Mercedes V-Klasse & Marco Polo Fahrbericht Facelift 2019

Die Mercedes V-Klasse erhält ein Facelift mit kleinen Updates an Exterieur und Interieur sowie neuen Motoren. Die Änderungen gelten auch für die Reise-Variante Mercedes Marco Polo. Wir sind die aktuelle V-Klasse & den Marco Polo mit dem neuen 300d gefahren. Von Thomas Majchrzak





Exterieur

Für einen etwas moderneren Look erhält die V-Klasse mit dem Facelift neue Stoßfänger und einen neuen Kühlergrill. Die Design-Linien heißen Avantgarde und Exclusive. Auch für die V-Klasse steht eine AMG-Line zur Verfügung, die nun Diamant-Pins im Kühlergrill trägt. Zum Facelift gibt es nun vier neue Farben sowie neue Felgen, in den Größen 17 bis 19 Zoll. Die Längen bleiben unverändert bei 4,89 m, 5,14 m und 5,37 m (langer Radstand).

Interieur

kurz/kompakt

mittlere Länge/lang

extra lang

Im Interieur gibt es neue Dekor-Elemente sowie neue Lüftungsdüsen in Turbinenoptik. Bei den Inlets kann man nun wählen zwischen Klavierlack, Holz, Carbon und gebürstetem Aluminium. Das neue Luxus-Feature sind Komfort-Sitze für die erste Reihe der Fond-Sitze mit Funktionen für Massage, Klimatisierung und erweiterter Rückenlehnenverstellung, man kann sich also sozusagen einen Liegesitz machen. Basis sind weiterhin attraktive Stoffsitze, optional stehen Tierhautbezüge zur Verfügung. Die V-Klasse ist im Innenraum funktional bestückbar, die Standard Konfiguration sind 2x 2 Einzelsitze, man kann aber für beide hinteren Sitzreihen auch durchgehende Sitzbänke bestellen. Leider gibt es kein Update für das Infotainment-System, d.h. Apple CarPlay und Android Auto fehlen weiterhin.

Der Mercedes Marco Polo erhält ebenfalls alle Eigenschaften des Facelifts. Der Marco Polo kommt immer direkt mit Hochstelldach mit integriertem Bett sowie einer Küchenzeile. Wenn man die Fondsitze nach hinten klappt, kann man zusammen mit dem Hochdach-Bett mit vier Erwachsenen im Marco Polo schlafen. Als Marco Polo Horizon oder Activity erhält man nur das Ausstelldach, aber nicht die Küche. Die Küchenzeile kommt mit praktischen Ablagen, die während der Fahrt gesichert sind. Der Frischwassertank fasst 38 l, am Heck kann man sogar eine Dusche anschließen. Das Hochstelldach des Marco Polo kann man entweder manuell entriegeln und hochdrücken oder als elektrische Variante bestellen.

Motoren

2,0 l Vierzylinder Diesel
V220d 163 PS
V250d 190 PS
V300d 239 PS (500 NM) – 7,9 Sek. 0-100 km/h
Die Diesel kommen mit der neuen 9G-Tronic-Automatik.
Heckantrieb ist jeweils Standard, optional steht Allrad zur Verfügung.

Das ist derselbe Dieselmotor, der auch bei der Mercedes E-Klasse zum Einsatz kommt und in realen Abgastests sehr gut abgeschnitten hat.

Gebaut wird die Mercedes V-Klasse in Spanien sowie lokal in China für den dortigen Vertrieb.

Für 2020/2021 stellt Mercedes eine elektrische Variante der V-Klasse in Aussicht, für den Transporter Vito gibt es diese bereits.

Fahrverhalten

Das Fahren ändert sich in den Grundzügen natürlich mit dem Facelift nicht, allerdings stellt Mercedes Verbrauchseinsparungen bei den aktualisierten Motoren in Aussicht, in einer Größenordnung von gut 15 Prozent. Wir testen dazu den neuen 300d, den wir mit gemäßigter Fahrweise tatsächlich auf gut 8 l / 100 km bringen können. Das geht in Ordnung. Hat man mehr Stadtverkehr dabei oder drückt mehr auf die Tube, dann wird der Verbrauch aber schnell zweistellig. Der neue Motor überzeugt zudem mit Durchzugskraft, ermöglicht also auch noch bei Beladung eine nennenswerte Beschleunigung auf der Autobahn.

Etwas getan hat sich bei den Assistenzsystemen: Weiterhin serienmäßig ist der Seitenwind-Assistent, optional gibt es nun eine Autonome Notbrems-Funktion, die entweder einzeln oder im Paket mit dem adaptiven Tempomaten bestellt werden kann. Leider ist die AEB nicht Serie.

Bei den Fahrwerken wählt man zwischen Komfort/Standard, Sport und der adaptiven Federung Agility Control. Das adaptive Fahrwerk testen wir und befinden es für sehr komfortabel. Es gleicht Bodenwellen und Schlaglöcher sehr gut aus, ohne dass es zu weich wäre und beim Lenken aufschaukeln würde.

Beim Test in Serpentinenstraßen gibt sich die Mercedes V-Klasse erstaunlich „sportlich“, d.h. es macht durchaus noch Laune, das Fahrzeug zu bewegen, auch wenn es nicht nur geradeaus geht. Und das testen wir mit der mittleren Länge (5,14 m).

Der Marco Polo wiegt etwas über 200 kg mehr als eine Basis-V-Klasse, das merkt man durchaus, wenn man die beiden Fahrzeuge direkt hintereinander fährt. Ansonsten bleiben die Unterschiede von Marco Polo und V-Klasse im Fahrverhalten überschaubar. Der Stoff vom Aufstelldach macht sich geräuschmäßig etwas bemerkbar, wenn man über Fahrbahnunebenheiten fährt.

Generell ist aber auffällig, dass die V-Klasse leiser ist als alle anderen Vans: Die Geräuschdämmung ist top und man fühlt sich eher wie im Pkw.

Abmessungen

Länge: 4,89 m, 5,14 m und 5,37 m
Radstand: 3,20 m und 3,43 m
Breite: 1,92 m
Höhe: 1,88 m (bei Dachreling +48 mm)

Fazit: Die Mercedes V-Klasse wurde optisch etwas aufgefrischt, wichtigste Änderung sind die aktualisierten Motoren mit mehr Power, Anpassung an die Euro 6d Temp Norm und auch mit etwas weniger Verbrauch. Wichtig ist zudem das Update bei den Assistenzsystemen, auch wenn der Notbremsassistent leider noch nicht serienmäßig ist. Die V-Klasse bleibt mit Spitze im Segment, wobei der Preis (ab 37.000 Euro, aber mit gezeigter Luxusausstattung oder als Marco Polo locker doppelt so viel) für die meisten Familien unerreichbar bleibt. In puncto Fahrverhalten ist die V-Klasse so dynamisch aber auch so leise wie kein anderer Van.

Autogefühl: ****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Video: Autogefühl, Michel Weigel