Mitsubishi L200 Testbericht

Mitsubishi L200, Foto: Mitsubishi

In Zeiten komfortabler SUVs, die vorwiegend für die Straße genutzt werden, ist es ein Statement, einen Pickup wie den Mitsubishi L200 zu fahren, der noch echte Offroad-Fähigkeiten besitzt und mit dem man auch als Hobby-Lumberjack seine halben Bäume auf der offenen Ladefläche transportieren kann. Oder mal ein Crossmotorrad. Notfalls auch nur den Rasenschnitt vom Vorgarten. Doch der Mitsubishi L200 ist mehr als nur ein Arbeitstier. Von Thomas Majchrzak

Das dachte sich auch Mitsubishi und hat zum 20-jährigen Deutschlandjubiläum des Mitsubishi L200 die “Edition 20” herausgebracht, die mit dem 2,5 Liter Diesel und Doppelkabine 32.490 Euro Liste kostet und einen Preisvorteil von 2.000 Euro bieten soll. Mit im Paket: Ledersitze, Sitzheizung und ein elektrisch einstellbarer Fahrersitz. Dadurch wird der Mitsubishi L200 dann zum komfortablen Geländewagen à la US-amerikanischen Vorbild.

Mitsubishi L200 offroad, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi L200 offroad, Foto: Mitsubishi

Der Mitsubishi L200 macht zunächst eine imposante Erscheinung, insbesondere als Doppelkabine: Durch die geschwungene Linie, die die hinteren Türen von der Ladefläche abgrenzt, hat er ein Design-Alleinstellungsmerkmal. Weiter unterstrichen übrigens dadurch, wenn man sich als Hardtop auf die Ladefläche ein „Sport-Back“ setzt.

Mitsubishi L200 offroad, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi L200 offroad, Foto: Mitsubishi

Gut 5,20 Meter lang ist der Mitsubishi L200 als Doppelkabine, eine echte Größe auf der Straße. Einparken will gelernt sein. Nur im Wald ist einparken eben nicht so wichtig. Zu empfehlen ist auf jeden Fall eine Rückfahrkamera.

Mitsubishi L200 Cockpit, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi L200 Cockpit, Foto: Mitsubishi

Auf der Straße muss einem bewusst sein: Das ist kein normaler Pkw. Sitzposition, Ausblick nach vorn und nach hinten, Motorgeräusch und die Vibrationen des Diesels erinnern eher an einen Lkw, und laut Zulassung ist er ja auch einer. Einen großen Unterschied beim Geräuschpegel macht dabei das elektrische Heckfenster: Selbst, wenn man mit einem Aufbau auf der Ladefläche fährt, reduziert das Fenster doch ungemein die Außengeräusche, wenn es geschlossen ist.

Mitsubishi L200 Cockpit, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi L200 Cockpit, Foto: Mitsubishi

Ansonsten ist der Mitsubishi L200 mit einer hohen Ausstattung ein durchaus reisetaugliches Gefährt: Die aufrechte Sitzposition macht auch längere Trips angenehm, auch die Passagiere haben genügend Platz zu allen Himmelsrichtungen. In der Top-Ausstattung gibt es ferner eine zweistufige Sitzheizung, die auch sibirische Temperaturen erträglich macht. Auf der höheren Stufe heizt sie ordentlich ein, genau so soll es sein.

Mitsubishi L200 Cockpit, Foto: Mitsubishi

Mitsubishi L200 Cockpit, Foto: Mitsubishi

Es hat schon ein besonderes Autogefühl, einen echten Truck zu fahren, wie die Amis die hierzulande als Pickups laufende Fahrzeuggattung bezeichnen. Es fühlt sich so an, als reitet man ein hohes Ross, mit dem man notfalls über alles drüberspringen könnte, inklusive der an der Ampel vor einem wartenden Kleinwagen.

In engen Kurven hat der Mitsubishi L200 dagegen das Nachsehen, das Lenkrad möchte viel gekurbelt werden, benötigt ungefähr eine komplette Umdrehung mehr als bei einem neuen Pkw mit Servolenkung oder gar Progressiv-Lenkung (zunehmender Lenkeinschlag). Das ist eigentlich das, was dem Fahren des L200 im Alltag fehlt. Ansonsten muss man eben mit den Abmessungen zurechtkommen.

Schwebt auch hier im Wald: der L200. Foto: Mitsubishi

Schwebt auch hier im Wald: der L200. Foto: Mitsubishi

Über Straßen und Autobahn schwebt der Mitsubishi L200 dank seiner immensen Federwege, er schaukelt ein wenig nach, das ist wirklich ein witziges Fahrgefühl. Irgendwie macht es einfach Spaß. Doch sobald der ein oder andere Kreisverkehr bezwungen werden muss, wünscht man sich etwas mehr Agilität und eben die direktere Lenkung.

Kann auch elegant: Mitsubishi L200, Foto: Mitsubishi

Kann auch elegant: Mitsubishi L200, Foto: Mitsubishi

Es gab Zeiten, in denen der L200 der Pickup schlechthin in Deutschland war, mittlerweile hat er seine Marktführung jedoch eingebüßt. Auch bei Mitsubishi selbst dominieren Outlander und ASX die Zulassungszahlen. Doch mit dem Anbieten eines Pickups, der immerhin noch gut 1.000 Neuzulassungen pro Jahr hat, bleibt eine größere Kundengruppe erhalten. Diejenigen, die sich eben in Zeiten der Weichspüler-SUVs noch abzeichnen möchten oder die tatsächlich die Ladefläche für grobe Arbeiten und Transporte benötigen. Die maximale Zuladung: bis zu eine Tonne, dazu eine Anhängelast von 2,7 Tonnen – ein richtiger Lastesel.

In den drei Versionen Einzelkabine, Club Cab (2+2) und Doppelkabine variieren die Ladeflächen von 2,22 über 1,80 bis 1,50 Meter. Den 2,5 Liter Diesel gibt es mit 136 PS oder 178 PS.

Immer genügend Bodenfreiheit: Mitsubishi L200, Foto: Mitsubishi

Immer genügend Bodenfreiheit: Mitsubishi L200, Foto: Mitsubishi

Während die Basisversion als Einzelkabine bei 24.290 Euro beginnt, geht es mit dem Club Cab ab 26.990 Euro und mit der Doppelkabine ab 26.290 Euro los. Die Einzelkabine gibt es nur in Basis-Ausstattung “Inform”, das Club Cab in den zwei höheren Ausstattungen, die Doppelkabine in allen Varianten “Inform”, “Invite” und “Intense”. Letztere bietet eine Leder-Ausstattung, 6 Lautsprecher, USB-Schnittstelle, Bluetooth und so einiges mehr, die einen Gelände-Pickup wie besprochen schon fast zum angenehmen Reise-SUV machen können.

Allrad-König der Pickups: Mitsubishi L200, Foto: Mitsubishi

Allrad-König der Pickups: Mitsubishi L200, Foto: Mitsubishi

Im normalen Allrad-Fahrmodus ist die Antriebs-Verteilung ein Drittel vorne/zwei Drittel hinten, wobei eine maximale Verteilung von 50/50 möglich ist. Die Offroad-Kompetenz wird ferner durch ein sperrbares Hinterachs- und auch ein Zentraldifferenzial unterstrichen. Ganz klassisch gibt es hier noch einen separaten Offroad-Schalthebel, der den Wechsel ermöglicht von 2H (= nur Hinterradantrieb) über 4H (= Allrad) hin zu 4HLc (= Allrad mit Zentraldifferenzialsperre) und 4LLc (= mit zusätzlicher Geländeuntersetzung). Das Hinterachsdifferenzial wird per Schalter links vom Lenkrad gesperrt. Die Offroad-Gänge lassen sich teilweise während der Fahrt einlegen (2H zu 4H und zurück), wenn zentral gesperrt werden soll oder gar die Geländeuntersetzung dazu kommt, muss man anhalten. Was im Gelände nicht das größte Problem sein sollte.

Allrad-König der Pickups: Mitsubishi L200, Foto: Mitsubishi

Allrad-König der Pickups: Mitsubishi L200, Foto: Mitsubishi

Fazit: Der Mitsubishi L200 gibt einem das Gefühl, überall hinfahren zu können – und überall drüber. Er bietet ein Design-Alleinstellungsmerkmal und fällt gerne im Straßenverkehr auf. Wer moderne Pkw-Technik will und ein leicht zu rangierendes Gefährt, der liegt sicher falsch. Doch wer häufiger mal zum Holzholen in den Wald fährt, das Rustikale an einem Fahrzeug schätzt und sich frei auf seiner Ranch entfalten möchte, der liegt genau richtig.

Autogefühl: ***

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Foto: Mitsubishi

Weitere Fahrberichte:
1300ccm


Category: Product #: Regular price:$ (Sale ends ) Available from: Condition: Good ! Order now!

2 Responses to Mitsubishi L200 Testbericht

  1. […] Disposition steht, hat der Mitsubishi L200 das Zeug zum Nachfolger. Denn der L200 ist anders als Thomas von Autogefühl schreibt, nicht nur etwas für […]

  2. […] Wer sich übrigens kurz noch einmal über die alte Version schlau machen will, findet die Vorgänger-Generation hier. […]

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir zur Optimierung Ihres Lesegenusses Cookies verwenden. mehr

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir zur Optimierung Ihres Lesegenusses Cookies verwenden. Aus rechtlichen Gründen müssen wir Sie an dieser Stelle darauf hinweisen. Mehr Details gibt es auch in unseren Datenschutzbestimmungen: http://www.autogefuehl.de/impressum/datenschutzerklarung/

Schließen