BMW X2 M35i Fahrbericht

Das kompakte SUV-Coupé BMW X2 kommt nun in der stärksten Ausführung BMW X2 M35i. Bei uns im ausführlichen Fahrbericht. Von Thomas Majchrzak





Während der BMW X1 bei gut 32.000 Euro losgeht, beginnt ein BMW X2 etwa 2.500 Euro darüber, wenn man dieselbe Motorisierung zugrunde legt. Der BMW X2 M35i steigt bei 55.000 Euro ein.

Exterieur

In der Front erhält man beim BMW X2 Halogen-Scheinwerfer als Standard oder optional Voll-LED-Leuchten (Serie für BMW X2 M35i). Die BMW Doppelniere zeigt beim X2 eine außergewöhnliche Trapezform, sozusagen „verkehrt“ herum bzw. genau anders als gewohnt. Damit erregt er ein wenig mehr Aufsehen. Außerdem zeigt der X2 im unteren Bereich große Lufteinlässe. Der BMW X2 bringt auch neue Außenfarben, wie Galvanic Gold, Sunset Orange oder Misano Blue (hier gezeigt). Im Seitenprofil zeigen die Radhäuser eine kantige Form und umgeben Reifen von 17 bis 20 Zoll. In den Ausstattungspaketen M Sport und M Sport X sowie beim BMW X2 M35i bekommt man direkt 19 Zoll. Basis sind die Radläufe in schwarzem Plastik gehalten wie von einem SUV/Crossover gewohnt. Bei M Sport sowie beim BMW X2 M35i sind diese Schützer in Wagenfarbe gehalten, bei M Sport X in Matt-Grau. Die Fensterlinie ist sehr schmal, so entsteht ein Coupé-Stil an der C-Säule. Am Heck gibt es für das M Sport Modell einen zusätzlichen Spoiler. Die LED-Rückleuchten sind horizontal gehalten, um dem Auto einen breiteren Eindruck zu geben. Besonders ist übrigens auch, dass beim BMW X2 das BMW-Logo auf jeder Fahrzeugseite einmal zu sehen ist. Vorne, hinten, seitlich hinten auf jeder Seite, vier Felgen, so ergeben sich insgesamt 8 BMW-Logos. Im Design orientiert sich der BMW X2 M35i also weitgehend an der M Sport Linie, etwa auch mit schwarzen Fensterrahmen. Beim X2 M35i sind Elemente wie Außenspiegelkappen und Kühlergrill-Umrandung in Cerium Grey gehalten. Technisch kommt eine 17-Zoll-Bremsanlage, ein Sportfahrwerk und ein mechanisches Vorderachse-Sperrdifferenzial hinzu.

Interieur

So schaut die Serienausstattung eines Basis-X2 aus:

– Fahrsicherheitssysteme:
Dynamische Stabilitäts Control (DSC)
Performance Control
Auffahrwarnung mit City-Anbremsfunktion – Aufmerksamkeitsassistent
Speed Limit Info
– 17″ Leichtmetallräder V-Speiche 560
– Polsterung Stoff Grid, Anthrazit
– Klimaanlage
– Halogenscheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht und automatischer Fahrlichtsteuerung
– Nebelscheinwerfer
– Heckleuchten in LED-Lichttechnik
– Regensensor
– AM/FM Radio mit 100 Watt Verstärker und 6 Lautsprechern
– 6,5″ Farbbildschirm inkl. iDrive Controller
– Freisprecheinrichtung mit USB-Schnittstelle

Der BMW X2 M35i enthält direkt mehr Serienausstattung, wie z.B. die erwähnten 19-Zoll-Felgen, LED-Scheinwerfer, die Design-Merkmale und innen Sportsitze.

Im Interieur erkennen wir viel Ähnlichkeit mit dem X1, allerdings finden sich mehr sportliche Elemente im Innenraum. Grundsätzlich ist das Interieur eher klassisch, dominierend ist die horizontale Spange entlang des Armaturenbretts, wie von anderen BMW-Modellen gewohnt thront darüber der große Breitbildformat-Screen. Die darunter liegenden Bedienelemente sind in einer Trapezform eingefasst. Das gesamte Interieur macht einen sehr hochwertigen Eindruck, lediglich die Klimaeinheit ist etwas lieblos geraten, etwa mit den Weichgummi-Umrandungen der Temperatur-Knöpfe.

Die Ausstattungsniveaus beim BMW X2 teilen sich generell auf in Basis, M Sport und M Sport X. Der M Sport X verbindet sportliche Merkmale mit einem Offroad-Look, das außergewöhnlichste Modell. Grundsätzlich kann man Exterieur und Interieur Pakete frei kombinieren bzw. auch vorausgewählte Optionen abwählen.

Für den BMW X2 gibt es neben den Basis-Stoffsitzen sehr attraktive Sportsitze mit einer Mischung aus Stoff und Alcantara als Oberfläche, die Mittelkonsole wird in Sensatec-Kunstleder verpackt. Gut gemacht, beim M Sport X Paket kommen die Sitze mit Kontrastnähten in Gelb. Bei M Sport (ohne X) sind die Kontrastnähte der Sportsitze blau. Die Sportsitze bieten grundsätzlich mehr Seitenhalt. Die Basis-Sitze sehen übrigens auch gut aus, sind etwas offener und kommen rein mit Stoffbezug. Über dem Sportsitz mit Stoff/Alcantara, der auch Basis für den X2 M35i ist, steht ferner ein M Sport-Sitz mit integrierten Kopfstützen zur Verfügung, der nochmals etwas sportlicher ausgeprägt ist. Entgegen mancher anderer Fahrzeuge finden wir, dass der optionale Sportsitz hier sehr komfortabel ist, vielleicht sogar etwas komfortabler als der normale Sportsitz. In der Tat sieht dieses Interieur wirklich klasse aus und wagt mehr Design und Farben. Das Design- und Materialschema wird übrigens auch auf die Rückbank übertragen. Was die Konnektivität angeht, stehen Bluetooth-Verbindung und Apple Carplay (Wireless) zur Verfügung.

Was sind die Nachteile des BMW X2? Nun, er bietet etwas weniger Kopffreiheit für die hinteren Passagiere als der X1, das liegt am sportlichen Styling. Aber trotzdem ist der Kopfraum, zumindest wenn man auf das Panoramadach verzichtet, mehr als ausreichend. Selbst über 1,90 m Körpergröße passt vorne und hinten noch. Ein Nachteil gegenüber dem X1: Dort kann man die Rückbank vom Kofferraum aus mit Hebeln umklappen und auch die komplette Sitzbank in der Länge nach vorne und hinten verschieben. Das fehlt hier. Trotzdem gibt es auch im BMW X2 genügend Beinfreiheit, so dass man sehr entspannt mit vier Erwachsenen fahren kann. Im Fond ergibt sich übrigens ein kleiner Unterschied, je nachdem, ob man den normalen Sportsitz oder den optionalen Sportsitz mit integrierter Kopfstütze hat. Die optionalen Sportsitze sind es dicker und verkleinern daher etwas die Beinfreiheit im Fond, die aber immer noch ausreichend vorhanden ist. Zudem haben die optionalen Sportsitze einen weichen Rücken zum Fond hin, so dass man sich die Knie nicht stoßen kann. Das Design führt also nicht dazu, dass der X2 nicht mehr praktisch nutzbar ist. Zudem kann man die Lehnen der Rückbank in der Neigung verstellen, so kann man auch im Fond sehr aufrecht und komfortabel sitzen. Der Kofferraum umfasst 470 Liter Volumen und ist ebenfalls gut nutzbar, auch wenn man hier ein paar Abstriche gegenüber dem X1 machen muss.

Motoren

sDrive: Vorderradantrieb
xDrive: Allrad

Die Motorenauswahl sieht so aus wie im BMW X1 (nicht alle Motoren sind ab Marktstart verfügbar)

sDrive 18i 1,5 l 3-Zylinder-Benziner mit 140 PS
sDrive 20i 2,0 l 4-Zylinder-Benziner mit 192 PS
xDrive 20i 2,0 l 4-Zylinder-Benziner mit 192 PS
xDrive 25i 2,0 l 4-Zylinder-Benziner mit 231 PS
xDrive M35i 2,0 l 4-Zylinder-Benziner mit 306 PS

sDrive18d 2,0 l 4-Zylinder-Diesel mit 150 PS
xDrive18d 2,0 l 4-Zylinder-Diesel mit 150 PS
xDrive20d 2,0 l 4-Zylinder-Diesel mit 190 PS
xDrive25d 2,0 l 4-Zylinder-Diesel mit 231 PS

Fahrverhalten

Bei den Fahrwerken stehen neben den Basisfedern das M-Sportfahrwerk zur Verfügung sowie das adaptive Sportfahrwerk. Beide legen das Fahrzeug um 10 mm tiefer. Das M-Sportfahrwerk kommt direkt mit M Sport oder M Sport X, man kann aber auch beim Basis-Fahrwerk bleiben oder die Top-Variante nehmen. Denn bei der optionalen dynamischen Dämpferregelung vergrößert sich die Spreizung zwischen Komfort und Sport auf Knopfdruck.

Wir sind in einem ersten Test den Diesel BMW X2 xDrive 20d mit 190 PS, Allradantrieb und Automatik gefahren. Der Diesel ist ruhig, aber durchzugsstark, in jeder Situation. Mit den Fahrmodi kann man die Gasannahme bestimmen, Eco, Comfort oder Sport. Im Sport-Modus werden die Gänge höher ausgedreht.

In Verbindung mit dem getesteten sportlichen M-Fahrwerk ergibt sich ein weniger SUV-typisches, sondern ein sehr sportliches Fahrgefühl. Allerdings wird der Komfort eingeschränkt. Wer es richtig straff mag, in Ordnung. Alle anderen sollten unbedingt vom M Sport Fahrwerk absehen und bei der Basisversion bleiben – oder das adaptive Fahrwerk wählen, damit man zwischen Komfort und Sport wählen kann. Dieses geht aber natürlich wieder ins Geld.

Nun beim BMW X2 M35i fahren wir den spritzigen 2,0 l Benziner mit 306 PS. In Verbindung mit dem noch durchaus leichten Fahrzeug wird der BMW X2 eher zum Hot Hatch – oder Hot Crossover? Zudem macht sich die Sportlichkeit hier noch stärker bemerkbar. Aber auch hier raten wir eindeutig zum Upgrade für das adaptive Fahrwerk. Und das können wir dieses Mal testen. Es bietet in der Tat eine gute Mischung aus Komfort und Sportlichkeit, und beim Fahrmodus-Schalter ändert sich jeweils auch die Fahrwerkscharakteristik.

In jedem Fall tut die direkte Lenkung mit dem Fahrfreude versprühenden M-Sportlenkrad ihr Übriges. Der X2 vermittelt noch mehr als der X1 ein Crossover-Gefühl. Man fährt also kein hochbeiniges SUV, sondern eher einen sportlichen Crossover. Wer also gerne SUV und Sportlichkeit verbindet, wird sich freuen. Die Lenkung ist vielleicht die beste derzeit in einem BMW überhaupt, es gibt keinen „toten Bereich“, jede kleine Bewegung vermittelt ein Gefühl zur Straße.

Die Assistenzsysteme funktionieren wie von BMW gewohnt perfekt, auch das optionale Head-up-Display ist klar und deutlich und hilft dabei, den Blick dauerhaft auf der Straße zu lassen. Auch die Rundumsicht im Straßenverkehr ist gegeben, lediglich leicht eingeschränkt von der ansteigenden Designlinie nach hinten und der doch etwas breiten A-Säule (von der Innensicht aus). Leider gibt es für X1 und X2 noch keinen Toten-Winkel-Warner, das ist echt ein Manko! Der aktive Lenkassistent funktioniert nur bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h.

Der BMW X2 fühlt sich in allen Einsatzgebieten wohl, klein genug für die Stadt, sportlich und kraftvoll genug für die Landstraße, souverän genug für die Autobahn. Und der M35i hat Kraft in allen Leistungslagen, lässt einen Sechszylinder nicht vermissen.

Abmessungen

Länge: 4,36 m
Breite: 1,82 m
Höhe: 1,52 m
Radstand: 2,67 m
Leergewicht: 1.535 – 1.675 kg

Fazit: Der BMW X2 zeigt ein extravagantes Äußeres, mehr Mut im Interieur und außen wie innen viele attraktive Möglichkeiten der Ausgestaltung. Er ist optisch wie fahrwerkstechnisch sportlicher orientiert als ein BMW X1, einziger Nachteil ist ein leichter Verlust an Flexibilität in Fond und Kofferraum. Trotzdem bleibt das Platzangebot auf hohem Niveau. Die Verarbeitung ist ausgezeichnet und die Serienausstattung für einen Premium-Hersteller umfangreich. Teuer wird es trotzdem, ein top ausgestatteter X2 kommt locker mal auf 50.000 Euro oder mehr. Dasselbe gilt für den BMW X2 M35i, der viel Freude macht, aber auch ins Geld geht. Lenkung, (optional) adaptives Fahrwerk sowie die Leistung sind erstklassig, zudem gibt es ein breites Angebot an hochwertigen, sportlichen Sitzen mit guten Materialien. Der BMW X2 M35i zählt damit zu unseren Favoriten im Hot Hatch Segment, auch oder vielleicht gerade weil er ein Hot Crossover ist.

Autogefühl: *****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos & Video: Autogefühl, Thomas Blachetzki