischen oberklasse Limousine und einem SUV.
    Ich fahre aktuell das letzte Modell, würde aber in 1-2 Jahren auf das neue wechseln.
    Er sieht aus jeden Fall besser (natürlich anders und liegt im Auge des betrachters :D) aus.

    Grüße euer Karl

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