BMW X5 2019 Test

Den neuen BMW X5 hatten wir bereits als 40i mit Luftfederung getestet. Nun runden wir das Bild ab, mit dem 50i und der adaptiven Federung. Wir gehen in alle Details zum neuen X5. Von Thomas Majchrzak





Exterieur

Der BMW X5 stand schon immer für eine solide Design-Linie, durchaus konservativ, aber sehr ansehnlich und stark im Auftritt, ohne zu übertreiben und ohne für Design-Experimente Laderaum zu verlieren. In der neuen Generation steht der Kühlergrill stärker aufrecht, die BMW-Doppelniere ist noch größer und die Scheinwerfer, optional nun mit Laser-Licht für 600m Fernlicht-Reichweite, sind stärker in die Waagerechte gezogen. Damit sieht der X5 sportlicher aus. Basis sind LED-Scheinwerfer, darüber gibt es adaptive LED-Schweinwerfer, die dann in der höchsten Ausbaustufe mit Laser-Licht fürs Fernlicht integriert sind. An den Abmessungen hat sich leicht etwas geändert, in der Länge hat der X5 fast 4 cm zugelegt, in der Breite aber schon gut 6 cm. Im Seitenprofil ist besonders die hintere Schulterlinie interessant, diese ist besonders stark herausgearbeitet. In den M-Designvarianten sind die Radhäuser in Wagenfarben lackiert, dazu gibt es maximal nun 22-Zoll-Räder. Los geht es bei 18 Zoll. In den Standard-Varianten sind die Radhäuser SUV-gemäß mit schwarzem Plastik umhüllt, was zur Fahrzeugform auch irgendwie besser passt. Aber das ist reine Geschmacksache. Am Heck stößt BMW die klassische L-Form der Rückleuchten ab und sortiert die Leuchten ebenfalls rein horizontal an – das wirkt moderner. Insgesamt: Wieder sehr gelungen, klassisch, aber modern interpretiert. So soll ein seriöses großes SUV wirken.

Interieur

BMW hatte jüngst Nachholbedarf beim Interieur, und mit dem neuen 5er hat BMW seine Hausaufgaben gemacht. Davon profitieren auch alle weiteren großen Fahrzeuge aus dem Konzern. Das Interieur im neuen BMW X5 ist sehr geordnet und klar strukturiert. Straff gezogene Designlinien verlaufen horizontal übers Dashboard, wobei nichts verspielt wirkt. Seriös und zeitgemäß. Die digitalen Instrumente in 12,3″ bilden die Informationseinheit für den Fahrer, optional ist ein Head-up-Display erhältlich. Dazu kommt ein neuer 12,3″-Widescreen in der Mitte, der geschickt integriert ist. BMW hat sich also dazu entschieden, in der Serie direkt immer für den X5 links und rechts die großen Digital-Screens zu bieten. Die Darstellung ist klar und sachlich. Als Schalthebel kommt optional ein neuer Kristallgriff zum Einsatz, das steigert die Exklusivität. Man kommt aber auch sehr gut mit dem Standard-Schalthebel klar, die Glasoptik ist Geschmacksache.

Die Sitze sind durchweg sehr bequem und das Platzangebot lässt sich sehen, auf allen Plätzen. Basis ist das attraktive BMW Sensatec Kunstleder, erhältlich in Schwarz und Beige. Darüber hinaus gibt es nur Tierhaut-Bezüge. Bei den Sitzformen startet der X5 mit einem Sportsitz, ferner ist ein Komfort-Sitz erhältlich, der etwas weniger stark ausgeformt ist an den Sitzwangen. Der Komfort-Sitz ist dann nur noch mit Tierhaut erhältlich. Im Fond ist Platz für zwei weitere große Erwachsene, wobei es genau passt, d.h. viel Luft bleibt nicht. Angesichts der Länge des Fahrzeugs müsste eigentlich noch etwas mehr Beinfreiheit bleiben. Optional wird es später auch eine 7-Sitzer-Variante geben. Besonders clever ist der Laderaum, der gleich mit mehreren optionalen Highlights aufwartet: Gummi-Lippen im Laderaum lassen zunächst ein einfaches Beladen zu, fahren dann aber während der Fahrt ein Stück hoch und sichern das Gepäck somit gegen Herumrutschen – genial. Ebenfalls genial ist das automatische Gepäckrollo, das auf Knopfdruck komplett im vorderen Ladeboden verschwindet. Erhältlich sind diese Feature mit einem Laderaum-Paket, Standard wäre ein manuelles Rollo. Das Laderaumvolumen liegt zwischen 645 l und 1.860 l. Eine weitere Besonderheit ist die zweigeteilte Heckklappe, d.h. unten öffnet sich ein Stück, der Rest oben. Wenn man die Klappe vom Fahrersitz aus an der Innenseite der Tür öffnet oder per Schlüssel oder per Fuß kickt, geht jeweils alles zusammen auf. Wenn man die elektrische Heckklappe am Druckfeld direkt an der Klappe bedient, öffnet sich nur das obere Teil.

Motoren

Der Basispreis liegt bei 72.000 Euro für den 30d, hoch geht es locker über 100.000 Euro.

Benziner
xDrive 40i
3,0 l R6 mit 340 PS
5,5 Sek. 0-100 km/h

(außerhalb Europas)
xDrive 50i
4,4 l V8 mit 462 PS
4,7 Sek. 0-100 km/h

Plugin-Hybrid
xDrive 45e iPerformance
3,0 l R6 mit 394 PS Systemleistung (286 PS + 112 PS, keine ganz genaue Aufaddierung wg. unterschiedlicher Leistungskurven von Verbrenner und Elektromotor)
5,6 Sek. 0-100 km/h
Elektrische Reichweite bis zu 80 km (offizielle Angabe)
Gepäckraumvolumen -150 l
niedrigerer Schwerpunkt
Serienmäßig mit Luftfederung und Hinterachslenkung

Diesel
Xdrive30d
3,0 l R6 mit 265 PS
6,5 Sek. 0-100 km/h

M50d
3,0 l R6 mit 400 PS
5,2 Sek. 0-100 km/h

Fahrverhalten

Der neue BMW X5 ist noch besser geräuschgedämmt, was eine extrem ruhige Fahrt ergibt. Zusammen mit dem 40i, den wir zunächst getestet haben, ergibt sich eine himmlische Laufruhe. Gleichzeitig ist der Benziner jederzeit zum Sprint bereit und überzeugt mit einem tollen Durchzug. Als Verbrauch erzielen wir etwas zwischen 9 und 10 l, was für die Größe des Fahrzeugs voll in Ordnung geht. Lenkung und Fahrgefühl sind sportlich und natürlich gestaltet, das kann BMW.

Nun testen wir den 8-Zylinder, den 50i. Er macht schon richtig Laune, aber auch weil man ihn sehr kontrolliert und auch behutsam fahren kann. Es ist jeweils nur ein kleiner Druck aufs Gaspedal nötig, damit etwas passiert. Und wenn man richtig drückt, dann entfaltet sich der V8 mit einem sanften Brüllen. Leider macht sich der V8 auch im Verbrauch stark bemerkbar, 12 bis 13 l / 100 km gönnt er sich. Das ist übrigens gut ein Liter weniger als beim selben Motor im größeren BMW X7. Im Vergleich BMW X5 50i zu 40i zeigt sich, dass der V8 zugegebenermaßen schon toll fährt, aber der Zusatz an Sound und Leistung nicht im Verhältnis zu dem 3-Liter-Mehrverbrauch / 100 km steht. Insofern kann man es verkraften, dass wir diese Motorisierung in Europa nicht bekommen.

Um die Agilität zu steigern, kann der neue BMW X5 mit einer Hinterachslenkung ausgerüstet werden. Das reduziert insbesondere den Wendekreis um gut 1 m und erleichtert auch Einparkmanöver. Für die dynamischere Gangart hilft das auch, zudem ist auch eine aktive Wankstabilisierung erhältlich. Neben der Basis-Federung, die bereits adaptiv ist, steht ein adaptives M-Sportfahrwerk zur Verfügung (Voraussetzung für die Wankstabilisierung) sowie eine Luftfederung, die im Gegensatz zur Vorgänger-Generation nun beide Achsen umfasst. Hierbei kann die Fahrzeughöhe um 8 cm variieren. Sowohl für das Sport-Paket als auch für das Offroad-Paket kommt ein hinteres Sperrdifferenzial zum Einsatz. Das Offroad-Paket erhält ferner einen Unterbodenschutz.

Wir haben zunächst die Luftfederung getestet und finden diese schon sehr sportlich abgestimmt. D.h. man hat kein wankendes Schiff, sondern eher eine sportbetonte Luftfederung. Trotzdem bleibt die Luftfederung die Wahl für den größten Komfort. Man kann bei BMW aber auch ohne Probleme bei der Basis-Federung bleiben. Denn diese testen wir im zweiten Durchgang und sind ebenfalls sehr überzeugt davon. Bei Bodenwellen gleicht die Luftfederung etwas weicher aus, da sie beim X5 allerdings im Verhältnis recht straff abgestimmt ist, bleibt der Unterschied zum normalen adaptiven Fahrwerk nicht ganz so groß.

Die Assistenz-Systeme zeigen sich übrigens auch von ihrer besten Seite: Am wichtigsten sind neben der serienmäßigen autonomen Notbremse sicher der adaptive Tempomat und der Tote-Winkel-Warner. Die Adaptive Cruise Control bekommt man auch in einer hohen Ausbaustufe, die dann auch die Lenkführung mit übernimmt, solange man die Hände am Lenkrad hält – und das sehr zuverlässig. In den USA (in Europa nicht mehr erlaubt) kann man auch einen Spurwechsel per Blinker einleiten, dann übernimmt der Assistent alles weitere. War hier auch mal möglich und hatten wir in der Mercedes E-Klasse schon hier getestet, aber der Gesetzgeber hat hier erstmal wieder einen Riegel vorgeschoben.

Abmessungen

Länge: 4,92 m
Breite: 2,00 m
Höhe: 1,74 m
Radstand: 2,97 m
Leergewicht: 2.060 – 2.286 kg

Fazit: Der neue BMW X5 hat ein sportliches Exterieur, aber mit klassischen Full-Size-SUV-Abmessungen. Dadurch wird im Innenraum weniger Platz verschenkt. Hier hat sich viel getan, der Innenraum ist edel und klar strukturiert. Das Platzangebot ist ordentlich, nur im Fond sollte etwas mehr Beinfreiheit sein. Highlights sind die cleveren optionalen Lösungen für den Laderaum. Fahrtechnisch hat sich durch die neuen Federungen ebenfalls bei Sportlichkeit und Komfort etwas getan, wobei man in der Federungswahl auch viel entscheiden kann, je nachdem ob man das sportlichere Adaptivfahrwerk wählt oder die sanftere Luftfederung. Der neue X5 ist ruhiger und sportlicher zugleich. Insgesamt mit Spitze im Segment und ein echtes Traum-SUV.

Autogefühl: *****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak