VW Touareg Testbericht 3,0 l TDI 204 PS

VW Touareg, Foto: VW

Der VW Touareg zählt zu den bekanntesten großen SUVs, nicht zuletzt wegen der drei Dakar-Erfolge von 2009 bis 2011. So ist er in Deutschland auch der Verkaufsrenner unter den Full-Size-SUVs, dicht gefolgt von der Mercedes M-Klasse. Wir wollten wissen, ob der Touareg noch immer die Faszination bietet, die von seinem Namen ausgeht – und wie er im Vergleich zu der konzerninternen Konkurrenz von Audi und Porsche darsteht. Von Thomas Majchrzak

Während die Zulassungszahlen für Kompakt-SUVs immer weiter steigen, etwa für den kleinen Bruder VW Tiguan, haben die großen SUVs zu kämpfen: Sie sind von den Neuzulassungen fast alle leicht rückläufig, das gilt auch für die VW-Konzern-Schwestern VW Touareg, Audi Q7 und Porsche Cayenne.

VW Touareg in Dresden, Foto: VW

VW Touareg in Dresden, Foto: VW

Zwar zählt der Touareg nicht zu den Bestsellern bei Volkswagen, aber verkauft sich immerhin gut dreimal so häufig wie ein Scirocco, und ist Platzhirsch unter den Konzern-Full-Size-SUVs: Mit 9.000 verkauften Einheiten im Jahr 2013 schloss er zwar mit 1.000 weniger als im Vorjahr ab, aber immer noch vor Porsche Cayenne (7.000 im vergangenen Jahr) und Audi Q7 (3.300 Stück).

Volkswagen Touareg Offroad-Einsatz, Foto: VW

Volkswagen Touareg Offroad-Einsatz, Foto: VW

Der erste Touareg kam 2002 auf den Markt, er wurde zusammen mit Porsche entwickelt und bildet somit auch seit jeher die Basis für Porsche Cayenne (zeitgleich erschienen) und Audi Q7 (seit 2005). Die erste Generation lief bis 2010, im April 2010 wurde dann die zweite Generation des VW Touareg eingeführt.

Volkswagen Touareg V6 TDI BlueMotion Technology mit 176 kW 240 PS mit Terrain Tech Paket, Foto: VW

Volkswagen Touareg V6 TDI BlueMotion Technology mit 176 kW 240 PS mit Terrain Tech Paket, Foto: VW

Basispreise Full-Size-SUVs Volkswagen-Konzern

Touareg 50.850 Euro
Q7 52.700 Euro
Cayenne 59.358 Euro

Dabei hält sich der Preisunterschied zwischen VW und Audi offensichtlich in Grenzen.

Russtralia In Weltrekord-Zeit von Melbourne nach St Petersburg im Volkswagen Touareg, Foto: VW

Russtralia In Weltrekord-Zeit von Melbourne nach St Petersburg im Volkswagen Touareg, Foto: VW

Vielleicht profitiert der VW Touareg noch von seiner ruhmreichen Rallye-Historie. Bereits beim ersten Start bei der Rallye-Dakar im Jahr 2004 gelangen dem Race Touareg die ersten Etappensiege – darunter auch mit der Kölner Rallye-Legende Jutta Kleinschmidt.

Rainer Zietlow im Touareg V6 TDI mit neuem Streckenrekord auf der beruehmten Carretera Panamericana, Foto: VW

Rainer Zietlow im Touareg V6 TDI mit neuem Streckenrekord auf der beruehmten Carretera Panamericana, Foto: VW

Nähern wir uns der Faszination des VW Touareg persönlich: Wenn man diesen Wagenschlüssel sieht, ahnt man schon, dass ein besonderes Auto dahinter steckt: Bullig ist der Schlüssel und mit Chrom und schwarzem Hochglanz umgeben.

Außen wirkt der Touareg trotz seiner Größe dezent und nicht zu bullig, eher unauffällig. Dazu trägt auch die Ähnlichkeit zum VW Tiguan bei. Außerdem ist der Touareg der kürzeste der drei Konzern-Riesen-SUVs (4.79 m Länge im Vergleich zu 4.84 m beim Cayenne und 5,08 m beim Q7).

Von innen ist es ein Auto, bei dem man sofort sagt: Wow! In unserem Testwagen ist eine helle Lederausstattung verbaut, die wunderbar zum hellen Dachhimmel korrespondiert. Das Armaturenbrett ist zwar aus Plastik, aber braun eingefärbt, so dass es beinahe wie Leder aussieht und insgesamt die nette Komposition ergänzt. Dennoch sollte es in dieser Preisklasse schon etwas anderes als Plastik auf dem Armaturenbrett sein.

Volkswagen Touareg Interieur, Foto: VW

Volkswagen Touareg Interieur, Foto: VW

Die Sitzposition ist überragend: Hoch, aufrecht, angenehm. Und man kann die Sitze natürlich in alle Himmelsrichtungen verstellen, dasselbe gilt für die Lordosenstütze. Selbst Fahrer, die gewöhnlich nicht viel mit einer Lordosenstütze anfangen können, haben hier die Möglichkeit, diese so fein einzustellen, dass sie wohltuend wirkt. Auch das Lenkrad lässt sich elektrisch einstellen, ein Komfort- und Sicherheitsplus. So kann man auch gut während der Fahrt noch mal ein kleines Stückchen höher oder niedriger stellen.

VW Touareg Sitze, Foto: VW

VW Touareg Sitze, Foto: VW

Im VW Touareg ist es auch ein Genuss, hinten zu sitzen. Die Fondpassagiere haben massig Beinfreiheit und sitzen ebenfalls aufrecht, so dass lange Strecken kein Problem sind. Hier sitzt man hinten deutlich besser als in der besten Luxus-Limousine, ganz einfach wegen der Sitzhaltung. Der Fußboden steigt zudem leicht vorne an, so dass die Füße leicht nach hinten gekippt werden – das trägt zu einer entspannten Haltung bei, man erinnere sich an Fußstützen im Reisebus.

Volkswagen Touareg Interieur, Foto: VW

Volkswagen Touareg Interieur, Foto: VW

Auch im Laderaum warten clevere Lösungen: Läuft der Motor, so kann man über Knöpfe am Ende des Laderaums das Ladeniveau senken oder erhöhen. Ebenfalls nur ein Knopfdruck und die Sitzreihen klappen nach vorne, aufgeteilt in ein Drittel – zwei Drittel. Auch von der Seite kann man per Hebel die hinteren Sitze umklappen lassen.

Volkswagen Touareg Laderaum, Foto: VW

Volkswagen Touareg Laderaum, Foto: VW

Volkswagen Touareg Laderaum: Per Knopfdruck die Sitze umklappen lassen, Foto: VW

Volkswagen Touareg Laderaum: Per Knopfdruck die Sitze umklappen lassen, Foto: VW

Teure Extra-Ausstattungen

Und jetzt kommen wir zum Haken: Während der VW Touareg basismäßig mit 3 Liter TDI und 204 PS bei 50.850 Euro anfängt, lässt sich Volkswagen jedes weitere Extra teuer bezahlen. 4.605 Euro kostet zum Beispiel die Lederaussstattung, 2.700 Euro die Luftfederung und 1.190 das Rückfahrkamera-Paket mit “Area View” – dies ermöglicht auch eine fingierte Draufsicht des Fahrzeugs. Das Panorama-Schiebedach schlägt mit 1.510 Euro zu Buche. Das beheizbare Lenkrad gibt es für 390 Euro – und für dieses fehlt leider eine separate Taste, aktivieren kann man die Lenkradheizung im VW Touareg nur über den Touchscreen. Und das ist natürlich wieder so ein Feature, das man in den kalten Monaten sehr genießen kann.

Allgemein kann durch die Extras die Hälfte des Fahrzeugpreises spielend noch mal oben drauf kommen. Immerhin gibt es serienmäßig die 8-Gang-Automatik, Tempomat, Klimatronic mit 2-Zonen-Regelung, Allrad und Regensensor.

Volkswagen Touareg R-Line, Foto: VW

Volkswagen Touareg R-Line, Foto: VW

Volkswagen Touareg R-Line, Foto: VW

Volkswagen Touareg R-Line, Foto: VW

VW Touareg Motorenübersicht

Vom Touareg werden fast nur Diesel verkauft, 2013 gingen nur knapp 160 als Benziner oder Benzin-Hybrid raus. Daher ist der reine Benziner im Frühjahr 2013 auch weggefallen. Folgende Motoren sind verfügbar:

Touareg V6 TDI BlueMotion mit 204 PS oder 245 PS
Ab 50.850 Euro
Angegebener Verbrauch: 7 l / 100 km
Testverbrauch: 9,8 l / 100 km

Touareg 4,2 l V8 TDI mit 340 PS
Ab 74.550 Euro
Angegebener Verbrauch: 9,1 l / 100 km

Touareg V6 TSI Hybrid mit 333 PS
Ab 77.350 Euro
Angegebener Verbrauch: 8,2 l / 100 km

VW Touareg V6 TDI BlueMotion Technology mit 176 kW 240 PS, Foto: VW

VW Touareg V6 TDI BlueMotion Technology mit 176 kW 240 PS, Foto: VW

Wir sind mit dem sparsamsten und kleinsten Motor unterwegs, dem 204 PS Diesel. Mehr braucht man auch tatsächlich nicht, trotz des Gewichts von deutlich über 2 Tonnen bewegt der durchzugsstarke Diesel den Koloss unaufgeregt über jedes Terrain, ohne dabei jemals zu lahm zu wirken.

Außerdem muss man angesichts des Gewichts auch ein wenig auf den Verbrauch achten, der Testverbrauch liegt fast 3 Liter über dem angegebenen Wert. Das ist leider etwas zu viel. Der Wert entstand übrigens bei moderater Fahrweise, denn in der Tat verleitet der VW Touareg wegen seiner Souveränität zu einem lässigen Fahren. Wenn man entspannt und zufrieden im großen Touareg unterwegs ist, verspürt man nicht den Drang, richtig aufs Gas zu gehen.

VW Touareg Abmessungen

Länge: 4.795 mm
Breite: 1.940 mm
Höhe: 1.709 mm
Radstand: 2.893 mm
Leergewicht: 2.103 – 2.315 kg

Volkswagen Touareg R-Line, Foto: VW

Volkswagen Touareg R-Line, Foto: VW

Am allerwichtigsten bleibt das Autogefühl. Und das ist beim VW Touareg unschlagbar. Es ist ein Auto, in dem man lieber sitzt als auf der Couch. Ein Auto, in dem man entspannter ankommt, als man sich vor Fahrtantritt gefühlt hat. In der Ausstattungs-Verbindung von Lederkomfortsitzen und Luftfederung zählt der VW Touareg zu den bequemsten und komfortabelsten Autos der Welt – und lässt für Front- und Fondpassagiere locker die Luxuslimousinen hinter sich.

Ab Herbst 2014 wird übrigens ein Facelift erhältlich sein. Außen und innen gibt es dann leichte optische Veränderungen, zudem werden die Motoren alle auf Euro-6-Norm gebracht.
Hier die Präsentation des Facelifts in Peking:

Fazit: Der Volkswagen Touareg bietet viel Platz und Größe für alles, was man so vor hat – und einen unnachahmlichen Komfort. Mehr Bequemlichkeit geht nicht. Dabei ist er dezenter als ein Audi Q7, zeigt Understatement im Vergleich zu einem Porsche Cayenne und punktet mit Qualität und Verarbeitung gegenüber Importen wie dem Jeep Grand Cherokee. Einzige Abstriche muss man beim zu hohen Verbrauch machen. Ansonsten kann man nur schlussfolgern: Ein Auto, das man einmal fährt und nie wieder hergeben möchte.

Autogefühl: *****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak


4 Responses to VW Touareg Testbericht 3,0 l TDI 204 PS

  1. Chris says:

    König der Straßen trifft es gut. Ich durfte den auch schon Probefahren und man sitzt sehr gut und “erhoben”. Die Innenausstattung ist sehr elegant gehalten und mit seinen 204 PS zieht er auch ordentlich und man kommt gut von der Stelle. Darüber hinaus hat man ordentlich Platz und kann unbedenklich Urlaub machen.

    Pro vor allem ist, dass er nicht nach Familienkutsche aussieht, aber eine sein kann.

    Insgesamt ist es ein sehr schönes Auto.

    Danke für den sehr guten Testbericht.
    Lg Chris

  2. […] bisherige Version hatten wir im Fahrbericht mit dem 3 Diesel bereits ausführlich beleuchtet. Der VW Touareg macht einen hochwertigen und reifen Eindruck, mit […]

  3. […] trotzdem noch als günstigere Einstiegsversion angeboten, diese bisherige Version hatten wir im Fahrbericht mit dem 3 Diesel bereits ausführlich beleuchtet. Ein neuer Katalysator soll nun gefährliche Stickoxide weiter […]

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