BMW 6er Gran Turismo Test

Am Anfang steht eine Neusortierung bei BMW: Während das bisherige 6er Coupé und das 6er Cabriolet nun in die Luxus-Klasse gerückt sind und jeweils 8er heißen und sportlicher sind, ist der 5er GT nun ein BMW 6er Gran Turismo, der sozusagen zwischen 5er Limousine, 5er Touring und 7er vermittelt. Wir erklären die Ausrichtung und die Unterschiede und auch warum der 6er GT z.B. auch ein hervorragendes Chauffeur-Fahrzeug ist. Von Thomas Majchrzak





Exterieur

Bei BMW sollen die ungeraden Ziffern für Standard-Klassiker-Modelle stehen und die geraden Ziffern für besonders emotionale Modelle. Beim neuen 6er GT gibt es starke Verbindungen zum 5er, aber interessanterweise auch zum 7er. Dabei stammt z.B. die Frontachse vom 5er und die Hinterachse vom 7er.

Der neue BMW 6er GT ist im Gegensatz zum 5er breiter, länger und höher – auch wenn es sich hierbei zum Teil nur um wenige Millimeter handelt. Im Wettbewerb tritt der Gran Turismo beispielsweise gegen einen Audi A7 oder Mercedes CLS an.

Highlight ist bei BMW immer der Kühlergrill mit seiner markanten Doppelniere. Serienmäßig gibt es LED-Leuchten, die eine Hexagon-Form aufweisen. Ferner ist ein Fernlicht-Assistent standardmäßig mit an Bord. Gegen Aufpreis kann man sich für adaptive LED entscheiden. Damit erhält man das sogenannte „Select Beam“, wodurch die Reichweite der Leuchten auf 500 Meter erweitert wird.

In der Länge misst der 6er GT gute 5,09 Meter und ist somit 15 cm länger als ein 5er und nur 1 cm kürzer als ein 7er mit kurzem Radstand und 25 cm kürzer als ein 7er mit langem Radstand. Besonders für das Seitenprofil ist beim BMW 6er GT das fallende Dach, während der untere Teil der Karosserie zum Heck leicht ansteigt. Dies dient auch dem Eindruck, dass der 6er GT recht sportlich erscheint. Die Felgen kommen serienmäßig mit 17 Zoll, die maximale Größe beträgt 20 Zoll (hier: 19 Zoll).

Die Breite beträgt 2,16 Meter, zum Vergleich liegt die Breite des BMW 5er bei 2,13 Meter (inkl. Außenspiegel). Die Rückleuchten beginnen, wie bei vielen Modellen von BMW, bereits im Seitenprofil und gehen dann ins Heck hinüber. Durch eine leichte Schwingung erscheinen diese recht dynamisch.

Im M-Sportpaket wirkt das Fahrzeug ein wenig kantiger und sportlicher. Im übrigen befindet sich am Heck ein kleiner Spoiler, der ab einer gewissen Geschwindigkeit automatisch ausfährt.

Interieur

Im Innenraum zeigt der BMW 6er GT eine sehr hochwertige Verarbeitung. Das Infotainmentsystem mit Touch ist gut ins Gesamtbild integriert. Es kann aber auch weiterhin, gerade während der Fahrt, über den Dreh-Drück-Controller in der unteren Mittelkonsole bedient werden. Eine Sprachsteuerung ist ebenfalls möglich, allerdings ist hier noch nicht das neuste BMW-Spracherkennungs-System installiert wie von 3er, 7er Facelift und 8er bekannt. Die Menüstruktur der Software ist hier im 6er auch noch etwas unübersichtlicher. Wireless Apple CarPlay und Wireless Charging oder ein Ambiente-Licht sind nette Zusatzoptionen. Weitere Optionen sind u. a. ein Head-Up-Display, welches direkt in die Windschutzscheibe projiziert wird, und eine Lenkradheizung.

Sehr enttäuscht sind wir von den verfügbaren Bezügen, denn für alle Ausstattungslinien gibt es leider ausschließlich Tierhaut. Die Konkurrenz rund um einen Audi A7 ist hier auch nicht besser aufgestellt als BMW. Mercedes bietet dagegen in der E-Klasse sowie im CLS Kunstleder sowie Stoff/Kunstleder und Alcantara/Kunstleder-Mischungen an. Und Tesla verwendet im Model S überhaupt keine Tierhaut mehr.

Die Sitzform dagegen ist komfortabel, wobei man wie in einer Limousine eher niedrig sitzt. Im Fond hat man mehr als genug Kopffreiheit, trotz des optionalen Panoramadaches. Überhaupt bietet der 6er die meiste Kopffreiheit unter den BMW-Fahrzeugen, die kein SUV sind. Zudem hat man hinten auch massig Beinfreiheit, das ist ein großer Unterschied gegenüber dem 5er. Hat man das Panoramadach gewählt, kann man als Fondpassagier also den Blick nach oben genießen, während man vor den Knien ordentlich Luft hat – super bequem und irgendwie offener und freizügiger, sogar schöner als im 7er, wo man trotz der Länge eher etwas klassisch nach hinten gelehnt sitzt.

Auch im Kofferraum hat man viel Platz, mehrere Bordtrolleys können problemlos transportiert und vor allen Dingen auch eingeladen werden, denn die Ladeöffnung ist groß und kombiartig und damit sehr praktisch. Allerdings öffnet die Heckklappe dabei sehr sehr hoch, d.h. in einer niedrigen Tiefgarage kann man sie nicht ganz öffnen. Über das Infotainment-System kann man die Öffnungshöhe allerdings beschränken. Schade: Einfach den Öffnungs-Knopf länger halten wie bei anderen Herstellern, um die Höhe zu fixieren, das geht bei BMW nicht. Die Rückbank lässt sich dazu in einem 40:20:40 Split umklappen. Besonders gut ist, dass die Sitze sich recht leicht wieder aufstellen lassen. Das Volumen beträgt 610 Liter bis 1.800 Liter mit umgeklappten Sitzen. Das gehört in der BMW-Modellpalette mit zu den Spitzenwerten.

Motoren

Als Benziner erhält man den BMW 6er GT ab 63.000 Euro, der kleine Diesel beginnt bei 61.000 Euro. Ein 640i startet bei 70.000 Euro. Neben der Basisversion gibt es auch die Luxury Line, die Sport Line und das M Sportpaket. Preislich liegt der 6er GT gut 10.000 Euro oberhalb des 5er und gut 20.000 Euro unterhalb des 7er.

Benziner
630i, 2,0 l 4-Zylinder mit 258 PS
640i, 3,0 l 6-Zylinder mit 340 PS, Allrad (optional) – 5,4 (5,3) Sek. 0-100 km/h

Diesel
620d, 2,0 l 4-Zylinder mit 190 PS
630d, 3,0 l 6-Zylinder mit 265 PS, Allrad (optional)
640d, 3,0 l 6-Zylinder mit 320 PS, Allrad

Alle Motoren kommen serienmäßig mit einem Automatikgetriebe. Optional kann man auf eine Sport-Automatik upgraden.

Fahrverhalten

Beim BMW 6er Gran Turismo merkt man direkt, dass es sich um einen BMW handelt, denn er bietet das typisch dynamische Handling, natürlich bei diesen Abmessungen und diesem Gewicht im Rahmen der Möglichkeiten. Im Sport-Modus ist die Lenkung dazu noch direkter und es macht durchaus Spaß, mit dem 6er GT durch Kurven zu fahren. Im Sport-Modus senkt sich das Fahrzeug bei gewählter optionaler Luftfederung um 10 mm nach unten und der Heckspoiler wird ausgefahren. Zudem dreht der Motor im Sport-Modus die Gänge höher aus. Genug Power hat der Motor angesichts der verfügbaren PS-Zahlen im getesteten 640i allemal. Bei ambitionierter Fahrweise bleibt der Liter-Verbrauch auf 100 km allerdings auch immer zweistellig. Fährt man dagegen sanfter oder mit Tempomat auf der Autobahn, sind durchaus auch 8 l / 100 km drin, das geht dann echt in Ordnung.

Die Luftfederung muss man übrigens nicht unbedingt haben, denn wie beim 5er ist diese beim 6er nur für die Hinterachse erhältlich, nur bei 7er, X5 und X7 gibt es die Luftfederung für beide Achsen.

Bei engeren Kurvenfahrten spürt man dann die Grenzen dieses Fahrzeugsegments, das Gewicht schiebt dann doch nach außen. Die Lenkung ist zudem im Bereich minus bis plus 3 Grad etwas schwammig, erst bei stärkerem Einschlag fühlt sich die Lenkung wieder gut an.

Die Übersicht nach vorne und zu den Seiten ist sehr gut. Einzig alleine zum Heck wird es ein wenig enger. Wenn man die optionale 360-Grad-Rundumsicht gewählt hat, so wird man damit kein Problem haben, dennoch hat die Bauform hier einen Nachteil.

Außengeräusche werden sehr gut absorbiert. Das ist vor allem sehr gut, falls man den GT vielleicht als Chauffeur-Fahrzeug nutzen möchte. Hierbei spielt dann auch die Hinterachse des 7er eine sehr wichtige Rolle, denn diese ermöglicht auf der Rückbank eine sehr angenehme und ruhige Fahrt. Generell kann man sagen, dass man im Komfort-Modus mehr als entspannt unterwegs ist.

Mit Blick auf die Assistenzsysteme sind die City-Notbremse und eine Müdigkeitserkennung serienmäßig mit an Bord. Gleiches gilt für den Parkassistenten, welcher auch eine Rückfahrkamera beinhaltet.

Abmessungen

Länge: 5,09 m
Breite: 2,16 m
Höhe: 1,54 m
Radstand: 2,64 m
Gewicht: 1.950 – 2.010 kg

Fazit: Der BMW 6er GT (Gran Turismo) ist im Design elegant, und durch die Bauform hat man hier einen guten Kompromiss aus Eleganz und Praktikabilität. Im Fond ist der 6er GT so bequem, dass wir ihn sogar dem 7er vorziehen würden. Nachbesserungsbedarf herrscht ferner bei nachhaltigen Sitzmaterialien. Abgesehen davon ist der Innenraum top verarbeitet. Der 6er GT macht durchaus Spaß, auch wenn Länge und Gewicht natürlich spürbar sind.

Autogefühl: ****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak