VW Golf GTI TCR Fahrbericht Serienauto

Inspiriert aus der TCR-Rennserie entspringt nun der bisher stärkste und schnellste Serien-Golf GTI, der VW Golf GTI TCR. Wir konnten die Serienversion mit 290 PS und den echten Rennwagen auf der Rennstrecke fahren und vergleichen auch die Positionierung zu Golf GTI Performance und Golf R. Von Thomas Majchrzak





Exterieur

Schon der Basis Golf GTI kommt seit dem Facelift Mk 7.5 direkt mit Voll-LED-Scheinwerfern. Neben den klassischen Golf GTI Zier-Elementen setzt der TCR noch eine Stufe Dramatik drauf, mit noch breiteren Schwellern vorne, seitlich und hinten. Die Bremsscheiben sind beim GTI TCR gelocht. Hinten fällt die zusätzliche Lippe auf, die sich seitlich um das untere Ende des Hecks schwingt. Dazu kommt ein Diffusor zwischen den beiden Sport-Endrohren. Der ursprünglich geplante Akrapovic-Auspuff ist nicht bestellbar, dieser bleibt optional dem Golf R vorbehalten. Serienmäßig kommt der GTI TCR mit 18-Zoll-Felgen, optional gibt es 19 Zoll wie auch hier zu sehen. Die zwei Räder-Pakete sind mit der DCC-Fahrwerksoption verbunden, ein Paket ist für die Straße vorgesehen, das andere für die Rennstrecke mit Semi-Slicks.

Interieur

Grundsätzlich punktet der Golf GTI TCR mit Tugenden des Golfs wie toller Materialanmutung, Übersicht, Einfachheit in der Bedienung und Platzangebot. Auch der GTI TCR kommt mit den sportlichen Elementen wie abgeflachtes Lenkrad unten und roten Kontrastnähten, zeigt aber auf den besonderen Sport-Sitzen ein anderes rot-schwarzes Muster (kein GTI-Hahnentritt) sowie Alcantara-Einsätze an den Innenseiten. Das Lenkrad hat eine 12-Uhr-Markierung an der Spitze. Die digitalen Instrumente / Active Info Display sind bereits Serie im normalen Golf GTI Performance. Vier große Erwachsene finden im Golf GTI Platz, dafür reicht der Fond-Platz so gerade bei der Beinfreiheit. Der Kofferraum gehört zu den praktischeren im Kompakt-Segment.

Motoren

2.0 TSI 290 PS, 380 Nm
Nur mit 7-Gang-DSG
5,6 Sek. 0-100 km/h (Statt 6,2 Sek. beim GTI Performance, Zu Vergleich Golf R: 4,6 Sek.)
Der Preis beträgt 39.000 Euro (normaler GTI Performance: 34.000 Euro), plus ggf. gut 2.000 Euro für das Räder-Performance-Paket (Vergleich Golf R ab 43.000 Euro).

Fahrverhalten

Der Golf GTI TCR kommt wie der GTI Performance serienmäßig mit einem mechanischen Vorderachs-Sperrdifferenzial, um die 290 PS besser auf die Straße zu bringen, denn die ganze Power läuft über die Vorderräder. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 km/h, wobei man mit einem Paket noch auf 260 km/h entsperren kann. Ob die 10 km/h einen Unterschied machen, sei allerdings dahingestellt. Jedenfalls ist der Golf GTI TCR damit der schnellste straßentaugliche Golf. In dem Paket sind außerdem 19-Zoll-Felgen und DCC (adaptives Fahrwerk) mit insgesamt 20 mm Tieferlegung gegenüber einem Standard-Golf verbunden (Golf GTI -15 mm, also noch mal -5 mm tiefer für den TCR gegenüber dem normalen GTI). Interessant ist ferner, dass die Lenkung 1-zu-1 aus dem TCR-Rennfahrzeug übertragen wurde. Das macht das Lenkverhalten noch direkter und progressiver. So muss man immer wenige Lenkbewegungen machen, es gibt keinen toten Bereich, aber trotzdem kann man immer noch gut einparken.

Auf der Straße merkt man, dass der GTI TCR noch etwas straffer abgestimmt ist als der GTI Performance. Das Plus an Sportlichkeit kommt allerdings mit einer gewissen Empfindlichkeit gegenüber Schlaglöchern. Da sind GTI Performance und Golf R komfortabler und alltagsautglicher. Den GTI TCR möchte man, wenn einem die anderen Modelle zu brav sind. Bislang war der GTI nämlich auch im Wettbewerbsumfeld à la Honda Civic Type R oder Hyundai i30N eher komfortabel einsortiert, was sicherlich auch Sinn macht. Aber mit dem GTI TCR haben Freunde der stärkeren Sportlichkeit nun auch eine Wahl.

Auf der Rennstrecke offenbart sich dann das, was man nicht von außen vermuten kann: Der Unterschied des Golf GTI TCR zu den anderen Golf-Schwestern wird hier noch größer. Der GTI TCR ist aggressiv, hängt deutlicher am Gas und bietet höhere Kurvengeschwindigkeiten. Man kann ihn sehr gut am Grenzbereich bewegen, wo man hier durch das leichte Heck sogar etwas Übersteuern erzeugen kann. Selten für einen reinen Fronttriebler. Das Vorderachssperrdifferenzial hält den Wagen dabei auch beim Beschleunigungen in der Spur, es sei denn, die Fahrbahn ist nass und man gibt Vollgas, dann ist da auch Schluss, aber das ist auch kein Wunder. Doch der Golf GTI TCR schafft es, dass man selbst auf der Rennstrecke den Heckantrieb nicht vermisst. Wir sind so richtig fix unterwegs, und fahren auf derselben Rennstrecke sogar gut 15 Sekunden schneller als mit einem BMW 340i – das überrascht uns selber.

Abmessungen

Länge: 4,26 m
Breite: 1,80 m
Höhe: 1,45 m
Radstand: 2,64 m

Fazit: Der neue VW Golf GTI TCR markiert die Spitze in der GTI-Modellreihe und wird nicht wie der Clubsport nur limitiert erhältlich sein, sondern soll dauerhaft das obere Ende der Fahnenstange sein. Außen noch ein wenig dramatischer, innen mit der bekannten Mischung aus Sportlichkeit und Komfort, und dann noch mehr Power als der GTI Performance. Die Abstimmung ist straffer und sportlicher, den GTI TCR kann man tatsächlich sowohl im Alltag als auch auf der Rennstrecke einsetzen – mit Abstrichen beim Komfort gegenüber dem normalen GTI, aber mit einem überraschenden Abstand bei der Performance auf der Rennstrecke. Selten hatten wir ein Auto, mit dem man als Nicht-Profi-Rennfahrer so schnell auf einem Rundkurs unterwegs sein kann.

Autogefühl: *****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Video: Autogefühl, Holger Majchrzak


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